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Nahtoderlebnisse (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂, München, Freitag, 22.07.2011, 13:32 (vor 5576 Tagen) @ Gerhard (2301 Aufrufe)

Hallo!

Der zweite Grund, Nahtoderlebnisse zu diskutieren, ist folgende empirische Beobachtung: bei manchen Menschen wird die Fähigkeit zur Schau eben durch ein Nahtoderlebnis aktiviert. Mir ist das aufgefallen, als ich einmal für einen Vortrag die Biographien von Ibn Arabi, von Johannes vom Kreuz, von Teresa von Avila und Mirjam Baouardy in relativ kurzer Zeit nacheinander durcharbeiten mußte: kurioserweise waren alle vier einmal "scheintot" gewesen, bei Ibn Arabi und Teresa aufgrund einer Krankheit (es war schon alles für ihre Beerdigung vorbereitet ...), Johannes vom Kreuz dagegen war in den Fluss gefallen und sozusagen schon ertrunken gewesen, und Mirjam Baouardy wurde von einem Muslim, der sie vergeblich zu bekehren suchte, die Kehle durchgeschnitten. Erst nach diesen Nahtoderfahrungen begann ihr eigentliches spirituelles Leben, das - unter vielem anderem - auch von zahllosen "Schauungen" und "Visionen" gekennzeichnet war (die allerdings ganz andere Inhalte hatten als die Zukunft, auch wenn etliche Präkognitionen von ihnen berichtet werden). Ich will damit überhaupt nicht behaupten, dass ein Nahtoderlebnis Voraussetzung für das Vermögen zur "Schau" ist. Aber für Menschen, die vielleicht eine enstprechende Veranlagung haben, kann es offenbar ein "Türöffner" sein, quasi ein "Aha-Erlebnis", das man einmal haben muss, um es danach leichter wiederholen zu können. Und im Kern dürfte es sich dabei um die Erfahrung einer "radikalen Ablösung" (des Bewußtseins?) von der sinnlichen Weltsicht handeln. Eine solche Sichtweise würde sich im übrigen mit Befunden aus der Vöklkerkunde und Geschichte decken. So berichten etwa viele Schamenen, dass sie eine tödliche Krankheit durchlebt hätten oder gar "zerstückelt" wurden. In der Antike wurden angehende Priester in einen mehrtägigen "Tempelschlaf" versetzt. Und wenn die Erzählungen stimmen, dann wird noch heute bei einigen afrikanischen Stämmen der König mit Hilfe von Ritualen und Drogen in die Nähe des Todes gebracht, bevor er überhaupt König werden kann - denn für den Priester, den Schamanen und den König scheint es gemäß der Auffassung dieser Gesellschaften wichtig zu sein, die anderen "Reiche" zu kennen oder wenigstens um ihre Existenz zu wissen.

Es geht wahrscheinlich weniger um die Weltsicht, die sich ändert (das ist wiederum nur Folge), als um die im Vergleich dazu profane Verbindung zwischen Körper und Seele. Ein Nahtoderlebnis oder auch nur eine äußerst schockierende Erfahrung sind vermutlich geeignet, diese Verbindung, die mit der Inkarnation entsteht, zu lockern und das Bewußtsein für Eindrücke, die nicht unmittelbar körperlichen Ursprungs sind, zu öffnen, so daß im späteren Verlauf des Lebens seherische Erfahrungen entstehen können.
Spontan fällt mir da nur Irlmaier ein, der im ersten Weltkrieg ein paar Tage verschüttet wurde. Vermutlich sind Nahtoderfahrungen unter sehenden Menschen aber durchschnittlich häufiger als in der Gesamtbevölkerung. Nichtsdestoweniger gibt es noch andere Ursachen für Sehen. Sehende sind wahrscheinlich generell sensibler als der Normalmensch, d. h. sie verfügen über eine bessere Intuition (seelische, "außerkörperliche" Empfindung).

Der dritte Grund, warum ich die Nahtoderlebnisse mit einbezogen habe: die Schau selbst findet häufig statt, während die normale Sinneswahrnehmung und bestimmte Körperfunktionen reduziert sind. Jedenfalls ist sehr oft im Zustand der Schau eine "Verschiebung" in der normalen Physiologie zu beobachten. Wiederum räume ich ein: dies ist keine zwingende Voraussetzung, manchmal geschieht eine Schau blitzartig, ohne weitere Störung des Alltagszustandes. Oder es kann ganz im Gegenteil sein, dass eine Erscheinung eine Viertelstunde lang vor drei kleinen Kindern steht, die dabei offenbar ganz normal sind und sehen (wer aber war als Zeuge dabei?).

Was verstehst Du unter "Verschiebung"?
Daß beim Sehen eine Verengung der Wahrnehmung auf die Schau stattfindet, ist völlig logisch.
Genauso achtest Du beim Autofahren auch nicht auf die Kühe neben der Autobahn, sondern auf den, der Dich gerade von rechts überholen will.

Jedenfalls aber ist sehr häufig zu beobachten, dass in der Schau "Verschiebungen" in den Wahrnehmungsorganen stattfinden. Und damit ist auch gleich "erklärt", warum so viele Präkognitionen während des Schlaf auftreten (nach den amerikanischen Statistiken über 60 Prozent). Denn im Schlaf sind ja unsere Sinnesorgane ebenfalls abgeschaltet, überdies auch der Muskelapparat und der damit gekoppelte Bewegungssinn. "Irgendetwas" muss aber dann beim Schlafen dennoch wachen, denn sonst könnte die Schau nicht wahrgenommen und auch nicht im Gedächtnis abgelagert werden.

Im Schlaf ist vielmehr das Bewußtsein nicht dominant, was Wahrnehmungen im jenseitigen Bereich erleichtert. Der Mensch ist, wie ich schon schrieb, mehr als nur Bewußtsein, bzw. er ist überhaupt etwas anderes als das.
Schauungen haben mit Sinnesorganen nur insofern etwas zu tun, als sie sich der "Sprache" der Sinnesorgane bedienen müssen, um überhaupt erlebt werden zu können. Das heißt nicht, daß beim Sehen Nervenreize, z. B. zwischen Auge und Gehirn, übertragen werden. Das Gehirn versteht aber nichts anderes als etwas, das im Format der Nervenreize von Sinnesorganen kommt.

Gruß
Taurec

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„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
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„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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