wirklich ganz ohne? (Schauungen & Prophezeiungen)

Gerhard, Montag, 27.09.2010, 09:27 (vor 5710 Tagen) @ BBouvier (3879 Aufrufe)

Guten Morgen!

Der leider verstorbene Alexander Gann hat bekanntlich Tonbandprotokolle zusammen mit dem Landwirt aus dem Waldviertel (WV) erarbeitet. Gann bekam dann die Erlaubnis, aus diesen Protokollen das Gesicht vom Funkenregen zu veröffentlichen. In der Einleitung zur entsprechenden Publikation macht Gann über die Schauungen des WV weitere Andeutungen, die er nur aus dessen eigenem Mund vernommen haben kann.

Gann schreibt: Da der WV keine Aufzeichnungen über seine Schauungen gemacht hat, „lässt sich nur ungefähr rekonstruieren, dass sie um 1956 eingesetzt haben und um 1979 zu Ende gegangen sein dürften. Eingeleitet wurden sie von der nächtlichen Erscheinung eines hünenhaft gebauten, herrisch aussehenden alten Mannes, der einen großen Bart trug, von leise flackernden Feuerzungen umgeben war und ihm mit einem tiefernsten Gesichtsausdruck sagte: ‚Ich bin die Allmacht. Was du siehst, wird sein’. Unmittelbar im Anschluss daran hatte er seine erste Vision, die sich auf einen Unglücksfall in seiner Verwandtschaft bezog und einige Zeit später in Erfüllung ging. Seit jenem Erlebnis wurde er immer wieder von Gesichten überkommen, die in den einzelnen Jahren mit wechselnder Häufigkeit auftraten. Pro Tag jedoch nie mehr als eines. Zum Teil hatten sie Kollektivereignisse, in der Mehrzahl Begebnisse des Alltags zum Gegenstand. Sie traten sämtlich spontan, überwiegend am Morgen nach dem Aufwachen im Bett auf und waren fast ausschließlich präkognitiver Natur. In der Darstellungsform stets realistisch, präsentierte sich ihm das Visionsgeschehen so wie in einem Kinofarbfilm, der sehr rasch vor seinem inneren Auge ablief. Wobei ihm jedoch nicht nur optische Eindrücke zuteil wurden, sondern auch solche anderer Sinne. Gewahrte er sich selbst in der Vision, so nahm er jeweils über die ganze Sinnespalette hin all das wahr, was er - als in der Vision Agierender - wahrnahm. Sogar innere Empfindungen blieben ihm dann nicht verborgen. So hat er zum Beispiel in der Funkenregenvision an einer bestimmten Stelle des Geschehens ein [eigenes] Erschöpfungsgefühl mitbekommen. Bei manchen Gesichten trat außerdem eine ‚Stimme’ in Erscheinung, von der ihm kurze Einleitungen auf die visionären Ereignisse oder sonstige Kommentare gegeben wurden. Allerdings nahm er diese nicht akustisch wahr wie beim normalen Hören, sondern mehr in der Form eines unmittelbaren Innewerdens ihrer Äußerungen.“

Alexander Gann, Zukunft des Abendlandes (Salzburg, Selbstverlag, 1986), Seite 270.

In der Hoffnung, die Grenzen des Forums nicht zu weit zu überschreiten, darf ich bitte anfügen, dass gemäß der hebräischen Torah (sog. Altes Testament; dessen Autoren ebenfalls „Seher“ waren) die Allmacht den Menschen "sich zum Bilde“ *** erschaffen hat. In den Schriften der Christen (sog. Neues Testament) ist die Allmacht sogar „leibhaftig Mensch geworden“ und am Kreuz gestorben. Im Koran spricht die Allah-Macht durch den Mund Mohammeds die Menschen hörbar an. Die indischen Weisen fassen die Allmacht auf als eine „Wesenheit besonderer Art“, die neben aller Macht auch alles Wissen besitzt, von welchem sie dem Menschen aber Mitteilung gibt, quasi als „Lehrer, nicht durch die Zeit begrenzt“ (Patanjali, Sutra 23ff). Die mexikanischen Tolteken gehen in der Abstraktion am weitesten und bezeichnen die Allmacht als „überzeitliche prototypische Form des Menschen“, die alles über alle Menschen weiß und deren Geschichte lenkt (etwa dem Adam der jüdischen Kabbala entsprechend). Ich wollte diese Anmerkung machen, weil ich meine, dass die Erscheinung eines „alten Mannes mit Bart“ (andere „sahen“ bei vergleichbarer Gelegenheit vielleicht eine „Jungfrau“), die Aussagen des Waldviertlers nicht entwertet sondern ganz im Gegenteil aufwertet. Wer die Zukunftsschauungen des WV ernst nimmt, sollte prüfen, ob nicht auch diese seine erste Schau ernst zu nehmen wäre.

Detlef hat einmal als die „wichtigsten fragen zu schauungen“ die folgenden bezeichnet:

wer oder was schickt den sehern diese schauungen?“
sind alle schauungen vom selben "sender"?

Man sollte solche Fragen aber nicht allein theoretisch oder am Einzelfall diskutieren. Deswegen darf ich eine Bitte und Anregung an Taurec richten. Er möge doch parallel zur Quellensammlung und -auswertung eine kleine Statistik darüber anlegen, wie viele der von ihm herangezogenen SeherINNEN persönlich einen Bezug zwischen ihren Schauungen und ihrem "Glauben" herstellen. Von vielen Personen kennt man einen solchen Zusammenhang nicht, weil er nicht berichtet wird (und für manchen hier im Forum hier dürfte vielleicht in Bezug auf den WV das obige Zitat auch etwas Neues sein). Eine gehörige Zahl SeherINNEN wird einen "Glauben (an Gott)" ablehnen. Doch bei der größten Zahl der bekannten SeherINNEN (so meine private Vermutung) dürfte ein religiöser/konfessioneller Hintergrund eine wesentliche Rolle spielen. Irlmaier hat sich sogar eine Privatkapelle mit Marienstatue gebaut.

Bis zum Erscheinen des Buches von Taurec - und bis eine solche Statistik dann vielleicht vorliegt (auf ein paar Jahre mehr oder weniger kommt es da nicht an)-, möchte ich für mich aber mal dabei bleiben, dass es so absolut "ganz ohne" in der Seherei wirklich nicht geht. Da bin ich Realist.


Freundliche Grüße, Gerhard


***) es erscheint mir, von diesen religionsgeschichtlichen Belegen abgesehen, eigentlich auch ganz logisch, dass die Allmacht mit dem Menschen als Mensch kommuniziert, mit dem Vogel als Vogel, und mit dem Fisch als Fisch. Und dass sie bei der Kommunikation mit dem Menschen verschiedene menschliche Gestalten annehmen kann. Oder auch gar keine Gestalt. Oder nicht einmal sagt, dass sie da ist bzw. die „Schau“ von ihr kommt ....


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