Die 3-Tage-Finsternis-VORSTELLUNG (Schauungen & Prophezeiungen)

Gerhard, Montag, 20.06.2011, 15:45 (vor 5608 Tagen) @ trace (4621 Aufrufe)

Ich habe vor einigen Tagen das Büchlein "Der große Monarch" von Konzionator/Spirago in der letzten Auflage (1959) erhalten. Darin findet sich eine recht lange, über 1000 Jahre umfassende Liste von Belegen aus katholischem Umfeld zur dreitätigen Finsternis. Wenn man die Zitate nebeneinanderstellt, fällt einem sofort auf, dass es sich um ein Stereotyp handelt, mit Ähnlichkeiten bis in einzelne Sätze, ja Worte hinein. Selbst die Äußerungen Irlmaiers zur Finsternis decken sich fast vollständig mit dieser Tradition. Und ich war etwas enttäuscht, als ich die Äußerungen von Pater Pio, den ich irgendwie sehr mag und schätze, über die dunklen Tage im Internet fand: es sind im Wesentlichen die gleichen "Formeln".

Man kann diese Konstanz nun auf mehrere Arten erklären - aber es bleibt immer auch die Option, dass es sich um eine "fixe Vorstellung" handelt, deren Keime wir in einigen Bibelstellen finden (die Spirago ebenfalls zitiert), und die alle anderen Seher seither nur "einander nachbeten" - vielleicht sogar telepathisch über die Zeiten hinweg nach"sehen" - und dabeigelegentlich ein wenig variieren oder "ausschmücken".

Da ist es nun einerseits erfrischend, wenn in neuerer Zeit "Schauungen" bekannt werden, die etwas "mehr Farbe" ins Spiel bringen. Doch andererseits stiften sie neue Verwirrung. Denn bei der Prager Sibylle, in Eskioga, beim Waldviertler, bei Bariona, bei einMensch, in der Proph.John.XXIII und bei vielen anderen beginnt die Dunkelheit keineswegs wie in der traditionellen katholischen Vorstellung in einer eisigkalten Winternacht, sondern mitten am Tag. Und sie dauert bei vielen dieser neueren Belege auch nicht nur drei Tage, sondern die Eintrübung zieht sich ziemlich hin. Da ist man dann verstört (das gilt auch für weitere Details) und fragt sich: was ist überhaupt wahr? Und ist das Ganze nicht eine fixe Idee, die sich aus irgendwelchen unbewußten Zukunftsängsten speist?

Interessant nun, wenn wir ein anderes Beispiel nehmen: Bei den Flutschauungen, die in sich ebenfalls recht widersprüchlich sind (und die eigenartigerweise keine so deutliche katholische Parallele haben ...) scheint sich ein gewisser Konsens herauszubilden, eher im Internet allerdings, nicht in gedruckten Werken. Es werden sehr anschauliche "Überflutungskarten" herumgereicht (auch die US-Navy soll schon eine haben), und es ist inzwischen fast schon "gängige Meinung", dass England von der Landkarte verschwindet und die norddeutsche Tiefebene zu einer Sumpflandschaft wird. Es ist zu befürchten, dass sich - falls die Flut nun ausbleibt - in den nächsten Jahrzehnten eine "Vorstellung von einer neuen Sintflut" bildet, die dann für mehrere künftige Jahrhunderte als "Prophezeiung" umläuft - so wie es bisher mit der dreitägigen Finsternis eben war.

Worauf will ich hinaus? Trace hat einerseits Recht, wenn sie davor warnt, dass hinter mancher Schauung sich derartige "Vorstellungen" verbergen könnten - oder dass Schauungen (und Interpretationen von Schauungen!!!) zu irgendwelchen Weltuntergangsvorstellungen zusammengeklebt werden. So wenigstens glaubte ich verstanden zu haben, dass Trace den Begriff Vorstellungen verwendet. Das Gefährliche wäre dann, dass man dann von solchen "Vorstellungen" wichtige Lebentscheidungen (Umzüge, Haus- und Schiffsbauten) abhängig macht und aufwendige Krisenvorbereitungen betreibt. Derartiges geschieht aber bekanntlich nicht nur in Weltenwende-Angelegenheiten und in Bezug auf Schauungen sondern praktisch auf allen Feldern des Lebens und des Alltags: Es ist das Kerngeschäft von Medien, Public Relations Agenturen, Versicherungsagenten und Missionaren etc. etc., in anderen Menschen Vorstellungen zu erzeugen und diese Menschen mit solchen Vorstellungen steuern zu wollen, vor allem in Richtung Konsum und Glaubenssysteme - weil offenbar Vorstellungen eine große Macht auf das Bewußtsein und vor allem das Unbewußte in uns haben (sie sind ja nahe gebaut an "Wünsche" und "Ängste").

Trace hat aber nicht Recht mit dem Vorwurf an mich, ich selbst hätte den Begriff "Vorstellungen" hier "eingeschleußt und zementiert". Sondern Sie selbst hat mit einem eigenen Beitrag unter dem ausdrücklichen Titel "Vorstellungen" die Diskussion eröffnet und dabei dem Forum (oder "Einzelnen" hier) die "Pflege, Verbreitung und Übertragung der eigenen Paranoia" unterstellt, auch wenn Sie diesen massiven Vorwurf gleich im nächsten Satz wieder etwas entschärft.

https://schauungen.de/forum/index.php?id=12033

Weil wir diese Paranoia-Pflege in ihren Augen offenbar außerdem mit den "fragwürdigsten Mitteln" durchführen, wollte ich (nachdem Trace auf die entsprechende Rückfrage von BB nicht geantwortet hatte, zur Überprüfung aber doch selbst auffordert) gerne von ihr etwas mehr über ihre wohl sehr umfangreiche, ausgearbeitete und erfahrene Auffassung zum Thema "Vorstellungen" hören, und ob ich sie in obigem Sinne richtig verstünde - und ich habe deswegen das Thema und seine Autorin bei Gelegenheit immer wieder indirekt anzusprechen versucht. Denn Vorstellungsbildungen sind, wie eingangs geschildert, ein sehr wichtiger Aspekt auch für den Umgang mit Schauungen. Aufgrund der übrigen Beiträge von Trace habe ich auf ein zwar scharfe aber kluge Antwort gehofft. Gestern nun ist sie gekommen, und ich bedanke mich hiermit. Auch danke ich, dass mich Trace von direkten Erwiderung entbindet. Inhalt und Qualität Ihres Beitrages mag deshalb jede(r) hier für sich selbst beurteilen.

Wie kommt man aus dem Vorstellungs-Dilemma in Bezug auf die Weltenwende heraus? Wie schafft man es, dass man sich nicht durch paranoide Ideen von einem - vielleicht nur fiktiven - Weltuntergang gefangen nehmen lässt und damit allein schon in eine psychische Negativspirale hineingerät? Und wie schafft man es andererseits - falls in den Schauungen doch etwas Wahres steckt - nicht blind ins reale Verderben zu rennen? Nun, darauf muss jeder wohl seine eigene Antwort finden. Ich habe meinen Weg, nur weil Taurec mich ausdrücklich danach gefragt hat, hier beschrieben - und zwar mit der deutlichen Warnung, ihn nicht zum Vorbild zu nehmen und ihm nicht zu folgen. Es ist ein wenig das schlechte Gewissen, wenn ich gleich hinterher meine Mitarbeit an einem eventuellen Weltenwende-Wiki angeboten habe, denn ich wollte mit meiner geäußerten "Unkümmertheit" niemand verstören und gar von Vorbereitungen abhalten.

Wenn man die alten und neuen "Schauungen" zur dreitägigen Finsternis überblickt und analysiert, so kann man daraus die Vorstellung ableiten - und es ist ganz klar eine Vorstellung -, dass die Finsternis nur ein Teilsymptom eines sehr großen Geschehens ist, das die Erde in naher Zukunft einmal ergreifen mag. Weitere Symptome neben der Verschmutzung, Vergiftung und der Reduktion der Erdatmosphäre sind heftige Stürme, Erdbeben und Meeresbewegungen. Nach den Texten, die ich kenne, sind allerdings bis auf wenige Ausnahmen (u.a. etwa Prager Sibylle) in den Finsternis-Schauungen keine gleichzeitigen Impaktschauungen enthalten. Dies ist m.E. ein wichtiger Punkt, und man möge mich bitte korrigieren, falls ich mir das falsch "vorstelle".

Der Nutzen einer solchen, hier abstrakt formulierten 3tF-Vorstellung, die durchaus nicht richtig sein muss, liegt darin, dass man aus ihr bestimmte Vorbereitungen ableiten kann (die ich hier nicht weiter ausführen brauche). Es ist wie bei einem Kriminalfall, wo man Spuren von einem Täter hat und ein vorläufiges "Profil" entwickeln muß - das eben nur eine Vorstellung ist, weil der Täter noch nicht bekannt ist. Es ergeben sich aber aus einem solchen Profil für die Polizei neue Suchstrategien oder Schutzvorbereitungen. Und ganz ähnlich ist das auch bei der Weltenwende: kommen neue Spuren und Schauungen hinzu oder würde ein Phänomen entdeckt, das die Ereignisse besser erklären könnte (etwa ein "Himmelskörper"), dann liessen sich die Vorstellungen modifizieren oder präzisieren. Das besondere "regionale Problem" in Deutschland könnte beispielsweise darin bestehen, dass dem katastrophalen Naturereignis möglicherweise ein katastrophales Kriegsereignis vorausgeht - und weltweit vor der Finsternis ohnehin Versorgungsschwierigkeiten und Unruhen. Und der zentrale Punkt ist bei der 3-Tage-Finsternis-Vorstellung deshalb nicht, die 72 Stunden Dunkelheit, Donner und Gewackel zu überstehen, sondern eine vieljährige Durchhaltefähigkeit zu entwickeln. Der Vorlauf nämlich könnte bereits extrem schwierig sein (und mag, von heute aus gesehen, noch dauern) und die Notzeit hinterher sowieso.

Man braucht also m.E. ein gewisses Bild und eine Vorstellung, man muß sich solche Gedanken machen, wenn man sich vorbereiten will. Ich glaube aber, dass alle meine Beiträge zeigen, dass ich sehr rational und nicht paranoid mit "Schauungen" umgehe. Ich "verfalle" ihnen nicht und lasse mich nicht von ihnen "fixieren", und erst recht nicht will ich andere auf meine "Vorstellungen" festlegen, stelle nur meine Meinung offen zur Diskussion. Nach sorgfältigster vorausgehender Prüfung benutze ich Vorstellungen als Denkoptionen, die meinen Handlungsspielraum erweitern und ihm eine bestimmte Richtung geben könnten, wenn es einmal angezeigt sein sollte zu handeln.

Mit meinem indirekten Nachfragen, was Trace Ihrerseits unter "Vorstellungen" verstehen will (und wo genau die Paranoia des Forums liegt) scheine ich sie sehr verletzt und böse gemacht zu haben, ohne dass mir der Grund dafür schon ganz einsichtig ist. Ich bitte trotzdem um Verzeihung bei der lieben Trace, die es bestimmt ebenfalls gibt!

Mit freundlichen Grüßen,
Gerhard


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