Hallo
Aber zurück zu Spengler, den ich durchaus schätze auf seine Art. Er äußert ein tiefes Elendsgefühl, das offenbar 1918 ähnlich verbreitet war wie heute.
Er erhebt ein Massengefühl in den Sachstand und tut damit etwas, das nach seiner Analyse "nicht mehr zeitgemäß" ist. Vielleicht ist aber dies das eigentliche Elend?
Vielleicht ist gerade dies pubertär zu allen Zeiten: Die eigenen Gefühle im Schwall mit der Welt zu vereinen. Ich finde es ziemlich gut, das zu tun.
Das sollten alle machen, so lernt man sich kennen.
Ja! Finde ich passend, wie Du das formulierst.
Und ist doch etwas, was so in den zuerst sentimentalen Zeiten des Alters im individuellen Leben auch passiert. Nennt man meist Rückschau, wobei natürlich Gefühle zu Wertungen werden.
Wenn es dann in die Senilität übergeht und der Leichenkittel imaginär schon um die mageren Knöcheln flattert, geht es durchaus recht Vielen so, dass sie die Zukunft in Gestalt ihrer Enkel, den zeitgenössischen Verwirrungen und aufgrund ihrer sentimentalen und durchaus weisen Zukunftserwartungen ganz gefühlsmässig als unlebbar und Niedergang empfinden. In einer Zeit des Niedergangs haben die Alten und Sensitiven den subjektiv realeren Blick, allein darum weil sie da im individuellen Leben sowieso gefühlsmäßig nah verwoben sind.
Aber dann geht das Leben erst los, und die mystische Schau mag ihren wahren Platz als Bereicherer und Lenker des freien Willens finden!
Es geht schlicht weiter.Und nicht umsonst erinnern sich so viele Menschen überaus gern ihrer Jugend. Das ist eine geniale Zeit, die zwei drittel Leben, die dann noch kommen, werden erst noch in der Weltgeschichte befüllt werden müssen, um da im Bewusstsein solch Spuren zu hinter lassen. Da sind wir noch nicht, wie genial ist das denn? Es gibt noch viel zu erleben.
Das mit dem "freien Willen" glaub ich nicht. Das unterbinden "Gott sei Dank" die Leitplanken und so ist es lediglich möglich in recht engen und deterministischen Begrenzungen, so zum Ausprobieren. Bis zur Aufgabe des "Ich bin Gott."
Liebe Grüße
Rauhnacht