ist egal (Schauungen & Prophezeiungen)

DvB, Mittwoch, 09.06.2010, 20:11 (vor 5819 Tagen) @ Eyspfeil (2708 Aufrufe)
bearbeitet von DvB, Mittwoch, 09.06.2010, 20:22

Moin Eyspfeil!

Jau, dieses Parodoxon ist mir auch schon aufgefallen.

Von diesem "Paradoxon" bei den wechselseitig falschlaufenden Uhren sprechen die Relativisten ja selber. Und so, als sei es irgendwie auflösbar. Aber es ist eben kein Scheinwiderspruch, es ist ein Widerspruch.

Gut, angenommen der Düsenjet sei ionisiert.
Aber eigentlich kommt es doch auf die Atomuhr an,
die an Bord des Jets steckt, dachte ich?

Schwer zu sagen, worauf es da "ankommt". In einer Theorie kommt es u.a. drauf an, daß sie nicht in sich widersprüchlich ist. Oder daß sie nicht von irgendwelchen Sachverhalten auf irgendwelche andere Sachverhalte schließt, ohne hierbei irgendeinen nachvollziehbaren Zusammenhang zu erklären.

Im Experiment werden die Uhren bloß zu Meßzwecken mitgeführt. (Ob die selber auch ionisiert würden, wäre m.E. egal, solange ihre Funktionen dadurch nicht beeinträchtigt würden.) Sie sind zwar Teil des jeweiligen Bezugssystems, müssen aber deswegen nicht selber durch Ladung kontaminiert worden sein - man kann sie ja auch isolieren, und so ein Düsenjet ist im Inneren womöglich sowieso isoliert genug, daß vielleicht nur die Hülle ionisiert ist. Aber es genügt ja, wenn ein Teil des Bezugssystems durch Ladung kontaminiert ist, die den zu belegenden Effekt bewirkt - so daß daraus nicht der Effekt auch für ein nicht durch Ladung kontaminiertes Bezugssystem belegt werden kann.

Meinst Du etwa, die Atomuhr an Bord wäre
ionisiert, die gleiche Atomuhr auf der Erde
dagegen nicht?

Nein.

Falls in der Elektronik-Platine und in den
Leitungen der Atomuhr an Bord sämtliche
Moleküle ionisiert wären, dann würde die Uhr
komplett spinnen würde ich mal behaupten,
und nicht bloß eine Millionstel-Sekunde
nachgehen.

Schon möglich. Käme wohl auch auf die Stärke der Aufladung an. Von ein bißchen Aufladung geht Elektronik ja nicht gleich kaputt oder wird unbedingt nennenswert beeinträchtigt.

Aber es kommt darauf nicht an. Ich gehe vom günstigsten Fall aus, daß die Uhr einfach ordnungsgemäß funktioniert. Um stattdessen zu zeigen, daß die Meßergebnisse trotzdem nicht relevant sein können.

Oder willst Du gar die These aufstellen, alle
Körper bzw. Atome ionisierten sich zunehmend
mit höherer Geschwindigkeit?

Nein. Aber das passiert dem Düsenjet durch die Reibung seiner Außenhülle an der Luft. Das ist ähnlich wie beim Auto, das sich aufläd vor allem durch die Reibung seiner Reifen an der Straße. Autos haben darum eine Erdung - aber Du kennst vielleicht den Effekt, wenn Du nach einer Fahrt aussteigst und die Tür zuknallst, daß Du in dem Moment, wo Du die metallische Tür (also nicht die gut isolierte Innenseite derselben) berührst, nen Schlag kriegst. (Das passiert meist bei alten Rostlauben, wo die Erdung aus irgendeinem Grund nicht mehr funktioniert.)

Weil Du ja die relativistischen Effekte auf
Ionen beschränkst.
Völlig ausgeschlossen ist ja gar nichts...

Diese "relativistischen Effekte" (es ist nur einer, nämlich der, daß eine Trägheitszunahme der bewegten Ladung feststellbar ist) sind eben bloß im Zusammenhang mit Ladungen belegt.

Von der Trägheitszunahme auf Massenzunahme zu schließen, ist übrigens auch schon sehr gewagt.

Ich glaube auch nicht, daß es sich überhaupt um einen "relativistischen Effekt" handelt. Ich meine: laß doch bloß mal eine magnetische Kugel auf einer geneigten Aluminiumplatte zu Boden rollen. Und vergleiche das mit einer gleichgroßen und gleichschweren aber unmagnetisierten Kugel. Du wirst feststellen, daß die magnetische Kugel erheblich langsamer zu Boden rollt. Das ist doch kein "relativistischer Effekt" - das ist einfach ein selbstinduktiver Rückkopplungseffekt durch elektrische Wirbelströme. Und die Ursache sind bewegte Elektronen im Inneren der magnetischen Kugel. Die dabei erzeugte "Trägheit" hat mit der Massenträgheit doch nicht das Geringste zu tun! Natürlich steigt die Wirkung solcherart Wirbelstrombremse bei zunehmender Geschwindigkeit exponential an.

Du hast in der Schule gelernt: um jede bewegte Ladung bildet sich ein Magnetfeld. Und die Änderung dieses Magnetfeldes bewirkt die Bewegung einer in der Nähe befindlichen Ladung. Deren Bewegung bewirkt ihrerseits wieder ein um sie herum sich bildendes Magnetfeld, welches nun auch auf die erste Ladung zurückwirkt. Diese Rückwirkung "will" eine gegenläufige Bewegung der Ladung verursachen. Da sie aber schwächer ist, verursacht sie bloß eine Bremsung. Wie stark diese ist, hängt vom Abstand ab und von den Geschwindigkeiten der bewegten Ladungen, sowie den Ladungsstärken.

Das gilt für jeden Ladungsträger. Wenn ein Düsenjet geladen ist, baut er eben ein Magnetfeld um sich herum auf. (Und zwar wird das von einem daneben fliegenden Düsenjet aus garnicht festgestellt werden können, weil die beiden sich ja nicht zueinander bewegen - in dem Moment bilden sie ein gemeinsames Bezugssystem.) Das nennt man Relativitätsprinzip: so wie Bewegungen zueinander stattfinden können, ergeben sich bewegungsabhängige Konsequenzen anderer Erscheinungen und sind - je nach Bewegungsstatus des Beobachters/des Meßgerätes für den Beobachter/das Meßgerät - durchaus real oder eben nicht, also bewegungsabhängig relativ.

Soweit ist das ganz normale Physik. Die Widersprüche beginnen mit der Relativitätsheorie und ihrer Absolutheitsbehauptung der Lichtgeschwindigkeit.

Es wird selbstverständlich auch ein geladener Düsenjet oder Raumschiff ohne Sonderwiderstand auf jede beliebige Geschwindigkeit beschleunigen können, solange er/es nur weit genug von anderen Ladungen entfernt ist. Die Bremswirkung nimmt ja mit der Feldwirkung, also mit dem Quadrat des Abstandes ab. Ähnliches gilt für die - nicht stattfindende - Zeitdilatation. Hirngespinste, die sich nur theoretisch aus der relativösen Absolutheitsbehauptung der Lichtgeschwindigkeit ergeben und in der Realität nicht meßbar sind.

Gruß, DvB


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