das, was ist und wird (Freie Themen)

Sagitta, Samstag, 16.09.2017, 02:45 (vor 3057 Tagen) @ nemo (2599 Aufrufe)

Hallo Nemo,

Sie verloren also ihre evolutionären *** Fähigkeiten und opferten sie dem Überleben des Staates.

Es geht nichts verloren und wird nichts geopfert, sondern die Dinge geschehen eben.

Wenn Du das zitierte Buch gelesen und richtig verstanden hast, dann musst Du zugeben, dass durch eine Staatenbildung (zielgerichtete, arbeitsteilige, kohärente Aggregation von Individuen) die Überlebenswahrscheinlichkeit und Anzahl der Termiten pro Zeiteinheit (Generationszyklus) deutlich größer wird, als wenn die Termitenviecherchen zwar mit vollständigen Flügeln und Sinnen aber vereinzelt durch die Gegend rennen und flattern würden. Im Staat mögen die einzelnen Individuen gewisse Eigenschaften verlieren, jedoch gewinnen sie andere hinzu, durchaus auch - und vielleicht ganz in Deinem Sinne - Zugang in ganz neue Bewußtseinssphären.

Ich habe den Eindruck, dass das (biologische) Leben sich quantitativ vermehren, sich zeitlich möglichst lange fortsetzen und immerzu sich neue energetische Wahrnehmungs- und Bewußtseinsräume erschließen will. Dabei schöpft es aus dem Vollen (kreatives, evolutionäres Potential), ist risikobereit, arbeitet sich konsequent an das jeweilige situationsspezifische Optimum heran - und hängt nicht wehleidig an irgendwelchen altbackenen Flügeln und Sehzellen, wenn ihm Besseres winkt. Die Komplexität der chemischen und elektromagnetischen Koordination/Steuerung im einem Termitenstaat ist mindestens ebenso beeindruckend wie der Bau eines Termitenflügels oder der Bau eines Facettenauges (welches übrigens nach den gleichen Strukturprinzipien wie 'ein Staat' aufgebaut ist).

Du bestehst aus 123 456 789 876 543 plus 21 Körperzellen, und da kommst Du auch nicht auf die Idee zu sagen, dass Deine 38. Leberzelle gegenüber der 133. Hirnzelle degeneriert ist. Das Wunder ist doch, dass sie alle zusammenarbeiten können und Dir dadurch Leben und Bewußtsein schenken.

Der menschliche Staat befindet sich in einem Durchgangsstadium seiner Evolution. Er ist erst ein paar tausend Jahre alt. Aktuell präsentiert er sich voller Saft und Kraft, er lotet seine Entwicklungsmöglichkeiten aus. Und wo gehobelt wird, da fallen Späne. In 20 000 Jahren kann das ganz anders aussehen, und da hätte ich eher Sorge, dass er verknöchert und die biologische Substanz des Menschen degeniert. Im Augenblick wenigstens ist Lamentieren überhaupt nicht angesagt. Sowohl die kollektiven Leistungen menschlicher Gruppen wie auch die (durch Rückhalt im Kollektiven) möglichen Leistungen einzelner Individuuen stehen in nichts den Leistungen nach, die der Mensch bislang in seiner Evolution gezeigt hat.

Meint, freundlich grüßend, Sagitta

*** bessere Formulierung wäre vermutlich: sie verloren (einige ihrer) zuvor durch Evolution erworbenen Fähigkeiten ...

Die Fähigkeit zur Evolution nämlich können sie nicht verlieren, da diese dem Leben übergeordnet ist - in dem Sinne, dass alles Leben generell die Option zur Evolution hat. Ständig variierende Evolution unter Bewahrung der Integrität (der eigenen 'Gestalt') ist eines der Spezifika und Wunder 'des Lebens' ...


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