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Tonneninsasse (Schauungen & Prophezeiungen)

BBouvier, Donnerstag, 26.03.2009, 15:24 (vor 6152 Tagen) @ BBouvier (6558 Aufrufe)

Noch etwas zu diesem "Daniel", den seine
Erfinder gegen 163 "vor" in etwa so weit zurückdatiert haben,
wie jetzt ein Fälscher einen Anderen:
schlicht in den 30-jährigen Krieg.

Dieser "Daniel" zeichnet sich besonders
dadurch aus, dass er (mit leichtem Abstand)
mein beliebtster Tonneninsasse ist.

Und zwar besonders deswegen, weil halb illiterate
US-Menschen seine (angeblichen) "Prophezeiungen"
bis (!) 163 "vor"
- voll vor sich hin frömmelnd -
in unsere Zeit vorverlegen!

Die haben eben von Geschichte keine Ahnung.

Zu „Daniel“ ist folgendes zu sagen:

Das Babylonische Reich war Grossmacht
unter Nebukadnezar II.(605-562v.Chr.)

Und es endete unter dem Perserkönig Kyros 539v.Chr.

Das später dem Daniel zugeschriebene Buch ist jedoch erst
163v.Chr. geschrieben worden!

Halten wir fest:
Die Perser vernichten das Babylonische Reich.
Der griechische König Alexander unterwirft ab 334v.Chr.
wiederum das Perserreich, das in mehrere Diadochenreiche
zerfällt:
Ptolemaierreich
Seleukidenreich (der Grieche Antiochus Epihanes regiert Israel, -
die Juden jammern aus vollem Halse)
Partherreich
Makedonien
Das lässt sich im Jahre 163v.Chr. nun recht unschwer
„prophezeien“:
Ist einfach rückdatiert auf Daniel!

Und des weiteren:
Zur Steigerung der Dramatik dieser "Story"
muss nun der arme Daniel auch noch in Ohnmacht fallen:
- Versteht nur Keiner, wieso eigentlich?>

(Ein Phänomen, das mir bei aber- und aberhunderten
von Schauungsberichten noch nicht untergekommen ist.)

Und dann erfindet der Erzähler auch noch ein Gespenst,
das den Daniel anfasst und aufrichtet.
Auch so etwas ist unerhört:
Ein materielles Gespenst!

Geht aber noch weiter:
Anschliessend ist Daniel auch noch ein paar Tage krank!:
Nur, wegen dieser Schau.

(Entschuldigung, da fällt mir was von Busch ein:
"3 Tage war das Fröschlein krank, - nun hüpft er wieder, Gott sei Dank!"
Und mehr ist da auch nicht dran.)

Lässt sich aber noch steigern:
"Du sollst das Gesicht geheim halten!"
Dass mal Alexander das Perserreich unterwirft,
wird zur Top-Secret-Sache gemacht.

Im Jahre 163v.Chr, als diese Geschichte erfunden wurde,
hat natürlich jeder Jude verstanden, wovon die Rede da ist.
War ja erst 130 Jahre her.
Etwa so, als wenn heute Einer was von Kaiser Wilhelm liest.
Im übrigen hält sich der Daniel in dieser erfundenen Geschichte
nicht an das Gebot
- logisch, dann wäre ja der ganze Witz der Erfindung weg,
und Niemand hätte was zu staunen -,
aber auch, um sie recht "wichtig" zu machen,
und so wird das "Geheimnis, von dem niemand was wissen darf"
in die Thora übernommen und am Sabbat öffentlich
vor Publikum verlesen:
SO! "Geheim"!

Die Erfinder haben aber immer noch ein flaues Gefühl
bei ihrer Schandtat.
Vielleicht fliegt ihr Machwerk doch auf?>
Und als "Gütesiegel", und um mit Patina auf:
"echt alt, das!"
zu schönen, setzen sie noch fix ans Ende:
"ist noch eine lange Zeit bis dahin!"

Richtig:
Von der Vernichtung des Babylonischen Reiches
bis zum Verfassung dieser gefälschten Schau
vergingen 430 Jahre. = "eine lange Zeit".

Der historisch unbedarfte Leser dieser Klamotte heute
staunt jedoch nicht mehr, der Effekt ist dahin.
Weil niemand mehr die Diadochenreiche kennt.
Der damalige Hörer war jedoch baß ergriffen:
"Toller Typ, dieser Daniel!"

Und das war ja auch der Sinn und Zweck.
Hab schon mal ne US-Auslegung gelesen:
Das war der Ziegenbock die USA!!

Liegt am mangelhaften Schulunterricht dort:
Bei Denen fängt die Welt-Geschichte
ja mit der Mayflower erst an.
Dass der Bock Grieche (Alexander) ist,
das hat dort der Autor der besseren
Passung wegen wiederum SEINEN Lesern unterschlagen.
(Fälscher unter sich...)

BB


- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."


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