Die Praxis der Schau (Schauungen & Prophezeiungen)

Sagitta, Sonntag, 11.05.2014, 03:16 (vor 4554 Tagen) @ BBouvier (5656 Aufrufe)

Werter BB,

wenn ich lese

Die junge christliche Gemeinde war
bei der Erstürmung Jerusalems kurz zuvor vernichtet worden!

so muss ich sagen: leider falsch!

Denn die Jerusalemer Christen sind rechtzeitig vor der Belagerung der Stadt umgezogen, und zwar nach Pella (im heutigen Jordanien).

Dazu gibt es verschiedene Überlieferungstraditionen, die in Verbindung mit entsprechenden archäologischen Funden eine hohe Wahrscheinlichkeit für sich haben. Zum Beispiel schreibt Epiphanias in der Hist.Eccl.III,5, dass

die Kirchengemeinde in Jerusalem in einer Offenbarung, die ihren Führern geworden war, die Weissagung erhalten hatte, noch vor dem Kriege die Stadt zu verlassen und sich in einer Stadt Peräas, namens Pella, niederzulassen …

Das gibt mir Gelegenheit in Erinnerung zu bringen und darauf hinzuweisen, dass viele „Vereinsmitglieder“ (BB) in der damaligen Christensekte echte und kernige Schauungspraktiker waren. [Ich darf bitte von hier aus Grüße an @DANACH geben, falls er noch mitliest].

Nicht umsonst sagt Paulus (1.Thess.5,19): Den Geist dämpfet nicht, die Weissagung verachtet nicht; prüfet aber alles, und das Gute behaltet.

Das Prüfen scheint ja die Aufgabe des Forums hier zu sein, und Weissagungen verachtet es auch nicht. Aber der Geist wird (aus meiner Sicht bedauerlicherweise) durch z.B. Diskussionen um Bargeld, Buchgeld und Goldgeld hier durchaus etwas gedämpft.

Die Christen von Pella übrigens sind Juden geblieben, behielten beispielsweise die Beschneidung bei oder etwa das Verbot, Schweinefleisch zu essen. Aus der Jerusalemer Tradition heraus haben sie ferner eine Wertschätzung der Mutter Jesu bewahrt (lange vor der Entwicklung des Marienkultes in der lateinischen und orthodoxen Kirche). Ferner sind sie dem Armutsideal des Urchristentums treu geblieben (wurden daher auch Ebioniten, d.h. die Armen, genannt), und sie haben immer die Geistbegabung sowie die visionäre Schau hochgeschätzt. Im Laufe der Jahrhunderte haben sie sich in Richtung Arabien ausgebreitet. Waraqua ibn Naufal, der in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts in Mekka lebte und der in der Kaaba, damals noch eine christliche Kirche, möglicherweise eine Art Priester war, hat früh bei Mohammed dessen prophetische Begabung erkannt und ihn daher geistlich und materiell gefördert (materiell etwa indem er ihn mit der reichen Witwe Chadidscha verheiratete). Die judenchristlichen Wurzeln des Islam sind (aus Sicht westlicher Forschung) relativ eindeutig: Als Mohammed beispielsweise die Kaaba für den Islam übernahm, hat er ausdrücklich untersagt, eine dort vorhandene Darstellung der Maria zu übermalen.
Glücklicherweise ist dieser verborgene Faden der Weltgeschichte nicht allgemein bekannt, sonst könnte am Ende noch jemand wünschen wollen, dass die jüdisch-christliche Urgemeinde eben doch besser in Jerusalem geblieben und dort, wie die anderen Juden in der Stadt, ausgerottet worden wäre. Und das Wort „leider“ (ganz oben) bitte ja nicht falsch interpretieren!

So weit, nach einem schnellen Blick in das hochgeschätzte Forum, das Wort zum Sonntag, von Sagitta.


http://de.wikipedia.org/wiki/Waraqa_ibn_Naufal


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