Avatar

@Baldur, @RichardS - Mentale Einstellung, Eigentum und Besitz (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂, München, Samstag, 10.05.2014, 18:54 (vor 4555 Tagen) @ Ulrich (5576 Aufrufe)

Hallo!

@ Richard

Also: Zeit (ohne Groll) zu gehen.


M.E. die falsche Reaktion.

Ganz genau.

Ich werde mich nicht auf Seite jemandes schlagen in einem Konflikt zwischen zwei Schreibern, bei welchem mir eher persönliche Befindlichkeiten den Ausschlag zu geben scheinen. Ich werde daher beide kommentieren, von meinem Standpunkt aus.

1. Baldurs Denkweise erscheint mir ziemlich daneben (= am Ziel vorbei). Wichtig ist überhaupt nicht, wer an der heutigen Gesellschaft, der Regierung, dem Finanzsystem, der Bargeldabschaffung schuld ist. Mit solchen Zuweisungen ist überhaupt nichts gewonnen. Wer noch halbwegs vernünftig denkt und merkt, daß die Welt nicht zu verbessern ist, bleibt auf der sachlich-pragmatischen Schiene. Dann geht es nicht darum, wer schuld ist (vergangenheitszugewandt) oder wie die Misere zu verbessern wäre (utopisch-weltverbesserlich, also links = falsch denkend im eigentlichen Sinne, da nicht bei sich selbst, sondern anderen anfangend), sondern es geht schlicht (völlig amoralisch) darum, wie die Lage ist und wie man sich persönlich am besten darauf vorbereitet, um sich und die seinen bis zum Ende der Talsohle durchzubringen, physisch und mental in Form zu bringen für den Wiederaufstieg (zukunftszugewandt, pragmatisch, rechts = richtig denkend, da bei sich selbst anfangend, dem einzigen beeinflußbaren Faktor). Meines Erachtens versuchst Du, Baldur, Deinen Frust auf das System (eigentlich: Deine eigene, nicht Deinen Träumen entsprechende Lage) auf eine erträgliche, außerhalb Deiner liegende Leinwand zu projizieren. Das halte ich für Schwäche. Nicht zuletzt ist diese Denke auch für das Forumsthema nicht zielführend.

Die Oma Dosenkohl und ihr Wahlverhalten sind vor diesem Hintergrund zu bewerten. Sie ist Teil des Systems, ein Rädchen, das ich in meine persönliche Lagebeurteilung sachlich (aufgrund ihres von mir eingeschätzten Verhaltens) einbeziehen muß. Ich mache ihr keinen Vorwurf, sondern versuche die Gründe für ihr Verhalten und den voraussichtlichen Wandel (oder Nichtwandel) dessen im Fortschreiten der Geschichte zu ermitteln. Darauf hat man sich einzustellen und wenn ich noch Ressourcen übrig habe, kann ich für die Omas Dosenkohl in meinem persönlichen Einflußbereich (Familie und Freundeskreis) mitdenken und Vorkehrungen treffen, da als jemand, der mental aus einem System herausgetreten ist, das auf Mangel basiert (Kehrseite des Wachstumszangs), ich mich auf eine Position des (zunächst inneren, geistigen) Überflusses zubewege, aus der, wenn ich es folgerichtig durchziehe, durch knallharte Entsagung aller "Segnungen" der Zivilisation (Wohlstand und Konsum), auch materieller Überfluß entspringt (oder Eigentum mit der Möglichkeit, es zu verteidigen), der letztlich Leben rettet.
Das Problem ist, das Eigentum vom System erfolgreich und dauerhaft abzugrenzen, ohne die Abwehrmechanismen des Systems auszulösen.

Bargeld ist übrigens (Giralgeld erst recht) nicht Eigentum in diesem Sinne. Es ist völlig vom System abhängig. Ein Geldschein ist nur eine andere physische Form eines Sparbuchs oder eines Bildschirms mit dem angezeigten Kontostand. Der Unterschied ist oberflächlich. Innerlich ist alles dasselbe, nämlich ein Schuldverhältnis. Daher ist mit der Bargeldabschaffung für die meisten Menschen nichts verloren. Es ändert nur die Zahlungsmodalitäten. Für den Sezessionisten, der (zunächst in innerer Emigration lebend) sich für ein physisches Leben jenseits und nach dem System vorbereitet oder es anstrebt, der also gegen die Gesellschaft und ihre Tendenzen lebt, ist die Bargeldabschaffung ein Problem, weil sein Zahlungsverkehr, also seine Vorbereitungen nachvollziehbar werden, wenn es ihm nicht gelingt, die Richtung seines Vermögens auf andere Weise zu verschleiern. Durch die Bargeldabschaffung wird er gezwungen sich zu zeigen, wird verdächtig und angreifbar.
Wirkliches Eigentum ist nichts anderes als das, was seinen Wert (für das Leben) in sich selbst hat (und andererseits ein Spiegelbild des Lebens ist, zu dem das Eigentum gehört) und das ich durch Gewalttätigkeit verteidigen kann: Ein Haus auf einem Stück Landes oder eine Goldkiste, auf welchen ich sitze, sowie ein geladenes Gewehr in meiner Hand. Die Fähigkeit, Gewalt anzuwenden (nicht nur mit Waffen, sondern durch jedes Mittel der "Politik") und dadurch Eigentum zu akquirieren, ist die Grundlage der Macht. Begriffe wie "Besitz", "Besitzrechte", etc. verblassen dagegen zu nichts, wenn sie jemand in Anspruch nehmen will, der machtlos, also nicht wehrhaft ist und am zu besitzenden kein Eigentum hat. Jeder leibeigene Bauer besitzt das Land, das er bebaut, dessen Eigentümer aber der Feudalherr ist (der mit dem größeren Gewaltpotential).

Nebenbei ist Gold bereits eine Entfremdung, an sich nutzlos und seinen Wert nur aus dem Wert für andere, denen ich es gegen nützliches geben kann, beziehend. Es hat sich nur deswegen über Jahrtausende gehalten, weil es praktisch nutzlos ist sowie (metaphysisch) wegen seines Glanzes als Widerschein der göttlichen Sonne, welcher der Mensch zustrebt wie die Pflanze dem Lichte.
Geld ist die völlige Entfremdung, da es seinen Schwerpunkt im System hat. Wer auf Geld angewiesen ist, ist völlig systemabhängig. Daher kann Geld niemals Eigentum sein. Eigentum und "System" sind Gegensätze. Das System (man kann auch moderner Staat oder Zivilisation sagen) ist dem Eigentum feindlich eingestellt. Es versucht, die Menschen an sich zu binden, ihnen die Wehrhaftigkeit und die Möglichkeit zum Eigentum zu nehmen, also zur Macht über sich selbst (und andere).

2. Richard: Die Verhöhnung, die Du Baldur vorwirfst, kann ich nicht erkennen. Er folgt eben seiner Denk- und Empfindungsweise, wie auch Du, der das Ergebnis als Verhöhnung empfindet. Jeder hat seine persönliche Weltdeutung und seinen Tunnelblick, die für mich anzunehmen ich mich allerdings nicht gezwungen sehen will. Ich will mich nicht zwischen zwei Schreibern entscheiden, wenn ich nicht grundsätzlich einem der beiden derart abgeneigt bin, daß ich ihn für das Forum untauglich empfinde. Du hingegen setzt mir wieder die Pistole auf die Brust, wenn Du schreibst: "[...] und Schmähungen dieser Art sollten zumindest in diesem Forum nicht durchgehen", "Also: Zeit (ohne Groll) zu gehen." Das empfinde ich als ungebührlich und zudem schädlich für das Forum, da ihm so Kompetenz entzogen wird. Ich komme sogar nicht umhin, es als Schmähung meines Versuchs zu empfinden, den Laden hier zusammenzuhalten. Ich bitte Dich daher, das nochmal zu überdenken.

Gruß
Taurec

―
„Es lebe unser heiliges Deutschland!“
―
„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


Gesamter Strang: