wirklich überflüssig? (Schauungen & Prophezeiungen)

Gerhard, Freitag, 01.10.2010, 19:59 (vor 5705 Tagen) @ Taurec (3776 Aufrufe)

Hallo, Taurec - vielen Dank für Deine Antwort!

Der leider verstorbene Alexander Gann


Woher hast Du diese Information? Wo war er zuletzt ansässig?

Auskunft (kostenpflichtig und gegen beglaubigte Kopie des deutschen Personalausweises etc.) vom Einwohnermeldeamt Salzburg (April 2010).

Eine solche Statistik halte ich für überflüssig und nicht erstellbar.

Der Nutzen einer solchen Statistik läge m.E. darin, die Schauungen in ihrem lebensweltlichen bzw. alltäglichen Kontext zu sehen. Ich kann mich täuschen, vermute aber, dass Menschen, die Schauungen haben, überdurchschnittlicher häufiger und vielleicht auch ernster mit Fragen der Religion und des Glaubens befasst sind. Es dreht sich somit nicht um die Frage, was SeherINNEN glauben, sondern es dreht sich um Charakterzüge und Wesenseigenschaften von Personen, die "sehen" können. Solche Dinge mitzubeachten halte ich methodisch für gerechtfertigt, denn in der wahren "Wissenschaft" kann man nicht vorher wissen, zu welchen Ergebnissen man kommt, und man sollte daher auch Details am Rande mit im Auge behalten.

Eine Aussage, von wem die Schauungen kommen, dürfte nicht möglich sein.

Ist auch meine Meinung, aber es war/ist eine wichtige Frage von Detlef.

Auch ist, wie im Falle des Waldviertlers, oft unklar, ob die Gestalt nur
vom Unterbewußtsein des Sehers generiert wurde oder einen eigenen Geist
hat.

Bei "Fatima" ist interessant, dass drei Personen *** gleichzeitig dieselbe "Erscheinung" sahen (und zeitlich vor der "Lieben Frau" übrigens mehrfach denselben "Engel"). Für so einen Fall gilt wohl das, was Du als "eigener Geist" bezeichnest, während in den meisten anderen Fällen die Erscheinung in der Subjektivität des sehenden Individuums verbleibt - und somit für Außenstehende nicht nachprüfbar ist, sei die Erscheinung nun ein Geschöpf des individuellen "Unterbewußtseins" (wie in gewöhnlichen Träumen) oder sei es nun eine "Wesenheit" außerhalb des Individuums, die das Individuum von außen wirklich anspricht - wenn auch auf Wegen, die wir nicht vollkommen verstehen.

Das sind aber nur Vermutungen. Wir auf Erden haben eine zu geringe
Kenntnis über die Strukturen im Jenseits und über die immaterielle Welt
überhaupt, um von hier aus Einteilungen zu machen.

Ja, und deswegen habe ich eine pragmatische Haltung, die ich vielleicht kurz zusammenfassen darf:

Das "Sehen" (ob vermittelt, gesendet, nur empfangen oder "von selbst gesehen") erweitert zunächst unseren Gesichtskreis. Deswegen treffen die volkstümlichen Worte am besten: drittes Auge oder sechster Sinn.

Für dieses Sehen gilt aber genauso wie für das Sehen mit den normalen zwei Augen und mit den normalen Sinnen: es gibt Sinnestäuschungen und Unklarheiten im Verständnis des Gesehenen. Also muss man überprüfen. Als "Wissenschaft" würde ich eine solche Überprüfung nicht bezeichnen, doch sollte man dabei natürlich methodisch und möglichst rational vorgehen.

Hat man auf diesem Weg dann eine Erkenntnis gewonnen - sie ist niemals mehr als eine Vermutung -, für die Zukunft Europas etwa sind das innere Unruhen, Systemzusammenbrüche, äußere Kriege und spezielle Naturkatastrophen, dann erweitern solche Erkenntnisse unseren Gedankenkreis, insofern sie uns an Optionen denken lassen, die wir normalerweise nicht in Betracht ziehen würden.

Der letzte Schritt ist dann, dass wir das Denken in eine Handlung umsetzen: wir erweitern unseren Aktionskreis, also ziehen etwa in eine Gegend um, die 500 Meter über Null liegt (so reagieren natürlich nur "bequeme" Landratten; wer an der Küste aufgewachsen ist, mag vielleicht ein spezielles Boot bauen und eine abenteuerliche Seefahrt unternehmen - das kann ja jeder halten, wie er denkt und will).

Noch zur "Allmacht": Eine Person halte ich für eine äußerst naive
Auffassung der Allmacht.

Ich würde Dir entgegenhalten wollen (und habe das wohl auch so geschrieben), dass die "Personalität" von außen betrachtet nur ein "Kommunikationskanal" ist, den die Allmacht, eben weil sie allmächtig ist, einrichten kann. Das Internet etwa ist riesig, aber man braucht halt ein Interface, über das dann alles weitere läuft. Die Frage, ob Gott bzw. die Allmacht eine Person sei, ist etwa 3000 Jahre alt ****. Da haben sich schon viele große und ansonsten gewiss nicht naive Geister den Kopf darüber zerbrochen. In den Zeiten davor stellte sich diese Frage nicht, weil es da viele Götter und Geister gab, denen man zumindest einige Eigenschaften zuschreiben konnte, die man auch von Personen kannte. Ich persönlich halte es für wenig ertragreich über Gott zu reden (als sei er ein Objekt wie etwa ein Tisch). Eine ganz andere Frage ist, ob und wie man mit Gott sprechen und hinterher dann von Gott reden kann. Das ist aber wiederum eine Sache der Praxis.

Ich darf vielleicht noch drei klassische Zitate bringen, die zeigen sollen, dass originales Christentum eine Nähe zum "Sehen" hat.

Erster Brief an die Korinther, Kapitel 14,1 : Fleißiget euch der geistlichen Gaben, am meisten aber, daß ihr weissagen möget!

Erster Brief an die Korinther, Kapitel 14,39 : Darum, liebe Brüder, fleißiget euch des Weissagens und wehret nicht denen, die mit Zungen zu reden.

Erster Brief an die Thessaloniker, Kapitel 5, Verse 19/2 und 20 : Die Weissagung verachtet nicht; prüfet aber alles, und das Gute behaltet.

Die Naherwartung, die man damals für die Wiederkunft Jesu hatte, ist nicht eingetroffen. Ehrlich gesagt: ich wäre nicht enttäuscht, wenn die Weltenwende-Vorhersagen ebenfalls nicht eintreffen würden. Das sollte uns aber, jetzt oder später nicht davon entbinden, für positive Veränderungen, soweit sie in unseren Kräften und in unserem Wissen liegen, persönliche Verantwortung zu übernehmen.

Allseits ein schönes Wochenende wünscht Gerhard


** oder sollen wir den Kinden unterstellen, eine Absprache, gar eine Verschwörung unternommen zu haben?

**** vgl. etwa: Ist Gott Person? Ein Weg zum Verstehen des christlichen Gottesbildes Klaus Berger (Darmstadt, 2004).


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