rational - irrational (Schauungen & Prophezeiungen)

detlef, Sonntag, 01.04.2012, 14:45 (vor 5131 Tagen) @ Morpheus (6425 Aufrufe)

moin morpheus,

wir sind uns wahrscheinlich in wesentlich mehr punkten einig, als du dir vorstellen kannst.

im normalen leben bin ich vom typ her ein ganz stinknormaler bauer, vorsichtig und pragmatisch. (sonst haette ich wohl auch nie die ganze kohle fuer solch ein projekt aufbringen koennen)

sind schauungen rational? in meinen augen nicht.
so sehr ich auch versuche, diesen ganzen themenkomplex vom logischen her anzugehen, es bleiben immer reste, die sich dem entziehen.
es bleiben immer (zu grosse) bestandteile, die die ratio nur als spinnerei bezeichnen kann.

andererseits, sind schauungen real? nach meinen persoenlichen erfahrungen - ja.
(sowohl als phaenomen an sich, als auch in dem sinne, dass sie spaeter zutreffende information vorab liefern.)

als realist bleibt mir daher nur, die schauungen (meine schauungen) so pragmatisch wie moeglich in mein leben ein zu beziehen.
(sie abzulehnen gestattet mir mein hirn nicht. schliesslich "funktionieren" sie ja)

auch sie einfach ins "symbolische" umzudeuten, waere nach meinen bisherigen erfahrungen mit eingetroffenen schauungen, eine realitaetsverweigerung.

schauungen nutzen funktioniert aehnlich wie die beobachtung der natur.
ich weiss nicht wirklich, warum holz, das bei abnehmendem mond geschlagen wird, haltbarer ist. aber die erfahrung beweist, dass es so ist.
ich weiss nicht, warum ameisen tage vor einem wetterumschwung ihr verhalten aendern. aber ich weiss, dass sie weit vor dem barometer wetterumstuerze anzeigen.
usw., usw...

solche erfahrungswerte haben mir als bauer ne menge fehlschlaege erspart.
und mit schauungen laeuft das (fuer mich) genau so.

so, und dann auf einmal bekam ich statt rein persoenlichen, in den auswirkungen einigermassen moderaten schauungen, eine ganze schauungsserie.
was waren meine optionen? vergessen? - nee, die waren zu hartnaeckig.
die zu nem roman verarbeiten? abgesehen von meiner rechtschreibung waer das vielleicht kurz- und mittelfristig die beste option gewesen.
wenn nicht - hier ist es wieder irrational - ich mir bewusst gewesen waere, dass diese inhalte reale zukunftsinfo sind, und keine phantasieprodukte.

also hab ich dies pathetische projekt, einen "U-Boot-Segler" in der wueste zu bauen, einfach erstmal planungsmaessig durchgespielt.
so lange, wie es moeglich war, hab ich meine diesbezueglichen realen handlungen so gehalten, dass der schaden gegebenenfalls moeglichst gering bleiben sollte.
(vorratshaltung mit rotation laesst sich mit einem verkaufsgeschaeft verlustfrei durchfuehren; ausruestung fuer eine primitive (land-)wirtschaft laesst sich auch dann nutzen, wenn ein anderes katastrophenszenario eintritt, oder alles wie gewohnt weitergeht, etc)

irgendwann kam dann der punkt, wo ich sagen konnte/musste, fuer ein normales weiterleben ist ausreichend vorgesorgt (ein geschaeft, von dem wir leben koennen; pachtobjekte, die geld bringen; halbwegs krisensichere ruecklagen fuer die komplette ausbildung meiner toechter; etc).
da stand also die entscheidung an, das "ueberfluessige" vermoegen entweder in meine spinnerei zu verpulvern, zum goldhamster zu werden, oder mir noch ein paar herkoemmliche hobbies zuzulegen.

natuerlich haette ich z.b. mir auch die groesste gartenbahn der welt aufbauen koennen, oder so.
aber, wie gesagt, die schauungen waren zu hartnaeckig, um sie zu ignorieren.
auch wird, meiner meinung nach, der optische reiz von gold von den meisten ueberschaetzt. es ist zwar bestaendiger als papier, aber letztendlich erst dann von nutzen, wenn es wieder ausgegeben wird.

ich bin jetzt 60. fuer die meinen ist, nach normalen masstaeben, anstaendig vorgesorgt.
ich koennte mich also zuruecklehnen, und ein langweiliges ruhestaendlerleben fuehren.
statt dessen lerne ich staendig neues, hab eine herausforderung nach der anderen zu bewaeltigen, und fuehl mich praechtig.

warum also haette ich "vernuenftig" bleiben sollen?

gruss,detlef


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