Einordnung des Déjà-vu's (Schauungen & Prophezeiungen)

Heron, Montag, 09.04.2012, 03:05 (vor 5252 Tagen) @ nickela (5188 Aufrufe)

Hallo nickela,

also ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Déjà-vu's genau in der von dir beschriebenen Weise auftreten und das es sehr viele Menschen (wahrscheinlich sogar alle) gibt, die bereits ein Déjà-vu hatten. Die bisherigen Erklärungsversuche der Neurophysiologen sind etwas hilflos, weil man die irrationale Komponente dabei nicht einbeziehen kann. Auch hat man sich dem Phänomen daher nur mehr eher beschreibend nähern können. Eine unbestreitbare funktionale Erklärung gibt es daher nicht. Immerhin gibt es aber unter Einfluss von Drogen und manchen psychischen Erkrankengen sehr wohl Personen, die wesentlich häufiger Déjà-vu's erleben als bei anderen Menschen. z.B. hier beschrieben

Den Ansatz in dem Link das Déjà-vu grundsätzlich als "falsche Erinnerung" und damit als Hirnstörung zu betrachten bitte ich zu ignorieren. Meiner Meinung nach ist das "wissenschaftlich untersuchte" Déjà-vu etwas anders definiert, nämlich in Richtung auf eine untersuchbare Störung, womit das präkognitive Déjà-vu nicht zum Untersuchungsspektrum zählt.

Ich kann versichern ich stehe nicht unter Drogen. Ich habe auch keine diagnostizierte Hirnfunktionsstörung und es geht mir wie den 90% aller Menschen, die zugeben ein Déjà-vu gehabt zu haben. Im Unterschied zum wissenschaftlichen Erklärungsanatz kann ich aber "Falscherinnerungen" ausschließen. Bei mir hat es sich auch jeweils um Traumerlebnisse gehandelt, die später genau in der im Traum erlebten Weise geschehen sind.
Konkret waren das nur Bilder oder Kurzsequenzen von weniger als 1s Dauer, so dass keine Chance bestand bei Erleben etwas zu ändern. Der Eindruck besteht jeweils aus dem Bild und der Stimmung beim Erlebnis, keine Farben, keine Geräusche oder sonstige Sinneserlebnisse. Außerdem kann ich einen präkognitiven Déjà-vu Traum nicht erkennen. Er ist wie jeder andere Traum. Allerdings werte ich meine Träume nicht besonders aus oder sammle sie. Erst im Moment des Erlebnisses (bzw. in der Sekunde danach) wird mir bewußt, dass genau diese Situation schon einmal von mir im Traum erlebt wurde. Der Zeitabstand zum Traum ist variabel, immer mehrere Jahre, niemals weniger. Interessant dabei ist die Präzision dabei, das Bilderlebnis ist exakt und detailliert. Aber ich könnte das nur schwer in präzise Worte kleiden. Als Analogie mag dienen, das es schwer fällt, bei einem flüchtigen Blick auf ein unbekanntes Bild, die Details genau zu beschreiben, obwohl man es ohne Zweifel sofort wiedererkennen würde.
Ich darf ausserdem anmerken, dass meine Präkognitionserlebnisse allesamt nur auf mich bezogen sind und dass es sich immer um banale Situationen handelt. Z.B. ein Bild auf einer Wanderung, aber korrekt mit den begleitenden Leuten und der Stimmung. Ein Bild beim Abgeben von etwas (allerdings eindeutig zuordnungsfähig, was und wo das war, keine Wiederholung oder Verallgemeinerung möglich) oder ein Bild von meinem PC-Display mit einem Programm, das exakt die Wiedererkennung erlaubt.
Das ist nun alles nichts weltbewegendes und erlaubt in keiner Weise einen Blick in die Zukunft. Allerdings implizieren meine Erlebnisse, das die Zukunft eben doch schon im Detail existieren muss. Ich kann mir keine Phantasie vorstellen, die einen exakten Bildeindruck Jahre im Voraus für Entscheidungen, die noch gar nicht getroffen sind, produziert. Allerdings ist es möglich, dass nur eine von vielen möglichen Zukünften wirklich realisiert, da ich nicht weiss, was ich vielleicht noch alles träume und was aber nie real wird. Totzdem ist mein Erinnerungsbild aus dem jeweiligen Traum konkret und exakt und nicht irendwie vage.

Deine ursprüngliche Frage ob ein Déjà-vu eine Schauung ist möchte ich daher so beantworten.

- Die Definition des Déjà-vu muss auf das präkognitive Déjà-vu erweitrt werden, um nicht mit der neurowissenschaftlichen Definition verwechselt zu werden.
- Das präkognitive Déjà-vu ist offenbar eher kurz und präzise, fast immer optisch. Außer den durch Sinnesorgane gelieferten Informationen können auch Stimmungen/Emotionen Bestandteil sein. Genau so, als würde das Ereignis erlebt werden, nicht nur geschaut.
- Das Déjà-vu wäre nach dieser Beschreibung der Spezialfall einer Schauung, die ungewöhnlich präzise und verwechslungsfrei vom Sehenden wahrgenommen wird.
- Schauungen sind sonst viel allgemeiner definiert, weil hierbei der Schauende nicht immer persönlich die Quelle ist, auch kann eine Schauung daher auch Inhalte zum Gegenstand haben, die nicht nur den Schauenden betreffen. Ebenso gibt es bei Schauungen viele Unschärfen, die meiner Meinung nach nicht nur durch die Schwierigkeit der Beschreibung entstehen. Es gibt auch die vielfach beschworenen "symbolischen Elemente" im Gegensatz zum konkreten Bild. Bei Schauungen wird außerdem inzwischen diskutiert, ob Verlaufsänderungen möglich sind.

Mir ist klar, dass ich mit obiger Beschreibung das Déjà-vu auch nicht erklären kann, aber es ist ein sehr interessanter Ansatz um das Thema Schauung überhaupt untersuchen zu können ohne dabei immer ins nebulöse abzuirren. Allerdings ergibt sich für das Forum wohl auch keine nutzbringende Anwendung, wie eine zutreffende Vorhersage des Weltgeschehens.

Gruß, Heron


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