Bewusstseinszustand... (Schauungen & Prophezeiungen)

Elfe, Sonntag, 11.04.2010, 00:25 (vor 5879 Tagen) @ Gerhard (3902 Aufrufe)

Hallo Gerhard!

Liebe Elfe,

vielen Dank für den Link, den ich leider erst heute ganz durchlesen konnte
- und deshalb dauerte es so lange, bis meine Antwort kommt.

Bin beeindruckt, mit welch sicherem Gespür Du diesen Text in den Weiten
und in der Fülle des Internet gefunden hast. Denn es ist eine wirklich
gute Übersicht über den Stand der Traumforschung - vor allem im Hinblick
auf PSI - bis zum Jahr 1978. Im Grunde ist man heute nicht viel weiter,
denn die umfassende Theorie, die der Autor fordert (um Wachbewußtsein,
Traumbewußtsein, PSI-Zustände miteinander in sinnvolle Beziehung zu
bringen), konnte bislang nicht entwickelt werden. Wenigstens nicht von der
modernen Wissenschaft. In anderen Kulturen ist man m.E. fortgeschrittener,
aber die betreffenden Koordinatensysteme, die in jahrtausendlanger Praxis
entwickelt wurden, werden von westlichen Wissenschaftlern nicht
anerkannt.

Es ärgert mich jetzt etwas, dass ich den Artikel nicht gleich ganz gelesen
habe, denn dann hätte ich sofort auf ihn verweisen können, als Detlef
behauptete:

"Schauungen sind etwas grundsaetzlich anderes als Traeume. Und sie gehen
auch nicht von Traeumen aus."

In dem von Dir verlinkten Artikel steht nämlich:

"These accounts strongly suggest that the dreaming state is the
psi-conducive state. Psi correspondences in dreams were found to be more
complete and less fragmentary than in reports of waking psi experiences."

(Mit PSI war hier gemeint: Präkognition und Telepathie)

Detlef hat in betreffendem Beitrag nicht ausdrücklich gesagt, dass er
daran zweifelt, im Traum könne überhaupt Präkognition stattfinden. Aber
ich gewinne fast den Eindruck. Jedenfalls will ich hier nochmals
festhalten, dass es Stand der Wissenschaft ist, dass in Träumen oder
(falls man die eigentliche PSI-Wahrnehmung vom gewöhnlichen Traum
unterscheiden möchte) vom Träumen ausgehend Präkognition möglich ist. Ein
beeindruckendes Beispiel, wenn man von der englischen Literatur wegkommen
will, ist das Traumtagebuch der Christine Mylius, das von Professor Bender
(der auch die Feldpostbriefe untersuchte) herausgegeben worden ist. Von den
rund 1300 protokollierten Träumen sind etwa 10% präkognitiv.

Fast also komme ich mir etwas blöde vor, wenn ich solche Binsenweisheiten
hier auf diesem Forum verteidigen muss (macht aber nichts ...). Wobei ich
andererseits sofort zugestehen kann, dass es Personen gibt, die
PSI-Wahrnehmungen im Wachbewußtsein haben können. So war es offensichtlich
bei Irlmaier, oder bei der Helmsauer Marie (Bekh), oder auch beim
Waldviertler Bauern. Doch gerade letzteren betreffend meine ich einmal
gelesen zu haben, dass seine erste "Vision" im Schlaf oder beim Aufwachen
zu ihm gekommen sei. Von da ab hatte er das dann immer öfter und auch
tagsüber (vorzugsweise aber in entspannten Zuständen). Die Gesichte hätten
dann aber irgendwann wieder aufgehört. Als ich auf der Suche nach dem Beleg
hierzu die Bayerischen Hellseher von Bekh durchgeblättert habe ***, fiel
mir auf, bei wie vielen anderen (Holzhauser, Stockert etc.) der Schlaf
bzw. die Nacht bzw. der Traum mit der Schau verbunden waren. Selbst ein
Profi wie Croiset bezeichnet seine Schauungen als "traumähnlich". Sehr
interessant sind die Seiten über Croiset bei Bekh (vor allem wg. der Rolle
der Telepathie). Und auch die folgende Seite zu Croiset ist sehr
instruktiv, weil sie in knappen Worten sehr viele wichtige Sachverhalte
mit Bezug zur "Seherei" aufführt.

http://www.parasearch.de/mysteria/fw/fw6008.htm

Im Grunde geht es wohl eher um einen gewissen Bewusstseinszustand (http://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstseinszustand), der bei solchen aussergewöhnlichen Erlebnissen vorherrscht und den die Parapsychologen bei ihren Experimenten als hilfreich erfahren haben. Honorton nutzte die bei den Schlaf- und Traumexperimenten im Maimonides lab gewonnenen Erfahrungen bei den folgenden Ganzfeld-Experimenten und fand dabei heraus, dass die Testpersonen besonders gute Resultate erlangten, wenn sie Erfahrungen mit Meditation hatten, vorherige PSI-Erlebnisse hatten und beim MBTI (Myers-Briggs-Type Indicator http://de.wikipedia.org/wiki/Myers-Briggs-Typindikator), einem Persönlichkeitstest, mit ENFP abschnitten (http://www.irva.org/library/articles/smitat-prl.html).
Meditation deutet wieder auf den Bewusstseinszustand hin, der Typ ENFP gibt Auskunft über den Umgang mit Wahrnehmungen, Eindrücken und Informationen.
Bei religiös geprägten Berichten taucht des öfteren das Wort "entrückt" auf, für mich auch wieder ein Hinweis auf einen bestimmten Bewusstseinszustand.

Bemerkenswert finde ich, dass die in der Parapsychologie durchgeführten Experimente überhaupt funktionieren. Denn sie sind ja willentlich gesteuert.
Dem gegenüber stehen die Erfahrungen, bei denen keine (bewußte?) willentliche Steuerung im Spiel ist.
Und während bei den willentlich gesteuerten Experimenten alles nach einer neutralen Informationsquelle aussieht, gibt es immer wieder Berichte, die den Anschein erwecken, "jemand" schicke die Bilder, Worte oder Ahnungen.
So heißt es beispielsweise bei Sepp Wudy "Ich bin nur ein Knecht und ich weiß nicht, ob es ein guter oder ein böser Geist ist, der mir diese Sachen vormacht. Aber ich weiß, daß es einmal wahr werden wird.“ (https://schauungen.de/prophwiki/index.php?title=Sepp_Wudy)
Hier gäbe es noch viel zu dröseln.......


Was kann man positiv aus dieser Diskussion mitnehmen? Bei der Analyse von
präkognitivem Material muss unbedingt beachtet werden, ob es aus einer
Schau im Wachbewußtsein stammt oder aus einem "Traum". Die Schau vom Tage
mag realistischer sein, aber es ergibt sich daraus selbst keine Gewähr,
dass sie auch wahr ist oder sich bewahrheitet. Die Präkognition im Traum
ist per se nicht besser oder schlechter (in Bezug auf den
Wahrheitsgehalt), aber es ist viel schwieriger sie zu analysieren, weil
sie durch die bekannten Wirrnise und Tücken des Traumes verzerrt sein
kann - nicht notwendigerweise aber verzerrt sein muss. Es
zählt am Ende immer die Analyse, Prüfung, Evidenz und Bestätigung.

Ein sehr schönes Beispiel dafür ist die berühmte Vision des Chemikers
Kekule zum Bezolring. Sie kam ihm im Halbschlaf, als er über seiner Arbeit
am Schreibtisch einzunicken drohte. Es hat mehrere Jahre gedauert, bis er
seine "Idee" dann veröffentlichte, und es hat viele weitere Jahre
gedauert, bis man dann durch weitere Experimente und Berechnungen sicher
war, dass die Kohlenstoffatome einen Ring bilden können. Heute ist der
Benzolring Wirklichkeit, und er war es schon (fast) seit Anbeginn des
Universums. Aber erst seit Kekules Traum "wissen" wir es.

Woher kommen eigentlich Ideen? Zahlreiche Philosophen haben sich mit dieser Frage schon beschäftigt. Manche Kreativitätstechniken lehren uns, das eigentliche Problem bei der Lösung aus den Augen zu lassen ("Man löst das Problem, indem man sich vom Problem löst"). Und es wird immer wieder berichtet, dass große Wissenschaftler ihre "großen Ideen" hatten, wenn sie sich gerade nicht mit dem Thema beschäftigten. Die Psychologin Andrea Brackmann geht übrigens davon aus, dass viele Hochbegabte (also Einstein & Co) auch hoch sensibel sind und über eine hohe Berührungs-, Licht-, Geschmacks- und Geruchsempfindlichkeit verfügen. Für mich bleibt da schon die Frage: Kommt wirklich jede geistige Höchstleistung allein aus der Person heraus?
Genug gesponnen.


Liebe Elfe, ich bitte um Nachsicht, dass ich ausgerechnet an Dich
gerichtet alle diese Dinge schreibe! Aber Du verstehst, dass es auch für
anderere interessierte Mitleser und Mitleserinnen gemeint ist. Und ganz
sicher werde ich beim nächsten Mal alle Deine Links sofort verschlingen.
Oder ist das zu viel versprochen?;-)

Herzliche Grüße, Gerhard

***) Hab die Stelle nicht gefunden. Kann auch bei Gann oder (weniger
wahrscheinlich) bei Werdenberg gewesen sein. Die habe ich aber nicht zur
Hand.


Ein schönes Wochenende wünscht die Elfe


Gesamter Strang: