Danke, Gerhard!
Nicht zu vergessen ist die zweite Zeile:
"Winter kommt, drei Tage Finsternis,
Blitz und Donner und der Erde Riß.
Bet daheim, verlasse nicht das Haus,
Auch am Fenster schaue nicht den Graus!"
Nicht nur Winter und drei Tage Finsternis, sondern auch der auffällige Erdriß ist ein Motiv, für das ich bei Konzionator keine Vorlage gefunden habe.
Ich habe schon in meiner Zusammenstellung der Quellen des Lindeliedes darauf hingewiesen. Am 9. Juni 1882 sagte Jahenny folgendes:
"Es wird auf Erden einen gossen Riß geben. Der heftige Schlag? Dient der Vorbereitung für die schönsten Verdienste und göttlichen Belohnungen. Es werden nur meine Freunde mit mir leiden. Die andern werden jubilieren ... ihr Jubel wird aber ein trauriges Ende, erleben.
[…]
Was sich angehäuft hat, wird rasch nacheinander folgen: Blitze, Schreckenszeichen, Spaltung der Erde und ein Firmament mit unverständlichen Phänomenen für den menschlichen Geist. Ich werde mich meines guten Volkes erbarmen. Ich werde jene ins Unglück ziehen lassen, deren Aufgabe es wäre, dem Volke beizustehen und, ihm zu erklären: lieber den Tod als den Verrat!"
Sie hat eindeutig von "der Erde Riß" gesprochen.
Wir haben also zwei Zeilen hintereinander, deren Motiv bei Jahenny zu finden ist, aber sonst bei keiner bekannten Quelle, die älter als das Lindelied ist.
(Das Zuhausebleiben und die geschlossenen Fenster wären dann wohl ebenfalls Jahenny zurechnen und nicht Taigi.)
Das spricht schon mehr dafür, daß dem Verfasser Jahenny tatsächlich bekannt war, und ich muß meine Bedenken hinsichtlich der Sprachbarriere in Frage stellen.
Für den Hintergrund des Dichters müßte man nach Martin Hingerl forschen. Bekannt ist von ihm nur, daß er offenbar in Freising als Verleger tätig war. Hier taucht er z. B. als Verleger von Werken über Steuergesetze auf:
https://portal.d-nb.de/opac.htm?method=showFirstResultSite¤tResultId=atr%253D141397934%2526any&selectedCategory=any
Das Lindelied selbst wurde 1920 ebenfalls in Freising verlegt (beim Verlag Dr. F. P. Datterer, der auch in obigem Link genannt wird). Die Anmerkungen (oder das ganze Lied) wurden in Weihenstaphan verfaßt.
Da in den Originalquellen kein anderer Name genannt wird, gehe ich davon aus, daß Martin Hingerl nicht nur der Verleger, sondern auch der Autor des Lindeliedes (sowie der anderen Gedichte) ist.
Gruß
Taurec
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„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
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„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“