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Wann ist ein Krieg ein Krieg? (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂, München, Mittwoch, 24.11.2010, 00:28 (vor 5652 Tagen) @ Bär (4670 Aufrufe)
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 24.11.2010, 00:36

Hallo!

Völkerrechtlich betrachtet ist der zweite Weltkrieg ebenfalls noch nicht beendet und dennoch rechnen alle mit dem dritten. Von diesem Standpunkt aus betrachtet wäre der russische Feldzug aber nur die Fortführung des zweiten Weltkrieges. Damals blieben die Russen an der Elbe stehen. Nach Pause geht es nun weiter bis zum Rhein. Die Sache so zu betrachten, will wohl niemandem einleuchten. So sprach auch Irlmaier vom „dritten großen Krieg“, auch wenn sich bei uns die Truppen ähnlich waffenstarrend gegenüberstanden wie in Korea und wir ebenfalls keinen Friedensvertrag haben. Warum sollte Irlmaier beim Koreakrieg anders gedacht haben? Und falls er anders gedacht hat, warum hat er es nicht ausdrücklich formuliert, um den Unterschied deutlich zu machen?

Die Aussage lautet aber nur: „Der Koreakrieg ist aus.“
Mehr haben wir nicht. Irlmaier gibt keine Beschreibung der Schau, die ihn zu dieser Aussage veranlaßte. Man muß die Sache so einfach betrachten wie möglich, wenn man sich nicht in nebelhafte Spekulationen versteigen will.

Im allgemeinen begreifen die Menschen einen Krieg intuitiv nur dann als da, wenn auch gekämpft wird, wenn Soldaten im Felde liegen, Panzer rollen, Kampfflugzeuge feuern oder Bomben abwerfen, Ruinen zu sehen sind, verstümmelte und tote Menschen herumliegen oder durch die Gegend getragen werden. Fehlen solche Bilder, ist in diesem Lande demzufolge kein Krieg. Entsprechend ist der Koreakrieg im Volksbewußtsein (vor allem im Westen) beendet, auch wenn er es auf dem Papiere noch nicht ist.
So dachte Irlmaier vermutlich auch. Das lag ihm näher, als der abstrakte, diplomatische Begriff von Frieden und Krieg, der sich mit dem, was wirklich passiert auch nicht decken muß. Clausewitz: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Ein Satz, von dem seit dem ersten Weltkriege vielmehr nur noch die Umkehrung gilt. Was nun vertraglich festgelegt ist oder nicht - im Vergleich zu dem, was wirklich abläuft -, ist derart vertrackt und weltgeschichtlich zweitrangig, daß es vom Seherauge wohl gar nicht erfaßt wird.

Wenn Irlmaier demzufolge sagt, der Koreakrieg sei aus, muß er Korea frei von Kampfhandlungen gesehen haben; einen Zustand, wie er irgendwann in den letzten 57 Jahren mit Sicherheit zu beobachten war. Mehr als das gibt die Aussage nicht her. Hätte Irlmaier mehr oder anderes gesehen, müßte er es anders formuliert haben. Dann lautete es beispielsweise, „ich sehe einen Friedensvertrag in Korea“ (wie auch immer das für einen Seher aussehen mag), und der Fall läge anders. Dann könnte man auf einen Friedensvertrag warten.

Daß kein Friedensvertrag vorliegt, heißt außerdem nicht zwangsläufig, daß die Kämpfe einmal von neuem ausbrechen würden (ungeachtet des augenblicklichen Scharmützels). Selbst wenn man unterstellt, Irlmaier hätte den momentanen Status Quo als Krieg interpretiert, enthält die Aussage keine Information über zukünftige Kampfhandlungen. => Es ändert sich also nichts daran, daß die jüngsten Ereignisse für uns nicht relevant sind.

Deine Interpretation führt meines Erachtens von der klaren und einfachen Feststellung, der Krieg (begriffen als laufende Kampfhandlungen) sei aus und die Aussage eingetroffen, hin zu uneindeutigen und komplexeren, daher gewagteren Spekulationen. Das ist aber nicht mehr „buchstäblich“. Ich bevorzuge die einfachere Möglichkeit.
Es gibt keine Sicherheit mehr, daß die Aussage noch die Zukunft betrifft, weil bereits etwas eingetreten ist, das ihr vollkommen genügt. Insofern können wir, falls neue Kriegshandlungen durchgeführt werden, auch nicht mehr damit rechnen, daß diese wieder enden und es einen Friedensvertrag gibt. Es ist als Vorzeichen untauglich.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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