Lieber Johannes,
diese Frage ist für mich eher eine theoretische Frage weil mein Essen auf der Weide rum läuft. Aber seis drum, ich unterstelle einmal ein Ergeignis als Auslöser und denke mir mein Essen weg. Um es etwas schwieriger zu machen als nur Lidl hat geschlossen, an der Tankstelle gibt es keine Pizza und 50% der Studenten sind vom Hungertod bedroht, nehme ich einen Stromausfall.
2 Wochen
Der Kühlschrank wird in den Keller gestellt weil er da ohne Strom genau so kühl bleibt. Ich futter ihn leer. Die Tarnschicht über dem Waschbrettbauch (daaanke!) ist unbeeindruckt. Ich wohne am Ende der zivilisierten Welt und ein voller Kühlschrank ist Pflicht.
2 Monate
Die Tiefkühltruhe wird geräumt. Der Inhalt wird auf dem (Holz-)Herd konserviert vulgo ein geweckt. In den folgenden zwei Monaten werden die Einweckgläser geleert. Die Tarnschicht ist immer noch unbeeindruckt.
2 Jahre
Nun wird es übel. Die Notvorräte sind dran. Rindsgulasch vom Lidl mit Rotkohl vom Aldi. Dazu Kartoffelbrei von REWE. Die mindestens 2 Tonnen Getreide in Co² unter Vakuum verpackt sind auf jeden Fall noch da (in der Regel habe ich diese oder jene weitere Tonne zu Futterzwecken liegen) und bringen locker 6000 Brote mit je einem Pfund. Weizen- und Bohnenkeime ergänzen die gelagerten Grausamkeiten mit Vitaminen. Die Tarnschicht ist nun aber mächtig beeindruckt.
20 Jahre
Ohne eigene Nahrungsmittelproduktion ist nicht nur die Tarnschicht verschwunden sondern der Waschbrettbauch gleich mit. Es macht aber eh keinen Spaß mehr als letzter Homo sapiens sapiens im verwilderten Schwarzwald herum zu turnen...
Ergo:
Vorrat muss nachhaltig sein.
In der Realität sind die gelagerten Dosen und Co dafür da eventuelle Engpässe ab zu puffern. Engpässe wie eine Seuche rafft 90% der Schafsherde hin, der Kartoffelkäfer wächst schneller nach als ich absammeln kann, eine ominöse Ascheschicht macht den Anbau von Feldfrüchten für eine Zeit unmöglich pp..
Und ganz hinterhältig: Die lieben Nachbarn bekommen zum Geburtstag von mir würdevoll eine Dose Lidl Gulasch geschenkt weil das eine gute Bereicherung ihrer Grundnahrung aus Baumrinde darstellt.
Oder die geschäftstüchtige Variante: Ich tausche die Dosen gegen das dann wertlose silbern und gülden glänzende Blech.
Was ich dann damit will? Weiß ich auch nicht so recht. Aber vielleicht kauft sich ein Ururururenkel davon dereinst ein eigenes Raumschiff davon
Johannes, zwei Wochen Vorrat sind meines Ermessens ein Minimum in Zeiten der Kühlschränke und Truhen. Frisch und dauerhaft rolliert (statt Salat dann halt Weißkohl). Der durchschnittliche Haushalt hat Waren im Wert von 5 (Single) - 15 Euro bevorratet. Insofern sehe ich allein deine Frage für einen Kenner der Materie, nun sagen wir mal, eher verwunderlich. Zwei Wochen Vorräte passen in den Kühlschrank und den Keller immer rein.
Aber wie schon so oft geschrieben: Wir haben HEUTE noch Zeit und Möglichleit uns wohnlich so zu verändern, dass wir die Vorräte (fast) gar nicht brauchen sondern nebenher die Verantwortung für unser Essen selbst übernehmen können. Jeder kann seinen Job im Hamsterrad reduzieren und statt dessen steuerfrei Hühner zu halten und ein paar Kartoffeln anbauen lernen.
Kein Vorrat ist nachhaltiger.
Wer heute selbst anbaut brauch morgen nicht bei denen betteln/stehlen die rechtzeitig angefangen haben. Das verlängert die Restlebensdauer ungemein, selbst dann wenn die Krise abgeblasen wird, aufgrund der Bewegung an frischer Luft und der geringer kontaminierten Nahrung.
Bärengruß