Jeder muss seine Einschätzungen gewinnen (Schauungen & Prophezeiungen)

Morpheus, Montag, 02.04.2012, 14:36 (vor 5049 Tagen) @ detlef (6113 Aufrufe)

Hallo Detlef,

danke für deine beiden Antworten.

Zu den Schauungen gebe ich dir prinzipiell Recht und auch deine Haltung und die daraus folgenden Handlungen kann ich nachvollziehen. Ich wollte für mich nur ebenfalls Klarheit für meine Einschätzung deiner Schauungen bekommen. Mir bereitet so eine große Flut nämlich ein "paar, kleine Schwierigkeiten".

etwas zeit? jahre hab ich darauf verwendet, anhand von bildern und plaenen nachzuvollziehen, - wie und warum so - die alten ihre segler so gebaut haben, wie sie nun einmal gebaut wurden.
neuere literatur war im allgemeinen weniger hilfreich. die beschraenkt sich praktisch nur auf maritime sportgeraete, hat aber wenig bezug zu transport seglern.
(sachen wie den schwerpunkt oder war's der lateralpunkt(?) durch umpositionieren der crew zu verschieben ist da wenig hilfreich)

Das hattest du nicht erwähnt. Dieser Ansatz ist natürlich richtig, allerdings hat eine so runde Rumpfform massive Auswirkungen auf das Fahrverhalten.

Wenn Du das jetzt aufgrund von meinem Hinweis noch einmal nachholst, und ggf. korrigierst, dann allerdings, könnten wir gemeinsam deine Schauung noch retten, denn dann würde dein Boot ja vielleicht besser funktionieren.

Versteh das bitte nicht falsch. Es geht einfach darum, ob/dass die Schauung eintritt/eintreten kann. Wenn dein Schiff nicht fährt, kann sie so nicht (vollumfänglich) eintreffen. Wenn du jetzt noch was korrigierst, kann sie evtl. doch vollständig eintreffen. Das wäre so wie bei dem Film "Zurück in die Zukunft".

also rein von der machbarkeit her, kann ich zum jetzigen zeitpunkt weder die position der masten, noch die form des bootes mehr aendern. auch die halterung der seitenschwerter umzusetzen waere eine zu grosse aenderung.
was ich noch aendern koennte, waere die hoehe der masten und die groesse der segel.

alle anderen dinge, wie groesse des ruders aus abdeckplatten, stellwinkel der schwerter, trimm der ladung, hoehenstellwinkel des auslegers etc. muss bei meinen mangelnden kenntnissen sowieso auf see mit versuch und irrtum erfolgen.

Wichtig wäre meiner Meinung nach ein Kiel und dessen Position. Die muss zum Segelschwerpunkt passen. Ohne Kiel nur mit Schwertern würde ich mich ohne umfangreiche Mannöver-Erfahrung keinesfalls über den Atlantik trauen. Ohne so ein stabilisierendes Kiel und ohne Erfahrung wird es sehr schwer ein Kentern zu vermeiden. Die Idee mit Auslegern zu arbeiten, halte ich bei der tiefen Lage im Wasser und dem sehr runden Bootskörper im Zusammenspiel mit den sehr großen Wellen für ziemlich kompliziert. Zumal das Boot nur langsam ist und damit ein Aussteuern der Wellen schwer wird.
Aber was rede bzw. schreibe ich. Einmischen wollte und will ich mich nicht.

hmmm - dann wuerde mein boot "vielleicht besser funktionieren". besser als was?
weder du, noch ich, wissen real, ob und wie es funktionieren wird.
nachdem du immer wieder betonst, dass boote probe gefahren werden muessen, um optimiert zu werden, eine probefahrt aber schlicht unmoeglich ist, also besser als was?
glaubst du wirklich, dass wir durch den austausch einiger postings mehr erreichen koennen, als ich bisher durch jahrelange planung und viele beratung durch fachleute erreichen konnte?

Nein, keinesfalls. Das war so gemeint, dass du jetzt vielleicht aus eigenem Antrieb noch etwas an deiner Ausführung / Planung änderst. Ich wollte dir keinesfalls Ratschläge erteilen oder mich einmischen. (s.o.)

(Stichworte: Lateralschwerpunkt, Segelschwerpunkt.)


meines angelernten wissens hatten die meisten einmaster den mast etwa 3 fuenftel bootslaenge vor dem heck. bei den zweimastern war das etwas weniger praezise einheitlich.
aber bei sehr vielen waren die masten auf 1/3 und 2/3 bootslaenge vor dem heck.
das hab ich gewaehlt. (die art der besegelung entspricht mehr oder weniger einer schonerbrigg)
somit hab ich achtern etwas mehr segelflaeche, als vorne.
zusammen mit den schwertern, die 1 meter vor mitschiffs ihren drehpunkt haben, und deren verschiedene stellung neben der abdrift auch das gieren beeinflusst, denke ich, dass es moeglich sein sollte, das schiff leicht nach luv gieren zu lassen.

was ich fuer wichtig halte, ist die tatsache, dass dieser segler "im" und nicht "auf" dem wasser liegt. zusammen mit den recht kurzen masten (nur 8m) sollte das dafuer sorgen, dass die seitlichen kraefte des windes eine nicht zu grosse rolle spielen (der ausleger soll da auch noch helfen)
also stabilitaet zu lasten von geschwindigkeit.

Allerdings hat noch kein Boot, was ich gefahren habe, jemals auf Anhieb beim ersten Mal funktioniert. Es war immer etwas wesentliches falsch konstruiert oder an Land vergessen worden. Was niemals ein Problem war, weil man nach einer kurzen Runde einfach wieder den Hafen angesteuert hat. Da dies bei dir unmöglich ist und dir noch dazu die Erfahrung fehlt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert, trotzdem sehr gering.


was willst du mir damit sagen? dass ich, wenn eine welle kommt, nicht ins boot steigen soll, weil es nicht erprobt ist?
auf jeden fall ist die chance, dass das boot einigermassen schwimmt und funktioniert, doch etwas groesser, als die chance schwimmend den naechsten kontinent zu erreichen.

Ja, es könnte schwimmen, aber mehr als ein Jahr Atlantik ist schon heftig.

Das Problem sind stets ein oder zwei Kleinigkeiten, die wegen ihrer Unscheinbarkeit zunächst nicht auffallen, die aber eine lebenswichtige Spezial-Funktionalität in einer bestimmten Situation blockieren. Ohne Praxis lassen sich diese Fehler nicht finden. Deshalb gibt es selbst bei alten, sehr erfahrenen Seefahrern mit neuen Booten immer Probefahrten.


fein, da ich nicht das geld habe, zwei identische boote identisch ausgeruestet zu bauen, eines dort, wo ich es probieren koennte, und eines dort, wo ich annehme, es zu brauchen, werde ich mit der existenz solcher fehler leben oder sterben muessen.

und meine schau "noch retten" - kannst weder du, noch ich, noch wir beide. entweder ist sie zutreffend, oder nicht. aber ich sehe nicht, wie man sie nachtraeglich noch "zutreffend" oder "unzutreffend" machen koennte. man kann sie hoechstens zerreden. aber das aendert nichts an der schau, sondern hoechstens an der einstellung zu ihr.

Wie gesagt, das ist ein Missverständnis.
Also lieber Detlef, ich wünsche dir ganz ehrlich viel Erfolg mit dem Bootsbau und ich wünsche uns beiden, dass die Flut einfach ausbleibt und wir als Bauern unser Land weiter bewirtschaften können. Da könnte ich ggf. viel von dir lernen. Meine Bootskenntnisse liegen leider lange, lange zurück.

Grüße Morpheus


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