Reiche und Reiche (Schauungen & Prophezeiungen)

Wizard, Berne, Sonntag, 11.10.2009, 18:28 (vor 6060 Tagen) @ Taurec (3322 Aufrufe)

Moin Taurec

Sofern sich nicht alle Konstanten der menschlichen Natur verschieben und
die Welt nachher völlig anders funktioniert, wird es danach auch reiche
geben.
Das liegt allein schon daran, daß es stets Menschen geben wird, die in
manchen Bereichen fähiger und talentierter sind als andere und
dementsprechend - aus Überlegenheit - Macht und Reichtum anhäufen können.
Es wird in jeder menschlichen Gesellschaft immer Starke und Schwache
geben. Das ist eine Tatsache des Lebens schlechthin.

Volle Zustimmung!

Es hängt einzig davon ab, wie sie ihn erlangen und was sie mit ihrem Reichrum anfangen. Zudem gibt es zwei Arten von Reichtum. Der eine Reichtum, der sich bequem in Zahlen ausdrücken lässt und der für jeden erkennbar ist und der andere, nicht real messbare. Leider sind höchst selten beide Reichtümer an der selben Stelle anzutreffen, was wohl in der Natur der Sache an sich liegt.

Sobald es eine Währung, also Geld gibt, gibt es auch reiche. Eine
Gesellschaft ohne Geld ist für eine Kultur, bzw. Zivilisation, die sich
über die Stufe des stadtlosen Feudalwesens hinausentwickelt hat, unmöglich
zu handhaben.

Jein. Kultur ja, Zivilisation nein. Zumindest von einigen Nordamerikanischen Indianerstämmen ist bekannt, das sie System gegen diesen Mechanismus hatten. Bekannt ist es unter der Bezeichnung "Potlach" oder auch "Potlatch". Fälschlich oft derart dargestellt, das es sich dabei um ein "Fest des Schenkens" handelt, bei dem der ganze Stamm oder zumindest das ganze Dorf beteiligt. Richtiger ist es, dass der jeweils Reichste bzw. die reichste Familie dieses "Verschenkfest" ausrichtete (manchmal auch mehrere Reiche zusammen). Sinn des Ganzen war es, sich von überflüssigen, materiellen Besitz zu trennen. Eine Art "seelisches Reinwaschen". Nicht selten artete eine solche "Verschenkorgie" derart aus, dass ursprünglich Reichste anschließend derart arm war, das er selber auf die Hilfe der Anderen angewiesen war. Jeder war bestrebt, auch mal ein Potlach zu veranstalten. Was dazu führte, dass materieller Besitz immer schön im Kreis herumgereicht wurde. Nicht zuletzt auch eine gute Qualitätssicherung, minderwertiger Kram landete nämlich im Feuer. Und wer will schon im Ruf stehen, seine Mitmenschen mit Plunder für das Lagerfeuer zu beglücken.

Das mag es in der ersten Zeit danach geben, aber je weiter die Zeit
voranschreitet, desto mehr wird sich wieder die gewohnte Konzentration in
Städten einstellen, für deren Wirtschaftsleben Geld unerläßlich ist.

Ist es wirklich zwingend erforderlich?

Über "feudalistische Stammeswirtschaft" sind wir bereits seit
Jahrhunderten hinweg und die Geschichte läßt sich nicht zurückdrehen.

Stimmt, so einfach mit gutem Willen oder auf Befehl von irgendwem kann man die Zeit nicht zurückdrehen. Kommt es aber auch nur annähernd so schlimm wie befürchtet, steht die Uhr anschließend mehr oder weniger wieder auf 00:00. Wie schnell sich dann danach die Uhr wieder nach vorne stellt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

• Wie schlimm war es (der Knall)>

• Wie viel an Technik und Wissen wurde dabei vernichtet?

• Wie viele haben überlebt, die mit ihrem Wissen die Uhr wieder nach vorne drehen könnten?

• Wie viel Werkzeug und Material steht ihnen dann dafür zur Verfügung?

• In wie weit ist es gewollt, die Uhr wieder nach vorne zu stellen und damit das alte System wieder herauszukramen?

Die meisten Menschen heute sind, auch wenn sie auf dem Lande leben, in
seelischer Hinsicht entwurzelte Großstädter ohne innere und funktionale
Bindung zu dem Land, auf dem sie leben. (Bei 1% in der Landwirtschaft
Tätigen kein Wunder.) Das werden sie auch nachher sein. Sie haben einen
inneren Drang zu städtischen Lebensweisen, welche sich, sobald es die
Umstände zulassen, wieder ausbilden werden. Auch wenn alle Städte
entvölkert sind, werden sich rasch an geeigneten Stellen Marktflecken und
daraus Städte mit städtischen Berufen und Denkweisen bilden.

Hier bin ich geteilter Meinung und weis wirklich nicht, in welche Richtung sich da die Waage neigen wird. Sicher, früher oder später wird es genau so kommen. Allerdings darf man bei solchen Überlegungen nie außer acht lassen, das schwere Katastrophen und Kriege immer auch seelische Spuren hinerlassen. Die Mentalität ändert sich dabei und zwar in den meisten Fällen recht schnell und drastisch. Das Gleiche gilt für Fälle, wo plötzlich eine steuernde (in welche Richtung auch immer) Obrigkeit wegfällt und kein Ersatz da ist. Trifft beides aufeinander, können die Auswirkungen verheerend sein.

Hinzu kommt die Gewohntheit, sich als Nation zu betrachten. Beides wird
dazu führen, daß sich danach wieder überregionale Verbindungen bilden,
welche die Organisation einer Stammeskultur bei weitem überschreiten.
Das ist zwangsläufig.

Bist du dir da sicher?

Wo ist denn die Gewohnheit, sich als Nation zu sehen geblieben? Ich meine nach 60 Jahren Dauerberieselung von Besatzern und entsprechenden Verboten. Die Meisten wissen doch gar nicht mehr, was das überhaupt ist. Sicher, bei Fußball und ähnlichem kramt mancher mal den Wimpel raus und wedelt damit ein bisserl und das war es auch schon.

Das ganze Thema "Nation" ist nichts weiter als ein schlechter Witz, der noch nie in dem Sinne gut funktioniert hat. Jedenfalls nicht von selber und freiwillig. Stämmeweise ja, jeder Zeit. Mehr, allenfalls wenn einer mit einem Knüppel dahinter (oder fallweise auch davor) steht. Muss ich nur vor die Haustür schauen. Ich wohne hier seit über 12 Jahren und was bekomme ich bei passender Gelegenheit zu hören? "Bischa kein Stedinger ..." Wirf mal einen Blick auf die Landkarte, da steht groß "Bayern" und wenn man als "nicht Bayer" dort aufkreuzt ist man "Saupreiß". Untereinander sieht es da nicht anders aus, da wird nur zu gerne und bei jeder Gelegenheit betont, das man Franke, Oberbayer, Niederbayer usw. ist.

Was meinst du denn, was passiert, wenn nach dem Knall ein nicht unerheblicher teil der Bevölkerung und die gesamte Obrigkeit weg ist? "Großdeutschland" oder ähnliches dürften da allenfalls noch ein paar übrigbebliebene Dumpfglatzen gröhlen. :-D

Wir können von der erreichten Zivilisationsstufe
nicht mehr lange oder dauerhaft zurückstürzen. Es sei denn, die Menschheit
wird derart dezimiert, daß über Jahrhunderte nur vereinzelte Horden durch
die Ruinenfelder ziehen, ohne einander oft zu begegnen, wobei jede
Erinnerung an die frühere Kultur und die Fähigkeiten, ihre Überreste zu
verstehen, nach wenigen Generationen bereits verschwunden sind. Das wäre
ein völliger Neuanfang.

Eben drum.
Dabei muss es nicht mal ganz so schlimm kommen, wie von dir gerade gemeint.

Davon künden die Schauungen jedoch nicht.

Die Meisten nicht, stimmt. Aber die gehen ja auch nur bis zu einem bestimmten Punkt und nicht darüber hinaus. Die Schauungen, die darüber hinaus gehen, künden sehr wohl davon. Zumindest ansatzweise. Siehe z.B. die Schauungen von Detlef, ITOma und meine.

Auch die Feudalwirtschaft, die Du postulierst, bedingt beiläufig schon,
daß es welche gibt, Lehnsherren eben, die als Herrschende mehr haben als
andere. Es gibt auch dort einen mit der Macht verbundenen Reichtum und
Prunk als Ausdruck der Macht.

Ja sicher. Ist immer nur die Frage der jeweiligen Richtung.

Was der Imperator macht, ist das zügellose Denken in Geld, welches das
gesamte Leben der Wirtschaft und dem Gewinnmachen unterordnet, wieder
unter die Herrschaft der politischen Seite des Lebens zu bringen, nämlich
in dem Sinne, daß die Wirtschaft den Eroberungs- und Gestaltungsplänen des
Imperators zu Diensten zu sein hat. Der Imperator will Geld nicht um des
Geldes willen, sondern um die Welt in seinem Sinne zu ordnen.

Genau das!
Und nicht nur beim Geld. So wie ich das Sehe, macht er in etwa das Gleiche mit "Religion".

Bei den heutigen Machteliten scheint es mir indes so zu sein, daß ihr
Machtwille allein dorthin wirkt, selbst mit möglichst wenig Aufwand ein
angenehmes Leben zu führen, indem das Vermögen der Mehrheit zugunsten
dieser Minderheit nach oben umgeschichtet wird. Nebenbei soll den Menschen
durch die durchgeplante Vernichtung aller von den Vorfahren ererbten
gewachsenen Strukturen (Volk und Familie) jegliche Möglichkeit genommen
werden, sich zu einer Gegenbewegung zu formieren.

Das scheint nicht nur so zu sein.
Macht um der Macht willen.
Macht um sie mit voller Absicht zu missbrauchen.

Falls der Imperator sich tatsächlich an Spenglers Worte hält und sich
statt als rücksichtsloser Schnitter als Gärtner der Völker
betätigen will, kann ich seine Herrschaft nur begrüßen.

Wozu muss er sich da an Spenglers Worte halten? Er muss den nicht gelesen haben, um da ganz von selber drauf zu kommen. Und so neu ist die Idee an sich nicht. Da sind schon früher andere drauf gekommen.

Die Brechung der Geldherrschaft hängt nicht davon ab, daß alle Grundlagen
dafür vernichtet wären, sondern daß jemand an die Macht kommt, der dieses
System zutiefst hasst.

Ja sicher, kommt der Richtige an die Macht, kann er alles hinbiegen. Das Problem liegt dabei nicht am Wollen oder Hinbiegen, sondern einzig im "an die Macht kommen". Und das geht nun mal nur, in dem es auf die eine oder andere Weise gewaltig knallt. In einem unbedeutenden (3. Welt)Land, für das sich in dem Moment keine Sau interessiert, mag so einer noch durch Putsch oder mit viel Glück durch Volkeswille an die Macht kommen. In einem Land wie Deutschland nur dann, wenn es global knallt. Oder glaubt wer, die EU, die Amis und andere würden in aller Ruhe zuschauen, wie sich hier einer nach oben schwingt, der so was durchsetzen will und wohl möglich noch kann? Der würde doch als erstes den Austritt aus der EU veranlassen und anschließend alle Geldhähne die nach draußen führen abdrehen. Von anderen Sachen ganz zu schweigen.

MfG

Wizard


Anführer = Erster unter Gleichen, jemand der den Anderen als Vorbild DIENT, den Anderen also voran geht und nicht jemand der die Anderen voran peitscht.


Gesamter Strang: