...trifft man einfach so, beim Spaziergang, auf Wahrsagerinnen, wie z. Gabriele Hoffmann, Gurus, ketzerische Rentner und andere, schillernde Persönlichkeiten. Die Politiker sind ganz weit weg vom Schuss. Ich erlebe mein schönes Berlin, mit diesen meinetwegen frechen, aber aufgeschlossenen Menschen live. Der Austausch mit ihnen ist mir wichtig, auch wenn manche noch so spinnert erscheinen mögen. Die Anonymität der Großstadt läßt die Menschen frei entfalten.
Ich erzähle Dir mal eine Erlebnis aus dem Jahr 1990, dem 3. Oktober. Du erinnerst Dich sicher an die Bilder vom Reichstag, wo sich die Politiker feiern ließen. Natürlich war ich auch vor dem Reichstag. Mit Oma, Kind und Kegel. Es war ein unwahrscheinliches Gedränge. Irgendwie gerieten wir, nachdem die Schau vorbei war, an den Hinterausgang, wo die Parteischranzen den Reichstag verließen. Die Sicherheitskräfte hatten große Mühe, einen Tunnel zu bilden, um die Brut in den bereit stehenden Bus zu geleiten. Was da los war, zeigte kein Fernsehsender! Ich war von überwiegend älteren Menschen umgeben. Rentner aus Ost und West. Die Politiker wurden beschimpft, aber wie! "Nullen, Hinterbänkler, Taugenichtse, Volksschmarotzer, Blutsauger, Parteischranzen..." um nur einige Ausdrücke zu nennen. Ob Kohl, ob Rita Süßmuth, ob Genscher, sie alle wurden ausgebuht und ausgepfiffen! Mit eingezogenen Köpfen verkrümelten sie sich, so schnell es ging, im VIP-Bus.
Ich gestehe, dass ich mich in dieser Runde sehr wohl fühlte. Alles Fälle für die Verfassungschützer
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Viele Grüße Rita