mir fiel beim ersten Teil des Traums Irlmaier ein:
"Die landlosen Leute ziehen jetzt dahin, wo die Wüste entstanden ist. Jeder kann siedeln, wo er mag, und Land haben, soviel er bebauen kann."
"Das ganze Gebiet östlich von Linz wird eine einzige Wüste werden.."
Der zweite Teil des Traums liest sich, für mich, extrem nach Siegmund Freud. Im Wasser (Geburtswasser), zusammengekauert (embryonale Stellung). Das Auftauchen - geboren werden.
Da sie den Traum schon seit ihrer Kindheit hat, ist nach meiner Meinung, der zweite Teil ein Konflikt den sie mit sich herumträgt.
Für mich klingt der erste Teil mit der Hitze interessanter.
Schutt und Steine klingen nach zerstörten Häusern.
Was mich interessieren würde: sieht sie sich von außen? also beobachtet sie sich selbst oder ist es eine Ich-Perspektive?
lg
Hope
Gleißendes Licht blendet mich, über mit brennt die Sonne heiß am Himmel.
Es ist unerträglich heiß. So heiß. Ich bin nackt. Jedes Kleidungsstück
würde die Hitze unerträglicher machen. Unwichtig.
Ich bin allein, aus der Ferne höre ich nervöses Stimmengewirr, ein paar
verschwommene Körper am Horizont, jedoch nicht viele.
Alle sind auf der Suche nach etwas, auch ich. Ich suche am Boden,
konzentriert. Wonach weiß ich nicht. ICh weiß nur, dass es nicht zu finden
ist. Sinnloser Zeitvertreib. Wichtig trotzdem, zwingend notwendig,
unbedingt.
Die Suche ist schwer, denn es ist kaum etwas zu erkennen, das Licht blendet
mich. Der Boden ist staubig und steinig. Ausgetrocknet. Leblos. So wie ich.
Nur weiter bewegen, nicht stehen bleiben. Keine Möglichkeit, Schatten zu
finden, es gibt keine Bäume, nur verdorrte Sträucher und überall Schutt und
Steine am Boden. Der Horizont ist weit, weit weg. Flimmernde undeutliche
Umrisse. Nicht von Bedeutung, was dort ist.
Wasser in weiter Ferne. Zum Abkühlen im Wasser keine Zeit, denn alle
suchen. Alle. Auch ich. Gehetzt.
Das Wasser ist gefährlich, das wissen wir. Aber nicht schlimm, wenn man die
Regel beachtet. Es gibt viele Regeln, einfache Regeln, wichtige Regeln.
Wenn man sie einhält und immer weiter sucht, passiert nichts Schlimmes.
Die Stimmen der Gesichtslosen sind jetzt deutlicher zu hören. Sie klingen
hektisch und aufgeregt. Ich kann nicht zuhören, denn ich muss suchen. Keine
Zeit für Ablenkung. Jemand ruft mir etwas zu, immer wieder, immer lauter.
Und plötzlich eine Stimme in meinem Kopf, vertraut und beruhigend. Erst
verstehe ich nur wenig, aber die beruhigende Stimme wird immer deutlicher.
Ich warte. bis ich jedes Wort genau verstanden habe. Es ist als ob ein
uralter Plan in mir aktiviert wird. Und immer wieder "Hab keine Angst, es
ist alles gut. Hab keine Angst. Was geschieht, muss geschehen."
Von weit weg ist ein Geräusch zu hören, dass dem Knurren vieler hungriger
Mägen gleicht. Ich habe keine Angst. Ich weiß, dass das was jetzt passiert
wichtig ist und folge der Stimme. Am Horizont erkenne ich eine Welle, von
der ich wusste, dass sie kommen würde. Si eist größer als ich dachte. "Hab
keine Angst." Ich vertraue. Es ist gut. Das tosende Wasser ist unglaublich
laut. "Hab keine Angst." Ich habe keine Angst. Ich weiß es muss sein. Und
ich weiß, mir wird nichts passieren. "Dreh die mit dem Rücken zur Welle.
Geh in die Knie und verschränke die Arme. Duck dich soweit du kannst und
halte dein Kinn an deine Brust gedrückt. Bis alles Wasser sich beruhigt
hat. Du darfst nicht schwimmen, nur warten."
Ich folge der Stimme und warte. Ich bin ganz ruhig, den was geschieht muss
so sein. Ich warte, kann das Wasser hören. Laut. Wassertropfen fallen auf
mich. Eine Erleichterung nach der Hitze. Das Suchen ist zu Ende.
Ein gewaltiger Ruck stößt meinen Körper und plötzlich bin ich unter Wasser.
Ich frage mich wie es wäre, zu ertrinken. Aber ich weiß, das ist nicht
möglich. Ich bin vorbereitet. . Und wieder warte ich, meinen Körper zu
einer festen Kugel geformt, Knie und Kinn fest an meine Brust gedrückt. Ich
warte, Bis sich das Wasser beruhigt. Ich möchte schwimmen, doch ich lasse
mich langsam auf den Grund sinken. Um mich herum viele andere Menschen die
wie durch einen Sturm herumgewirbelt werden. Sie haben die Stimme nicht
gehört, sie ertrinken. Werde von Dingen erschlagen, die die Welle mit sich
gerissen hat. Ich schließe die Augen. Und warte.
Ich spüre wie sich das Wasser langsam beruhigt und öffne die Augen. Weit
oben sehe ich ein Glitzern, das das tiefe Blau des Wassers durchdringt.
Erleichtert schwimme ich Richtung Sonne, ein weiter Weg. Es ist viel
Wasser. Gefährlich, mit all diesen Gegenständen darin.
Mein Kopf schießt aus dem Wasser, ich hole tief Luft und etwas Neues
beginnt.
Hier endet ihr Bericht. Ich habe mit ihr bereits ein wenig darüber
gesprochen, wie ich einige der Inhalte verstehe, denke aber dass durch die
Erfahrungen hier im Form noch weitere Betrachtungsweisen und
Interpretationen recht interessant sein könnten.
Grüssle
WG
―
Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.
André Gide