Wie stehts mit wissenschaftlichem dialektischen Materialismus? (Schauungen & Prophezeiungen)

Bernhard_Berlin, Mittwoch, 30.05.2012, 13:02 (vor 5264 Tagen) @ BBouvier (5129 Aufrufe)

Guten Tag BB!

Nun kann ich nicht behaupten, in einem Maße ein Experte für Spengler zu sein, das über die oberflächliche Beschäftigung im Studium hinausgeht. Aber ich will doch stark anzweifeln, dass Spenglers Ideen sich mehr bewahrheitet hätten, als z.B. der dialektische Materialismus nach Hegel und Marx. Immerhin hatte Marx ja mit den Zyklen freier Märkte Recht, oder? Und ruft nicht auch DeGard regelmäßig nach dem Weltoktober?

(Ein Beispiel wäre Spenglers Einstellung zur republikanischen Staatsform, die sich nur dann in Einklang mit der historischen Entwicklung bringen ließe, wenn man ihn sich doch recht arg zurechtbiegt, à la "die USA sind keine Republik, sondern eine Wahlmonarchie/Herrschaft von gewählten Demagogen", bzw. Spengler ist dabei selbst schon etwas widersprüchlich, so ich mich recht erinnere).

Nicht dass man mich jetzt falsch versteht: Ich bin keineswegs ein Anhänger marxistischer Ideologie und würde jedem Marxisten genauso widersprechen. Ich glaube, das derartigen Welterklärungsmodellen, die einen allzu umfassenden Anspruch erheben, generell mit Skepsis zu begegnen ist. Allzu oft verschwimmt dabei doch die Grenze zu weltanschaulichen Überzeugungen und eine saubere Analyse kann nicht wissenschaftlich bleiben.

Meiner Meinung nach sind "post-religiöse Religionen", die den (oft sogar wissenschaftlichen) Anspruch erheben, die Welt zu erklären, grundsätzlich fehlerhaft, zumeist gefährlich und zum Scheitern verurteilt. Eine Religion ohne Gott zu erschaffen, ist noch immer nach hinten losgegangen. (In diesem Zusammenhang liegt mir Hannah Arendt weit mehr als Spengler oder Marx.)

Nun tut meine Meinung nichts zur Sache, und obwohl ich denke, dass solche Diskussionen durchaus interessant und mitunter auch fruchtbar sein können, wurde hier schon oft angemerkt, dass dieses Forum eigentlich nicht der Platz dafür sein sollte.

Und ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Marxist mit seiner Analyse des Weltgeschehens auf dialektisch-materialistischer Basis hier soviel Toleranz erfahren würde, wie es rechtslastige Ideologie zu tun scheint.

In der Hoffnung, den Ton getroffen und niemandem allzu sehr auf die Füße getreten zu sein, wünsche ich beste Grüße aus Berlin,
Bernhard


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