Hallo,
ich denke, man sollte nicht die Angst focussieren, sondern Mut, Zuversicht und Glauben an den Sieg des Guten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich in Deutschland eine Kultur der Mutlosigkeit breit gemacht, die in antiken, latent bellizistischen Kulturen unweigerlich zum Untergang geführt hätte. Krieg - so destruktiv er auch ist - hält dennoch auf sehr effiziente Weise eine Kultur des Mutes hoch - und damit auch eine gewisse Kultur des Mannes.
In sofern leben wir heute in einer Kultur des übermäßig Weiblichen: des zu weichen, nachgebenden, materialistischen, konsumorientierten, der überwiegend von Frauen gefördert wird (na sagen wir mal zu 56%). Wir sind von einem Extrem zum anderen.
Das heute weitverbreitete beruhigende "Hab' keine Angst!" ist in meinen Augen lediglich die Parole derjenigen, die es aufgegeben haben, mutig zu sein.
Unsere Kultur ist dabei völlig zu vergessen, dass Angst aufs Engste mit Mut und Glauben korreliert.
Fast könnte man sagen, es gibt eine Verschwörung, die darauf hinarbeitet, dass nicht mehr nach den Ursachen der Angst gefragt wird. Man muss nur noch sagen: "Ich habe Angst!" - und alles schweigt andächtig.
Klar - man kann das auch nur persönlich betrachten. Mitfühlend, usw.
Aber ich denke unseren heutigen Umgang mit Angst sollte man im kultur-historischen Zusammenhang sehen. Eine ent-idealisierte Gesellschaft hat irgendwann keine Kraft mehr, Angst zu ertragen, weil sie sich völlig im Diesseitigen verliert. Für Ficken, Fressen, Fernsehgucken zu kämpfen und sterben ist nicht so wahnsinnig verlockend.
Ansonsten: ich persönlich suche mit einen luftdichten, einsturzsichern Raum, Menschen, auf die ich mich verlassen kann, und dann Augen zu und durch.
Ich hab schon 3 mal 3 Tage durchgemacht (ein Mal 72 Stunden/6 Stunden Schlaf/und gleich noch mal 72 Stunden). Das ist nicht das Problem. Vermutlich isst man vorher nicht so viel, damit man sich nicht vollkotzt.
Und wahrscheinlich werde ich auch beten. Und mit Leuten zusammen sein, die auch beten.
Nochmal zur Angst. Ich meine mit obigem nicht dich persönlich, traumtänzerin. Ich kenne dich schließlich nicht. Deine Zeilen sind für mich nur Inspiration für etwas, von dem ich denke, dass es klar gesagt werden muss.
Ich denke, dass es notwendig werden wird, die Mutlosen - sofern sie sich nicht er-mutigen lassen - gewissermaßen zu brandmarken, in dem man ganz klar sagt: "Dies hier ist ein Angsthase und ein Hosenscheißer ... passt auf ihn auf, beschneidet seinen Einfluss auf ein Mindestmaß, und achtet darauf, dass er euch mit seiner Mutlosigkeit nicht ansteckt. Feiglinge sind wohlgemerkt keine schlechteren Menschen. Aber sie gehören unter eine Art geistige Karantäne."
Es gilt kein Recht auf Feigheit, so wie es kein Recht auf Keuchhusten gibt.
Keine Toleranz den Mutlosen, die sich weigern ermutigt zu werden.
Seid mutig. Die Angst kommt sowieso.
Das meine Meinung zu dem Thema.
Gruß
Stephan