Hallo Bär,
das Buch von David Engels „Auf dem Weg ins Imperium“ hat mal Ulrich als Literaturtip völlig zu Recht hier genannt.
Hab ich damals gelesen und ist wirklich empfehlenswert. Er stellt darin an etlichen eher ethischen Bereichen, wie Toleranz, Familienleben und Geburtenschwund, Gleichheit usw. die Parallelen zwischen der europäischen Union und dem „endzeitlichen“ Rom dar. Und ist dabei m.E. überaus treffend.
Geradezu grotesk ist in diesem Zusammenhang die vor kürzerem Verlautbarung im Mainstream gewesen: Das römische Reich sei damals untergegangen, weil sie es nicht schafften, die zahlreichen Neuzugänge damals in Willkommenskultur aufzunehmen.
Engels; S. 225: „Wie das Europa der Gegenwart war also die späte römische Republik von einer vergleichbaren kulturellen Identitätskrise geprägt.“ Und da liegt weitaus eher das Problem, mit all den anderen Problemen dann sinnreich umzugehen. Wo die Kultur in der Krise, schmeißt man dann heute halt mit Teddiebären und Luftballons - im Rückzug auf kindliche Lösungsstrategien.
So richtig bitter, wird’s dann im Postskriptum.
Engels; S. 437:“ Und so ist festzuhalten, dass zumindest in Rom die gesellschaftliche, sittliche und wirtschaftliche Instabilität des zerfallenden Staatswesens die Mehrzahl der Bürger davon überzeugt hatte, die Republik – oder das ,was noch von ihr übrig geblieben war- aufzugeben und die neue Ordnung des Augustus als das mindere Übel anzunehmen.“
Und dann S.441 und folgende:“ Auch hier bietet sich also als einziger Ausweg, um den Rückfall in einen anarchronistischen Nationalismus ebenso wie die Auflösung in einen ultraliberalistischen Weltstaat zu verhindern, nur die Suche nach dem vermittelnden Dritten an, welcher in seiner Person sowohl plebiszitäre Legitimät verkörpert als auch die nötige Aufsicht über die in einem so vielschichtigen Staatssystem unweigerlich spezialisierte technokratische Elite auszuüben imstande ist.“
Drei mögliche Varianten nennt er da. Die ersten Beiden bahnen sich an und von der dritten ist weit und breit noch keine Spur.
In Schauungen herrscht dazu ein nettes Durcheinander, wo man dann, sofern schlicht und einfach gläubig selektierend sich dann das aussuchen kann, was dem eigenen Gemüt am bekömmlichsten oder plausibel erschreckend.( Und die weiteren historischen Parallelen wie übler Weise grad die Seuche ist da noch nicht mal drin)
Wenn mans macht wie Baldur, wird auch nicht besser. Ohne Ende bis zum Ende wendet man womöglich noch nicht mal sich selbst und ergibt sich in Brot und Spiele.
Da mein ich doch, Du machst das schon richtig. Wende vollzogen hin zu wertigem Leben und dann mal sehen.
Musst halt die paar nächsten Sommer noch den Liegestuhl für Dich gelegentlich freiräumen von zu viel Arbeit. Die Hunde werden Dir dann schon auf alle Fälle zu Füßen liegen.
Liebe Grüße von Rauhnacht
P.S.: Falls Du magst, kann ich Dir das Buch zukommen lassen.