Nicht wirklich (Freie Themen)

Bär, Mittwoch, 02.04.2014, 11:47 (vor 4318 Tagen) @ OffbJohannes (4195 Aufrufe)

Moin,


3 Monate?

Unterstellt die Sehungen stimmen was den August und Russendurchmarsch angeht. Deine Vorräte reichen dann bis November. Und du willst dann ernten??? Mit Glück, entsprechendem Wetter, reichlich gutem Boden, vorhandenem Saatgut und genug Wissen zum Anbau bringst du die Stoppelrübe fertig. So man sie denn kennt. Aber was bitte willst du sonst anbauen? Und im Dezember, Januar....

Ab Mai kannst du es dann wieder versuchen. Versuchen bedeutet versuchen und noch lange nicht ernten. Bis ein normal verzivilisierter Teutone sich mit seiner Hände Arbeit selbst ernähren kann gehen unter gesitteten Bedingungen 3 Jahre ins Land. Und das auch nur wenn das Wetter mitspielt, guter Boden vorhanden ist, Saatgut und die Fähigkeit damit auch was anzufangen da ist und du ganz viele Schwielen an den Händen hast. Ok, das hatten wir eben schon. Liegen da erst mal 30 to Staub in deinem Garten rum wird es dieses oder jenes Jahr mehr werden.

Selbstversorgung aus dem Garten funktioniert. Ich gehe ja bekanntlich davon aus, dass es noch eine recht lange Zeit bis zum Finale Furioso dauert. Aber im Hinblick auf die kommenden Ereignisse solltest du mit Selbstversorgung aus dem Garten vorgestern angefangen haben nicht erst morgen. Dann klappt es vielleicht auch im Finale.

Wir machen das jetzt schon ein paar Jahre und kommen wirklich voran. Aber demnächst muss ich Kartoffeln kaufen, beim Lidl oder Edeka. :kotz:

Kartoffelsaatgut aus eigenen Samen habe ich immer noch nicht hin bekommen. Ich bin also auf Pflanzkartoffeln angewiesen. Heute, immer noch. Gelingt es mir dieses Jahr keimfähiges Saatgut zu gewinnen, sie nächstes Jahr erfolgreich zu keimen und die kleinen Kartöffelchen zu ernten, dann habe ich in zwei Jahren richtig eigene nachhaltige Kartoffeln. Ansonsten bin ich wieder auf Raiffeisen und Dreschflegel angewiesen. (Rechtlicher Hinweis: Das gilt nur für Sorten die nicht durch Patente kastriert sind also alte freie Sorten)

Die Vorstellungen sich dann dereinst selbst zu versorgen sind ja recht romantisch aber fallen für mich in den weitaus meisten Fällen unter die Kategorie "Wie gestalte ich meinen Suzid möglichst qualvoll".

Bevor du Vorstellungen entwickelst dich selbst zu versorgen Johannes, fang bitte erst einmal an den Kampf mit Unkraut und Wühlmaus zu führen. Es ist Frühjahr. Schrebergärten gibt es fast überall und je nach Wohnort kannst du vielleicht auch von einem Nachbarn 20 m² Land bekommen um zu üben. Da langt sogar das Taschengeld eines Schülers oder die H IV Gaben aus.

Tun nicht nur denken.

Das soll deine Bemühungen dass du dir Gedanken machst um keinen Deut schmälern. Allein die Tatsache dass du etwas tust mit Vorräten hebt dich von der breiten Masse ab. Jetzt aber konsequent weiter gehen auf dem richtigen Weg.

Es ist bei Weitem nicht jeder geeignet im Dreck zu wühlen, nicht jeder hat den grünen Daumen. Wir landen nach den Sehungen im Jahr 1800. Damals lebten weit über 90% der Leute von Ackerbau und Viehzucht. Heute gibt es 4% die in der Lage sind mit 150 PS Schlepper, Unmengen Düngemittel aus Erdöl, Hybriden, Terminatorsaatgut und elektrischem Strom Nahrung zu erzeugen. Und von meinen professionellen Kollegen ist fast keiner in der Lage kurzfristig auf Selbstversorgung mit Muskelkraft um zu steigen und bloß sich selber zu ernähren geschweige denn Überschuß zu produzieren. Selbst wenn sie wollten fehlte das passende Saatgut.

Gerade mal die alten Landwirte, die die jetzt in Rente gehen, haben noch das Wissen um das überhaupt zu können. Die ziehen den Hut vor dem was wir hier anstellen auch wenn es oft genug tapsig ist was wir tun. Wir fahren zweigleisig. Das Wissen der Alteingesessenen nutzen wir, setzen es um und probieren parallel mit Terra Preta, Tiefbeet, Mulch und altem Saatgut und Sorten ob es nicht noch einen Tick nachhaltiger geht.

Fazit: Dein Ansatz ist gut neben den Vorräten selbst zu erzeugen. Aber du solltest den Weg weiter gehen und nicht auf halber Strecke stehen bleiben.

Bärengruß


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