joo (Schauungen & Prophezeiungen)

Klara, Dienstag, 26.07.2011, 22:48 (vor 5572 Tagen) @ Gerhard (2087 Aufrufe)

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Letzte Woche hatte ich hier geschrieben, dass in der "Schau" die gängige Trennung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft offenbar aufgehoben ist. Denn aus seiner Gegenwart heraus ist ja dem Schauenden einerseits die Zukunft zugänglich (Präkognition), aber auch die Vergangenheit (Retrokognition, etwa wenn ein Hellseher wie Croiset bei der Aufklärung eines Kriminalfalls hilft). ...

Unabhängig davon ob der Schluss flach oder tief ist, möchte ich höflich anmerken, dass auch die Schau der Gegenwart zumindest logischerweise genannt werden sollte.

Gewesenes kann nie mehr ungewesen gemacht werden - besteht es also ewig? Und wenn wir sagen, die Zukunft kommt, muss es sie dann nicht eigentlich schon geben? Sonst könnte sie ja gar nicht herankommen! Irgendwie reichen solche paradoxen Sätze aber nicht aus, um das Problem zu fassen. Ich suche also Zuflucht bei einem Beispiel.

Gerhard, Hallo!!! Wir reden über die Schau! Gewesenes wurde noch nicht einmal erdacht und doch ist es ewig, die Zukunft lag in der Vergangenheit und wurde doch erst in der Gegenwart entdeckt.

Detlef baut ein Boot, weil er in einer "Schau" sich selbst und seine Familie in einem solchen Boot gesehen hat - in den Stürmen der Zukunft. Letztere sind aus heutiger Sicht aber nur eine Annahme, für Detlef rechtfertigt die sich aufgrund seiner bisherigen Erfahrung mit "Schauungen" (die er in der Vergangenheit wohl schon gehabt und die sich bewahrheitet hatten).

Handlungsweisen oder schlicht Handlungen einer Person, eines Menschen oder eines Avatar können nicht wirklich das Wesen einer Schau klären. Handlungen sind wie Fliegen, die ihren Brei gefunden haben und davon nähren und zehren.
Und was noch kurioser ist, Gerhard, angenommen, es gäbe gar kein Boot, angenommen, es gäbe gar keine Person mit solchen Schauungen und solchen Handlungen, dann wäre alles was du diesbezüglich "siehst", alles was Du denkst nur eine Wahnvorstellung. Oder eleganter gesagt, eine Schau.

... Normalerweise würde man hier von einer "self-fulfilling-prophecy" reden können. Wenn da nicht die - ...

sfp später der Übersicht halber.


... Das Mysterium der Zeit ist so gesehen vielleicht ein ganz anderes: es geht bei der Zeit überhaupt nicht um ein Voher und ein Nachher und ein "jetzt gerade!". Diese Auftrennung ist vielleicht gar nicht die entscheidende. Vielmehr läuft die eigentliche Trennlinie vermutlich zwischen "real" und "potentiell". ...

Das ist mal Wow. Völlig unerwartet - insoweit ich Dich richtig verstehe - änderst Du den Standpunkt von oben und meldest knall auf fall: die zeitliche Dimension existiert gar nicht in der Realität. Ich bin etwas sprachlos, aber na gut, ich spinn mal Dein R und P mit der Trennlinie weiter. Und behaupte nun, es gibt weder R noch P noch T. Dieses RPT, warum behaupte ich das? Einfach. Alles besteht aus Teilchen, kleinsten Energieteilchen, die dann, innerhalb eines bestimmten Bewusstseinsrahmens, für uns erkennbar sind. Ich hör mal hier auf, da Du mich sonst eh wieder nicht verstehst.

Viel mehr, Klara, glaube ich, kann ich zum Thema Zeit nicht beitragen. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann interessiert die Zeit mich gar nicht. Ich halte sie nämlich für eine ziemliche Nebensächlichkeit. Sie ist in meinen Augen, wie der Raum, nur ein Gefäss, mit dem Vielheit geschöpft und gehalten werden kann. Der Raum ermöglicht es, dass mehrere Dinge gleichzeitig nebeneinander existieren können, und die Zeit ermöglicht, dass die Nebeneinanderdinge sich nochmals zusätzlich verändern können (eigentlich tun sie es durch Umstellungen im Raum, genannt "Bewegungen"). Raum und Zeit sind also nur ein leeres, vierdimensionales Schachbrett. Platz für viele Mannigfaltigkeiten. Das Wesentliche scheinen mir eher die Figuren zu sein, die Regeln - und die Freiheit des Spiels.

Du schreibst, Du pickst zur Klärung ein Korn heraus um es dann als Unwichtig zu deklarieren. Ich finde das ja löblich, da wirklich alles dem Unwichtigkeitsdilemma unterliegt, jedoch wollte ich wichtig sein und nun ist Dein Text und meine Antwort nur noch Brei.

Einen schönen Dienstagabend
und eine gute Woche!

Gerhard

Klara


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