Lieber Eyspfeil,
in der "Kultur" (die ja, wenn ich Euch recht verstanden habe, bis irgendwann zwischen 1850 und 1888 bestand) war Kunst nicht auf "Sex" und "Vergnügen" ausgerichtet?
Na, dann schau Dir mal Aktmalereien aus der Blüte der abendländischen Kultur an, da wird Dir die Hutschnur hochgehen! ;)
Auch der Adel in der Barockzeit war kein Kind von Traurigkeit. Die Prüderie kam vor allem erst mit dem aufstrebenden Bürgertum während der Industrialisierung zustande. Die vorindustrialisierte Gesellschaft hatte da weitaus weniger Beißhemmung.
Schau Dir nur mal den Minnesang des Hohen Mittelalters an! Potzblitz-Porno!
Und man denke an die zahlreichen Tänze verschiedendster Form, von Mozart et al -- die wurden sicher auch nicht komponiert, damit man ihnen still sitzend ehrfürchtig lauscht.
Wie ich oben ja bereits ausgeführt habe, finde ich den Vergleich der Elitenkultur der damaligen Zeit mit heutiger Popmusik unpassend: Eher schon sollte man vulgäre Tanzmusik fahrender Musiker oder derbe Volkslieder von damals mit der heutigen Massenware vergleichen. Und die war damals auch nicht eben sonderlich jugendfrei und durchaus vergnügungssteuerpflichtig.
Natürlich stimme ich Dir zu, dass das meiste, was heute an "Musik" produziert wird, Mist ist. Ich glaube nur nicht, dass das jemals anders war. Man erinnert sich heute eben nur noch an die guten Perlen, die es auch wert sind, erinnert zu werden.
Liebe Grüße,
Bernhard