Moin Kirra,
das ist eine der wohl interessantesten Konstellationen bei dir, die mir bisher geschildert wurden. Ein Vollerwerbslandwirt unter erschwerten Bedingungen, der die kommende Entwicklung kennt, akzeptiert und das Sinnvollste daraus machen möchte.
Aber lass es uns schrittweise durch gehen.
Die Lage deiner Scholle kannst du wohl als durchaus begnadet ansehen, südlich des Allgäus also durchaus "zwischen Watzmann und Wendelstein, da kommens nit hin". Nicht ohne Grund suche ich ein wenig weiter nördlich nach meiner Scholle. In einem anderen nicht öffentlichen Forum hat sich auch ein Vollerwerbslandwirt so seine Gedanken gemacht. Er wohnt in Bayern hat aber durchaus eine ungünstigere Situation weil eine große Stadt angrenzt. Von der dortigen Bevölkerung geht ein nicht unerheblicher Druck aus wenn die Versorgungslage enger wird.
Eine Entfernung von über 20 km zu größeren Städten, der Mensch läuft durchaus bis 40 km an Tag, also 20 hin und 20 zurück, sollte meines Ermessens gegeben sein.
Deine Situation ist nun eine Besondere. Du bist Vollerwerbslandwirt, hast die Möglichkeiten und die Fähigkeiten Nahrung zu produzieren. Gut, ab 50 aufwärts wird es mit der körperlichen Leistungsfähigkeit etwas enger, ich weiß wovon ich rede.
Für die Zukunft hast du die Perspektive deinen Betrieb weiter zu führen wie bisher, solange das Erdöl fließt. Endet der Strom wirst auch du ganz umstellen müssen. Ganz umstellen kann bedeuten, dass du
a. große Mengen an Diesel bunkerst
b. dich auf alternative mechanische Energie bzw. Pferdekraft vor bereitest, die Erfahrungen hast du ja (mein gesunder Neid ist dir sicher)
c. insgesamt mit Muskelkraft agierst, also tausche Arbeitskraft gegen Nahrung.
Version a halte ich während des Umbruchs für gefährlich. Du kannst den Diesel nicht völlig verstecken, er ist immer auffindbar. Die heutigen Schlepper vollgestopft mit Elektronik sind extrem anfällig. Allein schon Ersatzteilnachschub stellt ein Problem dar.
Fährst du munter weiter über die Wiese und um dich herum müssen alle zu Fuß laufen, wirst ganz schnell "Mode" mindestens aber deine augenscheinlichen Vorräte. Selbst "Vater" Staat wird im Mangelfall dir vielleicht ein Deputat zuweisen an Diesel aber im Gegenzug deine Produkte konfiszieren. Einige tausend Liter Deisel in deinem Stall werden sie dir eher nicht zugestehen, von den Umweltauflagen ganz abgesehen.
Version b solltest du nicht aus den Augen verlieren. Ein Pferd, das als Ackergaul arbeiten kann und von dir problemlos mit durch gezogen werden kann ist schlichtweg krisensicher, umso mehr aus der Sicht der Seher.
Die letzte Bastion, und ich denke dies wird eine allgemein bevorzugte Version werden, ist die Version Muskelkraft. Wenn dein Umfeld stabil ist, werden arbeitslose Handwerker liebend gern Handarbeit annehmen für Nahrung.
Dabei musst du aber deine eigene Sicherheit als vorrangig ansehen. Menschen sind in ihrer Not einfach gefährlich weil ihre Leiden (Hunger) deinem für sie unerschwinglichen Besitz als begehrenswert erscheinen lassen. Sprich, sie sind gewohnt durch Sozialhilfe/Arbeitgeber ihren Lebensunterhalt bestritten zu bekommen und drücken dich freiwillig oder unfreiwillig in die Rolle des Versorgers rein. Du hast dann im Zweifel für sie zu sorgen. Tust du es nicht, werden sie versuchen mit Gewalt zu ihrem "Recht" zu kommen.
Du kalkulierst heute auch Diesel, Reparaturen, Steuern usw. ein bei deinen Produkten. Künftig wäre nur um zu denken und statt Steuer, den Anteil an deinen Produkten ab geben für Körperleistung. Du wirst im Endeffekt so etwas wie ein Landlord. Ob du diese Rolle ausfüllen kannst musst du selbst beurteilen.
Auf jeden Fall kannst du tatsächlich nicht deinen Hof unsichtbar machen. Ganz abschotten nach draußen geht nicht weil du mit Überproduktion auch auf Kunden angewiesen bist damit es Sinn macht. Also ist dein Weg eher ein offensiver Weg. Ich kann eine Kuh im Zweifel eine Zeit lang verstecken und von gelagerten Vorräten ernähren. In deinem Falle ist allein der Anfall an Mist wie ein Leuchtsignal, da steht was im Stall.
Taste dich einfach an alternative Energie wie Muskelkraft, Pferdestärke heran allein um deine Leistungsfähigkeit realistisch beurteilen zu können.
Bei Sportschützen bin ichzumindest in D recht skeptisch. Die Waffen sind zentral erfasst und das ist wie ein Einkaufszettel für die Staatsmacht. Der Schütze hat fast keine Relevanz für die Obrigkeit und im Zweifel werden die Waffen sehr schnell ein gezogen. Dem Jäger werden gemeinnützige Aufgaben zu geschrieben. Sein (bedingter) Waffenbesitz ist akzeptiert. Vielleicht kannst du dich in diese Richtung noch ein wenig besser auf stellen.
Mit einem halben Jahrhundert auf dem Buckel noch Karate anfangen...du weißt, dass du einen Körper hast, um dich in kurzer Zeit Millionen Österreicher beneiden werden? Da auch der Geist augenscheinlich Schritt hält, bist du sehr krisenfest. Otto Normalaustri muss dafür Jahre lang im Fitneßstudio schwitzen und versagt auf dem Acker trotzdem.
Beim Funken strebst du die Oberklasse an. Ich habe lediglich gute Exporthandfunkgeräte angeschafft um im Nahbereich kommunizieren zu können. Eine feste Station, davor habe ich bisher kapituliert.
Deine Rechnung ist logisch und schlicht richtig. Wir beide können nur dafür sorgen, dass wir und die Unseren versorgt sind. Das ist kein Egoismus sondern Existenzsicherung.
Deine 1.000 Nachbarn, auch das müssen wir möglichst sachlich sehen, werden sich reduzieren. Für dich ist die Phase der Reduktion die schwerste Phase, ich kann mich "tot" stellen. In dieser Phase wirst du zwischen den Fronten stehen. Die kollabierende Staatsmacht hier, die Plünderer auf der anderen Seite. Mich graust es mehr vor der Staatsmacht. Nach dem Bevölkerungsschwund wird jeder der noch lebt deine wichtige Funktion kennen. Dann ist es leicht sie zur Absicherung heran zu ziehen, zur Feldarbeit zum Hochschöpfen der Gülle.
Deine Sammelleidenschaft teile ich. Allerdings muss ich die Tonnen bezahlen und derzeit habe ich schlicht zu wenig Lagerflächen. Toll, das du daran denkst. Vieles, sehr vieles, von dem, was wir heute als Müll ansehen wird einmal hohen Wert haben. Dichte Fässer aus Kunststoff gehören dazu. Ich bin ein Verfechter sich des Mülls zu entledigen seit ich mich mit Feng Shui beschäftigt habe. Das hat sich inzwischen geändert.
Wir haben begonnen Brot selber zu backen und das angefangen beim ganzen Getreidekorn. Als Ernährungsgrundlage ist das schon brauchbar. Um das Ganze ein wenig feudaler zu gestalten haben wir auch mit dem Käsen angefangen. Nach einem Kurs im Allgäu mit Käse aus Kuhmilch nach Feta Art bekommen wir, also mehr die Bärin, das meiste hin. Feste Schnittkäse gehen leider nicht wegen mangelnder Lagerungsmöglichkeiten. Und mit einem Extra-Kühlschrank für Käse möchte ich ungern anfangen.
Fette sind ohne die Erdölsklaven die wir heute haben, ein ziemliches Problem künftig. Mit einer Handpresse (Nüsse, Raps, Sonnenblumen)lässt sich das zwar hin bekommen, aber nur in recht bescheidnen Maßstab.
An tierischen Fetten geht kein Weg vorbei.
Bei den Heuvorräten möchte ich gern dein Fachwissen in Anspruch nehmen. Wie lange ist Heu, trocken gelagert, so haltbar, dass die Tiere nicht gleich tot umfallen wenn sie allein davon leben müssen? Also in den Extremszenarien mit Kältesommer und 3TF> Das ist eine für meine Kalkulation wichtige Information.
Deine Überlegungen zum EMP sind weitgehend oben behandelt. Ob nun mangelnde Ölversorgung oder durch EMP unbrauchbare Geräte, das Ergebnis ist gleich.
Ich gehe den Weg, mir eigene Ketten auf zu bauen. Zum Beispeil habe ich Zapper und Geräte für die Herstellung von Kolloidalem Silber. Die Geräte habe jeweils dreifach. Überrascht mich der EMP, ist ein Gerät hinüber. Packe ich aus Not das zweite Gerät zu früh aus, brauche ich eins in Reserve.
Batterien habe ich als Wegwerfbatterien ausreichend, also wirklich ausreichend, gebunkert. Gleichzeitig habe ich aber Solarladegeräte und alternative Ladegräte und Akkus gebunkert. Besonders für Geräte, die zur Sicherung einen Vorsprung verschaffen wie Nachtsichtgeräte sehe ich keine Alternative. Natürlich ist ein gutes Glas schon viel wert. Aber ein Nachtsichtglas mit Infrarot bietet enorm Sicherheit.
Batterien und Geräte sind zweifach im Faradayschen Käfig. Ich habe sie also in eine dichte Metallkiste gesteckt und stelle die in einen dichten Stahlschrank. Mümetall (das Mü Zeichen fehlt bei mir auf der Tastaur) wäre das einzig wirklich sichere im Falle eines extremen EMP aber das ist unter Kostenaspekten schlicht unmöglich.
100% Sicherheit bekommen wir schlicht nicht hin. Das Gelagerte kann durchaus umsonst sein. Bauteile, die gefährdet sind bei Überspannung wären doppelt gelagert und gut abgeschirmt ein guter Schritt. Einen alten Schlepper würde ich als Sicherung in den Stall stellen. Viele deiner Kollegen werden das Handtuch werfen müssen und da geht so ein alter Schlepper günstig an den Käufer.
Wegen dieser Unsicherheiten ist unsere Getreidemühle mechanisch (Diamand 525). Die Wurstmaschine, die Nudelmaschine, die Obstpresse, die Waschmaschine, der Fleischwolf haben wir alternativ als mechanische Version.
Bei allen Dingen, die du auch nach 3TF machen willst, geh einfach den ganzen Prozeß durch und dann weißt du wo du elektrische Energie brauchst. Dich mit einem Generator für die ersten Probleme autark stellen kann funktionieren, der Holzgaser würde ich mit einem alten Schlepper kombinieren. Der gibt dann mechanische Arbeit und sogar bedingt Strom. Im Zweifel muss aber neben der Version Keulen auch eine Alternative geplant sein, wie du die Euter zum Beispiel leer bekommst. Im Zweifel mit Handarbeit wobei die Bestände dann wohl deutlich reduziert werden müssen.
Eine Überlegung ist es auch wert, was du mit den gekeulten Tieren anfängst. Räuchern, eindosen und trocknen geht ohne Strom. Tiefkühlen geht nicht. Im Zweifel sind Mengen an Gewürzen und Dosen hilfreich. Oder satt Salz und Räucherofen.
Der Funkenregen wird den Schilderungen entsprechend kein Bombardement mit glühenden Steinen. Im Schwarzwald wird Steinhagel gesehen der wohl auf vulkanische Aktivitäten zurück zu führen ist. Ein Funkenregen aber sind Funken. Die durchschlagen eher gar nichts, sie zündeln aber.
Geschildert wird er meines Wissens (hier sind eher Taurec und BB gefragt) mit Funken alle 1 oder 200 Meter fallen. Die Gefahr ist also nicht, dass du erschlagen wirst. Die Gefahr ist das flächendeckende Feuer und damit verbranntes Futter, verbrannter Wald, verbranntes Heu. Um es etwas zu überspitzen, mit drei 10 kg Wasserlöschern an verschiedenen Stellen bist du verhältnismässig gewappnet. Deinen Hof musst du selbst löschen können auch ohne Strom. Je früher du löscht, desdo weniger Aufwand.
In einer Doku zu einem Impakt kamen diese Funken durch Eruptionsmaterial zu stande. Steine werden weit außerhalb der Atmosphäre geschleudert, dringen wieder ein in die Atmosphäre und fallen verglühend herunter. Natürlich perforiert dich ein Stein mit 1 cm Durchmesser dann. Aber deine Trefferfläche ist so winzig, dass du dir da keine Gedanken drum machen musst. Harte Dächer sind unwichtig. Nicht brennbare hingegen sind wichtig.
Ein Sicherheitsstreifen um dein Haus herum, in dem kein brennbares Material steht langt aus um Überschlag von außen zu vermeiden. Und innen passt du halt auf mit dem Löscher in der Hand im Zweifel.
Als Wachhund habe ich einen Molosser und einen Terrier. Zwei Mädels bekommt der 65 Kilo Brummer noch dazu. Die werden die Arbeit machen also den Hof schützen und Welpen auf ziehen. Zwei Mädels weil.... naja, er soll es besser haben als ich 
Bei dem Rind denke ich an eine robuste alte Rasse geeignet für Höhenlagen. Hochleistungskühe sind für mich ganz sicher nicht geeignet. Das Hinterwälder Rind oder noch eher Dexterrind sind meine Favouriten. Wenn du damit kreuzen magst, ich setze alles daran diese Rasse durch zu ziehen. Vielleicht kannst du mir dazu etwas aus deiner Erfahrung sagen.
Ziege oder Schaf, da schwanke ich etwas. Ich mag Schaffleisch, Schafsmilch gerne. Kleinere Rassen lassen sich besser portionieren in der Subsistenz. Ziegen mit den Hörnern sind schlechter kompatibel mit den Hunden. Rinder sind ihre Hütetiere und Schafe sollten auch klappen, aber wehrhafte Ziegen die im falschen Moment die Bauchdecke der Molosser anpieksen denke ich eher sind nicht so optimal. Dazu sind die Hunde doch etwas zu schwerfällig (Cane Corso italiano). Bei Rindern klappt es perfekt mit diesen Hunden. Drei Stück davon an den Ohren hängen und jeder Bulle geht in die Knie. Und das ist genetisch determiniert brauch also nicht antrainiert werden.
Insgesamt hat dein Schreiben mich aber auf Ideen bebracht.
Der Bauer hat Möglichkeiten, Wissen, Erfahrung. Ihm fehlt die Sicherheit und andere Fähigkeiten. Er kann keinen Hof unter erschwerten Bedingungen umtreiben und gleichzeitig den Hof sichern.
Der Nächste hat die Sicherheit und einschlägige Fähigkeiten. Die Bärin kann zum Beispiel Brot backen vom Feinsten und hat gute Praxis in der Veterinärmedizin wenn auch nur im Bereich Kleintiere neben vielen anderen Fähigkeiten.
Meines Ermessens werden sich Zivilisationen um funktionierende Höfe herum etablieren. Die meisten Menschen werden unbrauchbar sein im Krisenszenario. Fast keiner sieht die Notwendigkeit sich angemessen vor zu bereiten. Die Fähigkeiten erstrecken sich oft genug nur noch darauf, gekonnt die Computermaus zu schwingen.
Sie am Leben zu halten ist mehr mit einer Intensivstation als mit einer Gemeinschaft zu vergleichen.
Ich hirne mal auf Lösungen herum um ohne das Rad neu zu erfinden, wie man daraus funktionsfähige Gemeinschaften machen könnte, ohne dass es überproportional zu Lasten eines Teils wird. Derzeit hinken meine Vorbereitungen etwas daran, dass ich versuche die eierlegende Wollmilchsau zu basteln.
Gruß auch von meinem Hund, von Berg zu Berg, der
Bär
Ps.: Ein Scharnier zu meinen drei Säulen der Krisenvorbereitung:
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