Hallo!
Ich persönlich bin der Auffassung, dass das Bild vom "Großen Monarchen", der "in Köln" gekrönt wird und "den Papst nach Rom heimführt", völlig undeutsch ist. Es handelt sich für mich um einen (weitgehend wertlosen) französischen Kulturimport.
Da magst Du allerdings recht haben. Jedenfalls bei Kugelbeer, der die Kaiserkrönung in Köln ausführlich beschreibt und dessen Aussagen wohl nicht unbeeinflußt sind, taucht in den Szenen die Lilie auf, was ein Hinweis auf französische Prägung ist. Daß bei der Rückführung nach Rom Kaiser und Papst bei Kugelbeer am Bodensee vorbeischauen und dem Seher die Hand schütteln, kann man ebenfalls in die Tonne kloppen und damit wohl die ganze Aussage.
Die Fragen sind:
Wie unbeeinflußt, d. h. echt sind Irlmaiers Aussagen zum Kaiser/König?
Wie unbeeinflußt ist der Waldviertler, der offenbar Szenen der Kaiserkrönung, bzw. symbolische Allegorien dazu sah?
Zudem gibt es noch die Frau aus Trier, die den Kaiser vor dem Aachener Dom sah. Hatte die vor der Schau schon von Prophezeiungen und Kaiserprophetien gehört?
Es gehen womöglich in den Prophezeiungen ältere Mythen über den großen Monarchen, die in der Vergangenheit immer wieder auf lebende Monarchen, z. B. Friedrich Barbarossa und Karl V., bezogen wurden und in der Überlieferung fortdauerten, selbst jedoch mehr Wunschvorstellung als Seherschau sind, nahtlos in Schauungen neuerer, nachweisbarer Seher über. Dabei könnten echte Schauungen in der Überlieferung mit den Motiven der älteren Kaiserprophetien ausgedrückt worden sein, was sich nachträglich aber nicht mehr herausfiltern läßt.
In ähnlicher Weise gehen wir ja davon aus, daß tatsächliche Naturkatastrophen unter Rückgriff auf biblische Motive (dreitägige Finsternis) ausgedrückt wurden.
Die ketzerische Frage, die sich mir diesbezüglich aufwirft, lautet:
Ist es möglich, daß tatsächliche Seher eine Art morphogenetisches Feld anzapfen, das den Kaisertopos enthält, so daß sich das alte Kaisermärchen als echt erscheinende Präkognition darstellt? (Diese Frage läßt sich auch zu anderen Schauungsmotiven stellen.)
Wenn Demokratien (und ein debitistisches Wirtschaftssystem) als Machtinstrument der Geldherrschaft nicht völlig dysfunktionale, dem Tode geweihte Konstruktionen wären, die unweigerlich eine seelische und physische Ruinenlandschaft hinterlassen, während andererseits ab einer gewissen Kulturstufe und Bevölkerungszahl männliche Herrschaft, ausgeübt von Einzelpersonen (!) die Regel zu sein scheint, wäre mir die Quellenbasis für einen Kaiser schon beinahe zu dünn, um mit einem Imperator zu rechnen.
Gruß
Taurec
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„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
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„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“