Moin Wizard,
es freut mich von dir ein paar erklärende Zeilen zu bekommen.
In deiner Ausarbeitung fällt mir besonders auf, dass sie auf den "Normalmenschen" zugeschnitten ist. Natürlich gibt es ihn praktisch nicht diesen Normalmenschen. Wir alle sind Individuen, jeder ist auf seine Art einzigartig. Aber da gibt es noch die Kaste der "Heiligen".
Diese "Heiligen" protzen mit ihren Hochtech Fluchtrucksäcken, ihren 80 Kilometer Tagesmärschen und ihrem garantiert wasserdichten Eliteschuhwerk nach Herstellerangaben. Sie verlassen sich auf ihre schier unglaublichen Fähigkeiten und wenn alles nicht klappt gibt es dann ja noch "liebe und nette Menschen, die sie dann im Krisenfalle aufnehmen" nicht ohne einen netten Hinweis auf den Rosenkranz im Fluchtgepäck.
Du jedoch empfiehlst den schlichten BW Rucksack und Zubehör, das sich ein engagierter Schüler anschaffen kann. Auch ich war vor rund 40 Jahren das erste Mal Kunde bei Räer in Hildesheim mit Springerstiefeln die selbst auf Hochsee auf Blut und Schleim verschmierten Planken sicheren Stand gaben und den unverwüstlichen Moleskinhosen, die den Stacheldraht verbogen haben wenn du beim Drübersteigen hängen geblieben bist.
Das, lieber Wizard was du schilderst, ist Vorsorge, das sind Überlebenstechniken.
Den Lesern dieses Forums ist bekannt, dass du obwohl du wirklich praktische Erfahrung seit Jahrzehnten hast, dich nicht auf deinen Fluchtrucksack verlässt und dich zurück lehnst, sondern das Fluchtziel schon heute geschaffen hast.
Wie auch immer, die Flucht, das Überleben in der Natur ist das Ergebnis des Versagens an anderer Stelle. Die Flucht ist der Plan B oder C oder... aber die Flucht ist niemals der Weg die kommende Krise zu bewältigen, die Flucht ist der Notnagel.
Angemessen und sicher durch die Krise zu kommen kann bedeuten sich Fähigkeiten an zu eignen, die dich in deinem normalen Umfeld so wertvoll macht, dass du dort überleben kannst wo du bist, dir Vorräte an zu schaffen, die dich für die Dauer der Krise unabhängig machen oder die wohl umfassendste Vorbereitung als Selbstversorger auf dem eigenen Hof in einem sicheren Gebiet.
Erst wenn du, warum auch immer in diesem deinem Konzept versagt, weil du das dann strahlende AKW nebenan nicht berücksichtigt hast, weil sich doch eine Horde Uniformierter auf deinen Hof verirrt, deine süße Nachbarin dir den Keller leer geräumt hat oder du nicht bedacht hast dass auch Binnengewässer bei heftiger Tektonik wie eine Suppenschüssel überschwappen können, erst dann kommt der Fluchtrucksack zum Einsatz.
Natürlich kannst du keine Bastelanleitung geben wie ich oder Hugo Hamper überleben können. Ich denke da an Kommentare in anderen Foren die kommentieren die gesamte Ausrüstung sei zu schwer. Das Denken muss schon jeder selbst übernehmen. Wer gehbehindert ist kann keine 60 Kilo auf dem Rücken tragen und 40 Kilometer am Tag schaffen, sondern muss sich aus dem Angebotenen sein Konzept zurecht legen. Wer Oma und Kleinkinder mit nehmen will, hat völlig andere Voraussetzungen als ein durchtrainierter Mitzwanziger der eine Ausbildung als Elitesoldat genossen hat.
Also bitte das Werk so nehmen wie es gedacht ist: Eine Ausarbeitung eines Praktikers für Selbstdenker, die nach ihren Plänen A, B und C noch einen Notfallplan vorbereiten wollen und dabei vom Wissen eines Mannes partizipieren wollen, der unendlich viele Stunden Erfahrung hat.
Mit herzlichem Dank und Gruß
der Bär