Schauung, Prophezeiung, Déjà-vu (Schauungen & Prophezeiungen)

Heron, Samstag, 14.04.2012, 04:55 (vor 5247 Tagen) @ nickela (5029 Aufrufe)

Hallo Nickela,

> dem möchte ich noch einen Aspekt hinzufügen: Bei meinem zweiten Déja-Vu-Erlebnis, dem mit dem Schauspielerwerden und dem Blick auf die Bühne beim Auftritt unserer Nachfolgertruppe, da handelt es sich praktisch um eine sich selbst erfüllende Geschichte. Nach meinem Traum habe ich gefühlt und zusätzlich geschlossen, dass ich "Schauspieler werde". Deshalb habe ich mich zum Theaterprojekt in der Projektwoche angemeldet. Und nur deshalb habe ich nach unserem Auftritt da gesessen und konnte sehen, was ich vorher geträumt hatte. Ohne den Traum hätte es nicht die Perspektive für das Déja-Vu gegeben.
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Offenbar ist es beim präkognitiven Déja-Vu prinzipiell nicht möglich, etwas am Geschichtsverlauf zu ändern. Ist es genau so bei Schauungen? Oder ist vielleicht der grundsätzliche Unterschied zwischen Déja-Vus und Schauungen, dass Schauungen abstrakter sind, aber bei den richtigen Schlüssen daraus und angepasstem Verhalten auch Änderungen des Geschichtsverlaufs zulassen?

Sind Schauungen vielleicht deshalb abstrakter, weil sie nicht aus einem fest vordefinierten Geschichtsverlauf entstehen, im Gegensatz zu den von mir erlebten praktisch fotografischen Deja-Vu-Träumen?
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Den Unterschied Prophezeiung/Schauung hatten wir schon öfter diskutiert. Es ist z.T. eine Frage der Definition (was genau ist eine Schauung, was ist eine Prophezeiung). Es liegt aber vermutlich auch am Wesen der Zeit oder der Quelle für die Schau/Prophezeiung. Ich verweise dazu auf diese beiden Forumsbeiträge:
NeuOrest 26.03.2012 https://schauungen.de/forum/index.php?id=15762
rauhnacht 20.12.2011 https://schauungen.de/forum/index.php?id=14606

Ich verwende gern die folgende Definition:

Prophezeiung:
Eine Beschreibung eines zukünftigen Ereignisses, dessen Eintreffen nicht gewiss ist und, neben dem Ereignis selbst auch dessen Abwendung/Änderung zum Inhalt hat.

Schauung:
Eine Beschreibung eines zukünftigen Ereignisses, dessen Eintreffen nicht gewiss ist und, da ja bekannt, geändert werden könnte.

Dabei fragt sich natürlich, ob die zur Änderung nötigen Faktoren auch von dem/den Empfänger/n der Prophezeiung beeinflußt werden können.

Gewissheit, ob es eine Prophezeiung war, gibt es leider nur dann, wenn das Ereignis eingetreten ist, aber einen anderen Verlauf nahm, wie prophezeit. Wenn das Ereignis nicht eingetreten ist, ist es entweder noch nicht eingetreten oder aber es ist komplett ausgefallen. In dem Fall gibt es niemals eine Bestätigung, ob es sich um eine Prophezeiung gehandelt hat. Man kann im Prinzip bis zum jüngsten Tag warten, ob sie sich noch erfüllt. Es hängt natürlich auch immer davon ab, was eine Prophezeiung zum Inhalt hat, ob man sie als erfüllt, erfüllt und geändert oder als ausgefallen betrachten will.

Gewissheit, ob es eine Schauung war, gibt es ebenfalls erst dann, wenn das Ereignis unverändert genau so eingetroffen ist, wie es gesehen wurde.
Eine Schauung kann nachträglich als Prophezeiung klassifiziert werden, wenn die Schauung nicht unverändert eingetroffen ist. In dem Fall unterliegt es der Interpretation, wie der tatsächlich stattgefundene Verlauf der ursprünglichen Schauung zuzuordnen ist. Es ist klar, dass unter diesen Umständen die Abgrenzung spekulativ werden kann.

Das Problem bei diesen Begriffen ist, dass sie auch in der Umgangssprache verwendet werden und dort nicht die Bedeutung einer Definition haben.

Außerdem ist ja auch schon die Frage ob eine Schauung/Prophezeiung eingetroffen ist immer strittig, wenn es sich um symbolische Inhalte, Vermischungen, Interpretationen, usw. handelt. Ganz zu schweigen von der Verwirrung die Fälscher oder Spaßvögel anrichten.

Ich würde das präkognitive Déjà-vu gerne als Schauung ansehen. Das markante daran ist ja die exakte Übereinstimmung der Schau/Traum mit dem Ereignis. Darüber berichtet wird ja gewöhnlich auch nur dann, wenn es eine Verifizierung gibt, also das Ereignis eingetreten ist.
Ein Déjà-vu Erlebnis ist eigentlich zu kurz, um geändert werden zu können, es kann höchstens ausfallen. In dem Fall hat man dann wieder die bekannten Zuordnungsprobleme.

Gruß, Heron


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