Eigenbrötlerei ist nicht optimal (Schauungen & Prophezeiungen)

Baldur, Samstag, 26.07.2014, 15:13 (vor 4478 Tagen) @ Bär (8186 Aufrufe)
bearbeitet von Baldur, Samstag, 26.07.2014, 15:26

Hallo, Bär,

eine gute Fährte, die Du da vorzeigst. Ich werde am Wochenende tief in meinen meist untergeordneten Wünschen graben und eine Löffel-Liste erstellen (was man noch tun will, bevor man Benannten abgibt). Bisher ist meine Löffelliste völlig leer, es gibt nicht einen einzigen Punkt drauf. Vermutlich ist das ein Zeichen, glücklich und zufrieden zu sein. Oder aber auch nur einfallslos und in einer Sackgasse steckend, weil man vor lauter Begrenzungen kein freies Feld mehr sieht.

Finanziell flüssig bin ich nur, wenn ich alles verkaufe, und mich quasi auf einen neuen Ausgangspunkt, einen Nullpunkt, zurückstelle. Mich neu ordne. Andernfalls frisst die Bemühung, sich gut aufzustellen für ein Zusammenbruchsszenario, den letzten Heller auf, von reich ist weit und breit nichts sicht- oder spürbar, bis auf die Zahl in der Steuererklärung.
Allerdings bin ich im Vergleich zu den Vorfahren superreich, wie die Mehrzahl aller heute Lebenden. Und ein Neustart auf einem Einödgehöft wäre tatsächlich finanzierbar....(nur, wenn ich alles andere aufgebe).

Das führt aber auch dazu, den Status nicht verspielen zu wollen, kein Versager zu werden. Jeder von uns wird irgendwann von der Familie, von den Nachkommen, "bewertet", und zwar nicht danach, ob man selbst glücklich war, sondern, ob man erfolgreich war, oder eben nicht. Oder ob man ein Spinner war.

Vielleicht war der Diesel-Sepp glücklich, aber wird noch in 200 Jahren als Diesel-Depp in den Gemeindebüchern stehen. Zwar war er mit sich im Reinen, aber was er tat, war objektiv gesehen völliger Unsinn. Die Tankstellen waren lieferfähig, so lange er lebte.

Meine Oma (Gefallenenwitwe) und auch eine Grosstante entschieden sich, keine Beziehung (mehr) einzugehen, sie brachten das meiste ihres Leben alleine zu. Als Aussenstehender hatte man immer mehr die Erkenntnis, dass sie das Alleinsein der Realität entfremdete. Sie lebten, sie erdachten sich ihre eigene Welt, und lebten ganz zufrieden darin. In ihren vier Wänden erlangte sie so etwas wie eine Realität, die spätestens dann platzte, als sie auf Hilfe angwiesen wurden und in der Realität aufschlugen.

Das erinnert mich so an das Platzen des Garabandal-Wahns oder an die Situation unseres werten Stephan B.s, die sich plötzlich damit konfrontiert sehen, dass Godot nicht gekommen ist. Die gedankliche Isolation liess sich Jahrzehnte lang durchhalten, irgendwann aber platzt sie.

Und die Erkenntnis, sein Leben dadurch versaut zu haben, dass man dickschädelig etwas vertraute, was sich als Vollquatsch herausstellt, ist schmerzhaft......vielleicht die grösstmöglich denkbare Niederlage im Leben.

(Nachtrag: ich denke gerade an detlefs Boot oder an Baseys Erdarbeiten....das läuft dann unter der Rubrik, vollverarscht worden zu sein.....)

Gilt allerdings auch andersherum, wenn das Szenario eintritt und alles verfügbare Einkommen in Konsolenspiele, Designerklamotten und ein PS-starkes Leasingauto flossen. Und keine Dose in Küchenschrank und Keller zu finden ist.....

Vielen Dank auch an WG und Joe für Eure Beiträge, ich ziehe mich also nach innen zurück und spüre den ureigensten Wünschen nach...(als Jugendlicher war das immer ein Einödhof, aber da hatte ich Adalbert Schönhammer schon gelesen und war vom Szenario beeinflusst.....)

Beste Grüsse vom Baldur


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