Futter (Freie Themen)

Bär, Samstag, 22.03.2014, 19:40 (vor 4329 Tagen) @ traumtaenzerin (4064 Aufrufe)

Hallo Katja,


ja, der Jahrgang 58 war schon ein ganz besonders Guter. Ich weiß.

Tatsächlich sollten wir uns in unserem Alter keine allzu großen Gedanken um uns mehr machen. Mit vielleicht 70 Lenzen dann noch einmal die Welt neu aufbauen muss ich nicht haben. Gerade vorhin haben ein Freund und ich uns ein Metermaß angesehen und die Strecke, die wir darauf zurück gelegt haben.

Wäre da nur nicht diese quälende Neugier ob nun BB oder Stefan B. recht haben... :-D

Friede mit der eigenen Endlichkeit zu schließen ist nicht nur in unserem Alter sicher ein ganz wichtiger Punkt. Ob nun durch die Vorstellung als Englein in den Himmel zu kommen, als Krieger in Walhal zu landen, mit 27 Jungfrauen zu Füßen als Pascha reinkarniert zu werden, ganz romantisch als Fischfutter in den Wellen zu landen oder unter dem Birnbaum zu Dünger zu verrotten ist jedem selbst überlassen. Ob Weltenwende oder nicht, irgendwann landen wir alle in der dunklen Gruft. Was wir beeinflussen können ist, wie wir die Zeit bis dahin verbringen.

Für mich die beste Nachricht der letzten Jahre war dass die EU Saatgutverordnung gekippt wurde. Das hätte mir die Zeit bis zum Versagen der staatlichen Macht sehr erschwert weil ich dann gezwungen gewesen wäre als Dauerrechtsbrecher mein eigenes Saatgut zu nutzen.

Saatgut vermehre ich auch selbst soweit ich es hin bekomme. Parallel kaufe ich die stabilen Sorten aber immer wieder zu und lagere sie ein, sicher ist sicher und die paar Cent an der Kasse mehr machen den Kohl nicht fett. Mittels Keimtest bekommt man ein gutes Gefühl dafür wie lange das Saatgut noch haltbar ist. Erbsen zum Beispiel überraschen mich immer wieder mit ihrer langen Keimfähigkeit, Bohnen sind dagegen nur viel zu kurz lagerfähig.

Tomaten aus der Dose kann ich inzwischen nicht mehr sehen. Seit ich selbst Tomatensoßen einkoche gruselt mich auch die Tube Tomatenmark nur noch an. Derzeit habe ich etwa 50 Tomatenpflanzen vor gezogen für diese Saison. Dabei ist eine alte Sorte aus dem Ostblock die enorm robust ist und Tomaten trägt von denen schon manch eine zuviel für einen Salat ist.

Empfehlen kann ich Mairüben. Anfangs als Notnagel im Herbst als Gründüngung ins Beet gebracht stellten sich diese kleinen Scheißerchen als geschmackliches Hochlicht heraus. Irgendwo zwischen Kohlrabi und Schwarzwurzel angesiedelt vom Geschmack her, mit zerlassener Butter drüber, bin ich schlicht begeistert davon. Goethe, ein Feinschmecker, jubelte dereinst nicht umsonst in höchsten Tönen als er die Variante der Teltover Rübchen probierte.

Kaum jemand kennt diese Rüben. Man kann sie wie Sauerkraut konservieren, wie Möhren einlagern oder einfach auf dem Feld stehen lassen. Ist der Winter warm wachsen die einfach weiter. Und ab Mai gibt es schon wieder frische. Du musst dann keinen Topinambur aus dem gefrorenen Boden brechen.

Überhaupt ist es empfehlenswert die Konservierungs- und Lagertechniken unserer Altvorderen aus zu buddeln und zu üben.

Mir blutet das Herz wenn ich die Altglascontainer sehe. Meine ganze Familie hat Gläser bei mir ab zu liefern. Tendenziell bin ich was Einmachgläser angeht schon fast ein Messi. Im Zweifel wenigstens die Deckel aufheben weil die zum Rosten neigen. Für jemandem mit schmalem Geldbeutel sind solche Gläser in Papier gegen Bruch (Erdbeben) geschützt ein Tauschgut für üble Zeiten das man heute umsonst sammeln kann. Dazu beim Supermarkt Holzkisten zum Lagern der Gläser schnorren und für den Krisenfall hast du ein kleines Wirtschaftsstandbein.

Kannst du die Gläser auch noch schmackhaft füllen, steigt deine Beliebheit bei Nachbarn und Verwandten im Krisenfall ins Unermeßliche.

Ach, du hattest da gar nicht nach gefragt? Ok, ich bremse meinen Schreibschwall....


Bärengruß


Gesamter Strang: