es geht doch nichts über ein ordentliches Geheimnis ... (Schauungen & Prophezeiungen)

trace, Mittwoch, 29.09.2010, 13:59 (vor 5707 Tagen) @ Gerhard (3729 Aufrufe)

"Obwohl die Kirche die Erscheinungen von Fatima anerkennt, so wünscht sie doch nicht die Verantwortung zu übernehmen und die Wahrhaftigkeit der Worte zu verbürgen, von denen die drei Hirtenkinder behauptet haben, dass die Jungfrau sie an sie gerichtet hat."

Man beachte die Schizophrenie, die in diesem Satz steckt (und die Beleidigung der Hirtenkinder!): wir anerkennen einerseits die Wahrheit der Erscheinung, aber wir wollen für diese Wahrheit nicht bürgen."

Welche Schizophrenie bitte? Und wieso "Beleidigung der Hirtenkinder"?

Da hat ein erzkatholisches Hirtenmädchen in einem erzkatholischen Land Visionen mit einer "weißen Dame", die dann als Marien-Erscheinungen interpretiert werden. Angebliche "Zeugen" sind eine jüngere, verhuschte Cousine und ein Cousin, die aber weder die "Dame" sehen noch hören können. Sie sind auf die Erklärungen Lucias angewiesen und bestenfalls Zeugen ihres Verhaltens.

Was auch immer Lucia gesehen haben mag, so war sie für ihre Cousins direkt und eben auch späterhin für diverse kirchlichen Instanzen, die sie sicher ausführlich befragten, glaubwürdig genug, ihr diese Erscheinungen "abzukaufen".
Davon abgesehen, welchen Vorteil man in solchen "Marien-Erscheinungen" für die ärmliche Gegend erkannt haben mag, dürften auch die gezielten Aussagen gegen den gefürchteten und sich ausbreitenden Kommunismus sehr gelegen gewesen sein. Die Wirkung auf allgemein Wundergläubige kennt man ebenfalls. - Die Kirche kann also im wohlwollendsten Fall anerkennen, dass Lucia Erscheinungen hatte, weil sie von ihr (Lucia) ebenfalls in gewisser Hinsicht überzeugt war (oder sein wollte). Hier erkennt sie an und verleiht sogar das Prädikat "Wahrheit", obwohl es "nur" Lucias Wahrheit ist. Wie und warum soll die Kirche dafür auch noch bürgen können und womit? Etwa mit einem weiteren Glaubensdogma?
Wer bestimmt, dass visionär gesehene "weiße Damen" automatisch die Jungfrau Maria sind? Und hier wird ziemliches Brimborium um angebliche Geheimnisse veranstaltet, die für andere Seher keine sind - zudem nach dem alten Strickmuster: wer nicht glaubt und Busse tut, ist Schuld am großen Strafgericht - wenn nicht, dann ... usw.

Wie man schon hier im WW deutlich sieht, haben (hatten) wohl eine ganze Reihe von Menschen Visionen über katastrophale Ereignisse, die zukünftig eintreten können. Leider scheinen sie für die Allgemeinheit weniger glaubwürdig zu sein, weil sie keine "himmlische" und vor allem konfessionell identifizierbare Erscheinung mitliefern, auf die sie sich berufen können. Ist ein "Detlef" - nur mal so als Beispiel :ok: - deswegen ein armer Spinner?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Visionen eines Teils der hier im WW schreibenden Seher - auch nach inquisitorischster Befragung - mindestens ebenso glaubhaft und überzeugend sind, ohne dass diese sich aufgrund fehlender Anerkennung durch die Kirche beleidigt fühlen. Oder?

trace grüßt

http://www.pastorinhos.com/livros/de/MemoriasI_de.pdf

"... Von 1917 an waren jedoch ihre Kusine Jacinta und ihr Vetter Francisco Marto ihre ausschließlichen Begleiter. Es ist das Jahr, in dem die Gottesmutter erschienen ist. Dabei nahm Lucia eine besondere Stellung ein, da die Erscheinung allein mit ihr sprach. Sie war es, die von ihr eine Botschaft erhielt, welche erst später weitergeleitet werden sollte ..."


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