Zu pessimistisch? (Schauungen & Prophezeiungen)

traumtaenzerin, Mittwoch, 23.07.2014, 19:56 (vor 4481 Tagen) @ BBouvier (7867 Aufrufe)

Hallo BB,

in den meisten Fällen bin ich von deinem Scharfsinn und deinem Witz begeistert, aber ich glaube, dass dein Zynismus in dem Fall nicht ganz Recht behalten wird! Du könntest nämlich die Intelligenz, die Anpassungsfähigkeit und den Erfindungsreichtum der menschlichen Spezies unterschätzen.

Beispiel: Gehen wir zurück in ein kleines Bergdorf auf dem Peloponnes in Griechenland in den 60/70er Jahren. Dort lebte damals mein Ex- Mann mit seinen Eltern und Geschwistern. Ohne Strom, ohne elektrische Wasserversorgung, ohne Kunstdünger und Traktoren. Wasser gab es aus Quellen und Brunnen, und alle waren Selbstversorger. Man hatte nicht viel, aber es reichte zum Leben.

Wie? Nun, jede Familie hatte ein paar Ziegen, Schafe, Hühner und einen Esel als Transportmittel. Ein kleines Stück Land mit Getreide 200- 300 qm war auch von Hand zu beackern. Ein Gemüsegarten, der mit Kompost und Tiermist gedüngt wurde, sorgte für Frischfutter und die Samen tauschte man untereinander. Olivenhaine und Weinstöcke sorgten gemeinsam mit Obstbäumen und Wildkräutern dafür, dass Abwechslung auf dem Speiseplan war. Man wusste über Holzfeuer zu kochen und Brot zu backen, Leder zu gerben und aus Wolle und Flachs Garn zu spinnen und zu verweben. Man konnte Seife sieden und Käse herstellen. Es fehlte also an nichts, wenn man nicht glaubt, dass ein Rindersteak oder ein Burger überlebensnotwendig sind! Man musste weder hungern, noch erfrieren.

Auch heute noch gibt es dort viele Menschen, die alle diese traditionellen Handwerke gelernt haben, inklusive Lehmziegel herstellen und Ton brennen, oder aus Natursteinen ein Haus zu errichten. Auch ich hatte das Glück, vieles zu beobachten und zu probieren, denn meine Schwiegermutter fand bis zum Schluss jeden elektrischen Schalter suspekt ;-) Man war auch nicht öfter krank als heute, im Gegenteil. Viele haben ein Alter von weit über 90 erreicht. Gut, für Schuhe musste man dann doch 30 km in die nächste Stadt fahren und so viel Geld bezahlen, wie man für 10 l Olivenöl bekam. Aber Schuhe halten ja auch lange und vielleicht wird das Klima in Deutschland nach der Wende so warm, dass man auch ohne..... naja, lassen wir das. Es wird schon noch jemand in der Lage sein, aus Leder oder Filz Schuhe herzustellen.

Jeder Handwerker heute muss zumindest die einfachen Herstellungsverfahren während seiner Lehre lernen. Ein Schmied, der keine Nadel und kein Werkzeug herstellen kann? Ein Bäcker, der nicht weiß, wie man Sauerteig macht? Ein Tischler, der nicht ein einfaches Möbelstück aus einem Holzklotz herstellen kann? Undenkbar!

Die Frage ist eher: Wie schlimm kommt es? Reicht es, sich durch versteckte Lebensmittel und vor allem Saatgut das Überleben einige Zeit zu sichern, dann werden bestimmt irgendwann langsam, langsam die Dinge wieder ins Rollen kommen. Der Mensch wird neue Entdeckungen machen oder altes Wissen wieder entdecken. So sind Menschen nun einmal gestrickt, sonst gäbe es keine Evolution (und auch nicht den Fortschritt, der uns den ganzen Schlamassel beschert hat).

Ich plädiere nach wie vor, auch wenn ich vor einigen Monaten genau für diese Haltung so angegriffen wurde: Nur gemeinsam sind die Überlebenden stark! Und je mehr verschiedene Berufe und Handwerke sich zu Dörfern/ Lebensgemeinschaften zusammentun, desto schneller kehrt wieder eine gewisse Normalität ein, auch wenn diese Normalität auf Niveau des 17. Jahrhunderts sein sollte. Von mir aus!

Liebe Grüße
Traumtaenzerin


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