mal schaun, wo wir hinkommen (Schauungen & Prophezeiungen)

detlef, Samstag, 14.04.2012, 15:31 (vor 5247 Tagen) @ Heron (5125 Aufrufe)

moin,

vorneweg, es war mir ein vergnuegen, deine beitraege in diesem thread zu lesen. endlich kommen wir wieder vom "godlike-productions" stil weg.


Ich habe ja schon in meinem ersten Beitrag in diesem Thread geschrieben, dass ich Déjà-vu's nicht verwendbar für Zukunftsprognosen halte. Allerdings nicht deshalb, weil einige "immer" erst im nachhinein als präkognitiv erkannt werden, sondern wegen ihrer Kürze. Der Informationsgehalt läßt eher im Ausnahmefall als in der Regel Schlüsse zu, wie die, die aus einer Schauung gewonnen werden könnten.

ein nicht "im nachhinein" kaeme doch nur in frage, wenn die fragliche information vor eintreten bewusst bekannt ist.
doch nach meinem verstaendnis bezeichnet "déja vu" ausnahmslos vorkommnisse, wo erst in der situation die erinnerung wach wird an getraeumtes/vorher wahrgenommenes.
eine schau muss nicht unbedingt epische laenge haben.
ein vorfall:
mir schoss, mitten am tag ein einziges bild einer unfallszene durch den kopf.
woraufhin ich die erste hilfe ausruestung kontrollierte und ergaenzte.
nach wochen sah ich genau diese szene real.
das war in meinen augen kein déja vu, sondern eine kurze schau.
der einzige zulaessige schluss nach dem sehen des bildes war: es wird einen unfall geben. (aber das reicht doch, oder?)


Es gibt aber schon Aspekte am Déjà-vu, die zum Thema Schauung Beachtung verdienen.
1. Fast alle Menschen haben welche. (Allerdings ist unbekannt wieviele davon mit präkognitivem Charakter sind.)

meiner meinung nach alle. - lediglich die qualitaet des empfanges ist schwach.

2. Unter der Annahme, dass es präkognitive Déjà-vu's gibt, sind sie auch eine Schauung, wenn auch eine spezielle Form (Hypothese: Es könnte sich um die Basisfähigkeit handeln, die erst Schauungen ermöglicht.)

ja (und ja)

3. Nur ich kann meine Déjà-vu's erst im nachhinein als präkognitiv einordnen. Bei nickela ist das anders. Gemeinsam ist dagegen die Seltenheit derart eingeordneter Déjà-vu's. (Das Phänomen ist bisher eigentlich wenig Untersucht. Ich werde mal sehen ob ich dafür öffentlich zugängliche Studien finde, die das Phänomen etwas ausführlicher behandeln. Ich erwarte eigentlich, dass das Phänomen vielschichtiger ist. D.h. es wird verschiedene Phänomene geben. die unter diesem Begriff subsummiert werden und es wird schwer sein Präkognition von anderen Formen des Déjà-vu zu unterscheiden, wenn man die physiologischen Grundlagen nicht/ungenügend kennt.)

na, da hab ich meine zweifel. da es meines wissens keine indikatoren gibt, wann déja vus eintreten, muesste man jeden traum der versuchsperson vor einem, eventuellen eintreten bewusst machen.
da ich mir keine "déja-vu versuchsanordnungen" vorstellen kann, bliebe doch nur der weg der nachtraeglichen psychoanalyse.
(was waere gewonnen, wenn mir nachtraeglich ein kopfklempner erklaeren wuerde, meine vorausschau auf den unfall sei mit meinen fruehkindlichen sexualphantasien verknuepft??)


Ich erinnere daran, dass auch Schauungen erst dann verifiziert werden, wenn sie eingetroffen sind. Ganz zu schweigen von den Unschärfen durch Symbolik, Interpretation, Erfindung und Fälschung. Die Vermutung, dass ein Seher korrekte Vorhersagen gemacht hat, weil es bereits eingetroffene Vorhersagen gibt, reicht ja leider nicht aus, weil das die Gilde der Fälscher geradezu motiviert. Auch hat sich bisher jede Schau bezüglich der Vorhersage ihres Erfüllungszeitraums als Ente erwiesen.

nun, so stoerend sie sind, erfindung und faelschung sind unangenehme nebenerscheinungen.
(btw - ich erinnere mich, dass ich seinerzeit hinter den kulissen dem BB monatelang damit auf den nerv ging, dass mir wuestenrufers schauungen "unrichtig" vorkamen.
hypothese: seher koennen (teilweise?) fuehlen, ob von anderen mitgeteilte schauungen "richtig" sind, oder nicht)
symbolik - da bin ich ueberzeugt, dass das vorhanden sein oder nicht von symbolik in schauungen oder prophezeiungen von der poersoenlichkeitsstruktur des emfangenden abhaengt.
interpretation - ist in jedem fall eine verfaelschung der empfangenen information.
schon, wenn der seher die information das erste mal in worte packt, werden akzente gesetzt oder weggelassen. wenn dann die spezialisten auf die schau losgelassen werden, wird's grausam...
trotzdem kommen wir nicht ohne sie aus.
das gleiche gilt fuer den maßstab der bereits eingetroffenen schauungen.
es ist ein schlechtes instrument, aber wir haben keine besseren.
und, ja, die bestimmung des erfuellungszeitraumes ist sehr schwer.
(und, wenn ueberhaupt, IMHO nur vom seher selbst zu bewaeltigen, unter einbeziehung der nicht verbal uebertragbaren informationen)


Die Brauchbarkeit von Schauungen für die Zukunftsprognose ist ebenfalls recht begrenzt, weil es bisher immer schwer war eine Fälschung auszuschließen und Prophezeiungen (die sich nicht erfüllen müssen, aber dennoch gesehen werden) zu erkennen. Ich gebe zu, man kann bei Schauungen wesentlich mehr diskutieren, wie man sie einordnen will und welche Seriösität ihnen innewohnt. Aber Gewissheiten ergeben sich genau so wenig, wie bei Déjà-vu's.

jein. bewiesene gewissheiten sind nicht zu erreichen. gefuehlte gewissheiten der seher selber sind (bei den serioesen sehern) ueberhaupt erst die voraussetzung eine schau anderen mitzuteilen.


Letztlich kann nur der Seher selber sagen, welchen Grad an Relevanz er seinen Schauungen zumisst. Da bist Du zum Beispiel eine große Ausnahme, indem Du nach deinen eigenen Schauungen handelst. Mir sind nicht besonders viele Seher bekannt, die für ihre Schauung in dieser Weise eine Verantwortung übernehmen.

das glaub ich dir nicht.
abgesehen davon, dass wir alleine hier im forum kenntniss von zwei weiteren "schiffbauern" haben, kann man sich fuer die meisten geschauten szenarien leichter (und unauffaelliger) vorbereiten.
nimm nur BB, der (dank des zeitproblems zu frueh) sich eine palette oelsardinen einlagerte.
oder ITOma, die wegen ihrer schauungen den wohnort wechselte.
oder wizzard, der dauernd im harz rumlatscht, weil er sich da sah.
nö, da liegst du schief.


Andere können darüber nun spekulieren und vergleichen, aber wie Du aus eigener Erfahrung weißt, wird dem Seher nicht geglaubt, es sei denn seine Schau trifft ein. Dieses Problem haben Seher bekanntlich schon so lange, wie es Berichte darüber gibt. Wenn ich es richtig verstanden habe glaubst Du selbst auch eher nur deinen eigenen Schauungen.

hmmm.... nee, ich glaub eher, dass da sehr viele schauungen sind, wo die interpretation mist gebaut hat. (besonders in zeitlicher hinsicht)


Ich verstehe deinen pragmatischen Ansatz dem Phänomen Schauung etwas nützliches abzugewinnen, aber auch wenn natürlich letztlich immer der Nutzeffekt das Ziel irgendeiner Aktion ist, so ist es doch recht oft nötig ein Phänomen erst einmal zu untersuchen mit dem Idealziel es zu verstehen, damit es dann auch zielgerichtet (aus)genutzt werden kann.

ich bin, als religioeser mensch, felsenfest davon ueberzeugt, dass schauungen irgend einen sinn haben. und als pragmatischer realist glaube ich, dass dieser sinn in vorbereitung auf das geschaute liegt.
(und all denen, denen nun die kinnlade am guertel haengt - nein, es ist fuer mich kein widerspruch, als religioeser mensch hier gegen die staendigen, stoerenden missionsversuche anzukaempfen)
der wunsch zu verstehen ist der hauptgrund, warum ich hier mit euch so viel zeit verplempere. (zeit, die ich fuer vorbereitung und genuss gut brauchen koennte)


Bei Schauungen kommt man mit dieser Methode nur nicht besonders weit, weil es:
1. relativ wenige Beispiele gibt und

relativ wenige bekannte beispiele. wer weiss, wieviele menschen ihre schauungen einfach verschweigen, weil sie nicht als spinner gelten wollen?

2. es kein bekannte physikalische Basis gibt (geben kann?),

und, was hindert das? fuer blitze gab es auch keine bekannte physikalische basis, bis die elektrizitaet "erfunden" wurde.
ich weiss nicht, wie'n computerchip funktioniert, und benutze ihn trotzdem.

3. es aus unterschiedlichsten Gründen nur so vor Scharlatanen wimmelt, und

lass doch den Stephan in ruhe! (im ernst, damit muessen wir halt einfach leben)

4. häufig Glaubensvorstellungen es verhindern eine Schauung in Frage zu stellen.

oder auch, sie anzuerkennen.


Beim Déjà-vu könnte das aber anders sein, weil:
1. das Phänomen weit verbreitet auftritt,
2. es Untersuchungen dazu gibt (in wie weit, diese allerdings brauchbar sind, muss ich noch in Erfahrung bringen), und

siehe mein geschreibsel oben.

3. Betrug durch die Untersuchungsbedingungen nach Möglichkeit ausgeschlossen werden kann.

das wuerde mich interessieren, wie.


Ich hoffe ausführlichen begründet zu haben, warum ich das Déjà-vu für interessant in Bezug auf Schauungen halte.

hast du. aber ich kann dir nicht in allem folgen.


Es gibt zwei Hypothesen:
1. es gibt präkognitive Déjà-vu's
2. es handelt sich dabei um verifizierbare Schauungen

womit die bezeichnung "déja-vu" entfallen muss, wenn der "trauminhalt" der person vor eintreten bewusst ist.


In diesem Zusammenhang hätte ich z.B. die Frage an Dich, ob Du neben deinen Schauungen auch Déjà-vu Erlebnisse hattest und ob sich diese dann Schauungen zuordnen lassen.

ja, das kommt vor.
das letzte mal unterhielt ich mich mit einer unappetitlichen person. der fing an, in der nase zu bohren. da sah ich innerlich ihn mir die hand reichen. und schon geschah's auch in der wirklichkeit...
und nein, ich hab noch nie ein déja vu gehabt, welches irgendwie mit einer meiner schauungen in relation stand.

gruss,detlef


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