Liebe Rauhnacht,
vielen Dank für Deine Antwort. Durchaus sollte man Spengler nicht nur nach seinen biographischen Notizen beurteilen. Genausowenig wie Nietzsche, einen seiner Seelenverwandten.
Henry Kissinger findet Spengler übrigens auch gut und nennt ihn neben Kant und Spinoza als seine wesentliche Inspiratoren.
Sehnsucht nach Apokalypse, wie sie Spengler in großer Geste äußert in allen seinen Büchern, kann man jedoch auch individuell deuten - genau wie bei Nietzsche, Kissinger und z.B. Irlmaier auch.
Es ist eine notwendige Betrachtungsebene - EINE von vielen anderen. Es ist m.E. aufschlussreich, sich zu befragen, wann man welche davon betont.
Etwa bei Spengler die Sachebene, bei Irlmaier die Wichtigtuerei, bei Nostradamus vielleicht etwas anderes.
Wie wäre es, in der Gewichtung der Ebenen das der Schauung entgegengesetzte Prinzip zu suchen? Meinem Erleben nach fügen sich die Bestätigungen wie von selbst, wenn die Gewichtung einmal passiert ist.
Aber zurück zu Spengler, den ich durchaus schätze auf seine Art. Er äußert ein tiefes Elendsgefühl, das offenbar 1918 ähnlich verbreitet war wie heute.
Er erhebt ein Massengefühl in den Sachstand und tut damit etwas, das nach seiner Analyse "nicht mehr zeitgemäß" ist. Vielleicht ist aber dies das eigentliche Elend?
Vielleicht ist gerade dies pubertär zu allen Zeiten: Die eigenen Gefühle im Schwall mit der Welt zu vereinen. Ich finde es ziemlich gut, das zu tun.
Das sollten alle machen, so lernt man sich kennen.
Aber dann geht das Leben erst los, und die mystische Schau mag ihren wahren Platz als Bereicherer und Lenker des freien Willens finden!
Viele Grüße
nvf33
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