Hallo Redemption,
zur Moral nur soviel:
Sicherlich ist Moral ein Programm, das, wenn es nicht auf objektive Wahrheit gegründet werden kann, weil wir deren Erkenntnis nicht fähig sind oder sie gar nicht existent wäre, ein Gedankenkonstrukt sein muss; was Du mithin als künstlich bezeichnest. Eine Konvention.
Wir bedürfen jedoch einer Definition von Moral und sei sie auch bloß von menschlicher Seite definiert, wenn wir ein menschliches Dasein leben wollen, das in gewissen Grenzen abläuft. Moralisches Vakuum läßt Extremformen wie Kannibalismus, Pädophilie und alle nur erdenklichen Abartigkeiten möglich erscheinen. Darüberhinaus wäre diese Extremform der Moral, nämlich ein Zustand von ausgesprochener Morallosigkeit, wiederum nur eine bewußt oder unbewußt gewählte Form der Moral.
Für den Menschenfresser der Südsee vor nicht einmal 150 Jahren gab es keinen Zweifel, dass sein Verhalten angemessen und richtig gewesen wäre. Er wurde so sozialisiert. Man fände sogar naheliegende und sinnvolle Erwägungen, weshalb die im Krieg mit dem Nachbarstamm frisch Getöteten oder Gefangenen nicht sinnlos im Boden verscharrt oder verbrannt werden, sondern wenigstens energetisch den Siegern noch dienlich sein sollten.
Was für ein menschliches Zusammenleben möchte man aber erschaffen?
Für die Auswahl einer Moral sollte diese Kernfrage auschlaggebend sein.
Eine Moral muss erwählt werden, damit nicht jedes beliebige Verhalten in einer Menschengruppe Platz greifen können soll.
Welche Vorteile hat die Auswahl einer bestimmten Form der Moral (am wirkungsvollsten eingebettet in religiöse Zusammenhänge)?
Was wir essen sollten, ist eine zutiefst moralische Frage und nicht zufällig integraler Bestandteil jedes Systems menschlichen Zusammenlebens.
Und ich maße mir nicht an, darauf eine abschließende Antwort geben zu können.
Ich ringe in dieser Hinsicht seit Jahren mit mir.
Gruss jacob