Hallo,
ich möchte die Fragestellung von traumtänzerin nicht als dümmliche Provokation sehen, sondern als durchaus gerechtfertigte Fragestellung, denn:
Otto Normalo (mich eingeschlossen) hat üblicherweise keinerlei Erfahrungen mit Gewalt oder Kriminalität und kann sich einfach nicht vorstellen, was beim Wegfall staatlicher (Rest-) Ordnung oder unter Extrembedingungen alles zu erwarten ist.
Vielleicht gibt es aber Erfahrungen, die gemacht wurden und hier einmal als Information dienen könnten.
Ich gehe mal von mir aus: ich besuche keine Sportveranstaltungen und habe keine Vorstellung von "Hooligans". Glücklicherweise blieb ich bisher vor Gewalt verschont und wurde erst neulich einmal ein Opfer von Diebstahl - man hat mir auf einer Messe in Paris als Besucher eine Plastiktüte mit gesammelten Prospekten geklaut. Ich wohne nicht in einer Stadt und fahre nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Wem es genauso geht, ist vermutlich gutgläubiger als Betroffene mit Erfahrung, weil man sich nicht vorstellen kann, dass das Gegenüber urplötzlich zum Mörder oder Gewalttäter wird. Weil 100% der leute, mit denen man dauernd zu tun hat, eben so sind, dass man sich jederzeit vorstellen könnte, diesen zu helfen. Aber es gibt eben auch die anderen Leute.....
Ein bisschen Vorgeschmack bekam ich, als ich einmal eine Wahlveranstaltung besuchte, seinerzeit vom EU-ablehnenden Bund Freier Bürger, einem Vorläufer der AfD. Der übliche schwarze Anarchoblock war gekommen und trillerte und pöbelte, aber dank eines Grossaufgebotes der Polizei gab es weder Übergriffe noch Brandstiftung. Trotzdem war es ein erstes Erwachen für mich aus der Umnachtung des Biedermann-Spiessbürgers. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man vor dem Fernseher sitzt, oder mitten drin steht.
Einen weiteren Vorgeschmack bekam ich hautnah auf einem italienischen Ausländeramt, wo ich mich, multikulturell enorm bereichert, in einer Schlange von rund hundert Wartenden aus den üblichen südlichen Herkunftsländern von Wirtschaftsflüchtlingen wiederfand.
Es kam zwar zu keinen Übergriffen, aber es war doch interessant, zu erleben, als sich etliche mit dem bekannten Macho-Gehabe wie selbstverständlich vordrängelten, und keinen Zweifel daran liessen, wer hier die Macht hat(te).
Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln, dass diese Grundhaltung sich dereinst ebenso zeigen wird, nur mit stärkerem Nachdruck, versteht sich.
Und wenn einem dann wirklich mal bewusst geworden ist, dass der repräsentative Querschnitt der Bevölkerung anders zusammengesetzt ist, als der der eigenen Bekannten, verfliegen Licht&Liebe-Flausen recht schnell......
Beste Grüsse vom Baldur