Moin Taurec,
wie ich gestern im DGF schrieb gibt es Forschungen dazu wie Menschen mit Argumenten umgehen, wenn sie eine Meinung haben. Selbst die besten Argumente führen in Abhängigkeit der Persönlichkeitsstruktur oft nur dazu die eigene Meinung noch zu verfestigen. Vorraussetzung ist, dass der Mensch schlichtweg unsicher ist.
Darum bin ich dir besonders dankbar, dass hier der Austausch von Argumenten im Vordergrund steht und wir Ergenis offen da ran gehen können. Nichts ist ätzender als Diskussionen, die von fertig gefassten Meinungen blockiert werden.
An Deutschland dem auch ein Friedensvertrag fehlt bis heute, musste ich auch denken und habe sehr wohl überlegt ob dieses Argument stichhaltig ist. Es ist in der Tat die Frage wann ein Krieg ein Krieg ist. Ist er ein Krieg solange geschossen wird? Muss es fortlaufende Kampfhandlungen geben damit es ein Krieg ist.
Ich kam auf die Bezeichnung "Kalter Krieg".
Auch der damals "Kalte Krieg" war ein Krieg. Es gab keine offensichtlichen Kriegshandlungen. Der Krieg wurde auf anderen Ebenen aus getragen wie der Geheimdienstebene, der Wirtschaftsebene.
In Kora scheint es mir offensichtlicher. Es gibt eine Front. Es gibt nach wie vor Schußwechsel. Die gestrigen Bilder sind Kriegsbilder. Ob der Krieg wie der WK I an der Westfront aus einer Stellung, einem Graben heraus statt findet oder in wechselnden Fronten verläuft scheint mir unerheblich.
Unter diesem Aspekt sehe ist "Der Koreakrieg ist aus" in der Vergangenheit als nicht erfüllt an. Gerade in Korea war es lange Zeit ein Kalter Krieg. Speziell in neuerer Zeit brauchen wir keine Leichen mehr um einen Krieg als Solchen zu bezeichnen auch wenn keine Leichen herum liegen.
Wir gehen konform, dass dieses Aufflammen der Kämpfe zwischen den beiden Koreas per se kein Zeichen für die nahende Weltenwende ist. Also kein Kreisch wir werden alle sterben.
Die Entwicklung der lokalen Ereignisse zeigt auf, dass Korea nach wie vor ein Brennpunkt ist. Eine weitere Eskalation ist möglich bis wahrscheinlich. Führten diese Entwicklungen zu offenen Auseinandersetzungen oder gleich ohne weitere Kampfhandlungen nun zu Friedensverhandlungen und einem Friedensvertrag, würde ich das nicht einfach in die Ecke stellen wollen und "ferner liefen".
Wenn die künftigen Ereignisse in Deutschland plötzlich und unerwartet eintreffen sollen, bedarf es zumindest einer vordergründigen Entspannung. Korea als derzeitiger Brandherd wäre ein potenzieller Teil der Entspannung.
Dass Irlmaier diese isolierte Information "Der Koreakrieg ist aus" in direkten zeitlichen Zusammenhang mit den künftigen Ereignissen rückt und seine irrige Annahme in den 50ern augenscheinlich für sich mit diesem Ereignis verknüpft, vielleicht sogar für sich damit begründet hat, scheint mir die Ursache für seine zeitliche Fehlinterpretation zu sein.
Lass mich hier auch argumentativ BB´s Aussage mit ein flechten:
Nun sagt Irlmaier 1945 dem Wiener Kurier, die USA gewännen
nie je mehr einen Krieg:
=>
"Amerika wird im Osten dauernd Kriege führen und nie mehr siegen."
Irlmaier sagt 1947 dass die VSA keinen Krieg mehr gewinnen werden. Der Waffenstillstand in Korea war 1953. In der Literatur wir der Koreakrieg als der letzte Krieg bezeichnet, den die VSA gewonnen hätten.
Diese beiden Aussagen widersprechen sich auf der Zeitebene.
Sieht man den Koreakrieg aber als nicht beendet, unterstellt man ein neues Aufflammen mit anschließendem Friedensvertrag/Ende des Koreakrieges in näherer Zukunft, dann kann durchaus auch der Koreakrieg für die VSA verloren gehen. Insbesondere da die Konkurrenten in der Region sehr argwöhnisch ein Engagement der VSA dort sehen werden.
Die Teilung Koreas ist eine Kriegsfolge. Diese Folge ist nicht beendet. In Deutschland hingegen ist diese Folge beendet. Ich erkenne hier durchaus Unterschiede unabhängig vom völkerrechtlichen Status also ein auch reales Ende des hiesigen WK II.
Die Experten seit ihr hier, ich habe den Status eines interessierten Lesers mit Schreibrechten. Darum empfehle ich einfach die Entwicklung der dortigen Ereignisse zumindet nicht ganz außer Acht zu lassen und auch die Variante dass der Koreakrieg noch nicht aus ist in die Betrachtungen ein zu beziehen.
Herzliche Grüße vom
Bären