@Esoarenna (Schauungen & Prophezeiungen)

Ulrich ⌂, München-Pasing, Donnerstag, 26.10.2023, 00:53 (vor 210 Tagen) @ esorarenna@gmail.com (1156 Aufrufe)

Hallo Esoarenna,

Zwischenfrage: wenn "Akasha-Chronik" also ein erst im 19./20. Jhdt.von gewissen Personen aufgesetztes Konzept sei, wie verhält es sich bzgl. "morphogenetischer Felder" o.vglb., bzw. woraus beziehen zB seriöse vedische Astrologen (je nachdem auch im Gewand von Palmblatt-Leser) / Analoge ihre Informationen?

das sind für mich zwei Paar Stiefel:

Indische, also "vedische" Astrologie ist mir fremd. Die Gründe kann Dieter Koch besser zusammenfassen als ich: https://www.astro.com/astrologie/in_vedic2_g.htm

Soweit ich weiß, "funktionieren" Palmblatt-Lesungen ähnlich wie die westliche Fragehoroskopie oder Stundenastrologie, mit dem Unterschied, dass man in letzterer keine Bibliothek benötigt, weil Aussagen sich von Regeln ableiten, kombinieren, differenzieren lassen.

Die Vorsitzende der "British Association for Vedic Astrology", Komilla Sutton ( https://www.astro.com/astrowiki/de/Komilla_Sutton ) beschreibt das Palmblatt-Deutungs-System m.E. verständlich, auch einige dessen Beschränkungen, obwohl ich Abstriche beim üblichen indischen Verbrämungs-Brimborium der Herkunfts-Beschreibung des Systems mache:

"The Nadi readers are not astrologers but decoders of ancient scriptures. All they are doing is deciphering the data. His skills are limited to reading what is written. If the nadi leafs are incomplete or he has not found the right nadi or the time is not correct for you, then this information cannot be right. In fact the time has to be right for the individual to get the right nadi."
https://komilla.com/lib-nadi-granthas.html

Ich würde so eine Dienstleistung jedoch keinesfalls für mich in Anspruch nehmen, weil ich keinen Sinn darin sehe, nur etwas "decodiert" zu bekommen, aber keine Antworten auf Fragen erhalten zu können, da der Palmblatt-Decodierer ja üblicherweise kein Astrologe ist. Nachvollziehbar, dass man aus jedem Kulturkreis, der einer Buchreligion huldigt, kommerzielle Gruppenreisen organisieren kann. Geradezu grotesk erscheint mir jedoch das verbreitete Missverständnis, dass nicht wenige der Konsumenten meinen, ihre jeweilige achso einzigartige Biographie sei seit vedischen Zeiten in diesen Bibliotheken festgehalten und würde ihnen nun offenbart. Das Gegenteil ist der Fall: Das Palmblatt-System kategorisiert, kollektiviert, schablonisiert, reduziert Individuen auf eine Schnittmenge von die jeweilige Schubladen-Zuordnung betreffende Aussagen. Wer das nicht zu Ende denkt oder nicht versteht, der ist auf dem Holzweg und Opfer seiner Eitelkeit und/oder Hybris.

Das westliche System der Stundenastrologie, halte ich für weit überlegen, es krankt allerdings daran, dass zu viele ihrer Vertreter Deutungs-Regeln in Richtung Fatalismus interpretieren. Eine Ausnahme bildet "Horary Astrology" von Marc Edmund Jones. Jones war zwar zeitweilig sowohl Theosoph als auch Presbyterianischer Priester, aber beides scheint ihm nicht geschadet zu haben ;-)
https://www.astro.com/astrowiki/de/Marc_Edmund_Jones

Was das Palmblatt-System mit Sheldrakes Konzept eines "morphischen Feldes" zu tun haben sollte, wie Du anzudeuten scheinst, kann ich nicht nachvollziehen.

Rupert Sheldrake ist seit mindestens den 80er Jahren Mitglied der "Thesophical Society" ( http://www.katinkahesselink.net/his/influence-theosophy.html ), es sollte daher nicht verwundern, dass sein "morphogenetisches Feld" aus der Ferne wie eine abgespeckte Version von Blavatskys "Akasha-Chronik" aussieht.
Mir ist jedoch nicht bekannt, dass sich Sheldrake jemals zu Blavatskys Blockuniversum-Akasha-Chronik verstiegen hätte, in der alles verzeichnet sei "von allem was war, ist oder je sein wird".
Ich halte Sheldrakes Konzept des "morphogenetischen Feldes", inzwischen umbenannt in "morphisches Feld" für gelungen. Aber weder neu noch originell. Immerhin weist Sheldrake selbst auf C.G.Jung und dessen Konzept eines "kollektiven Unbewussten" hin, sowie auf den Umstand, dass er den Verzicht auf "mechanistische Biologie" in seinem Versuch der Erklärung des "morphischen Feldes" für eine Weiterentwicklung von Jungs Modell ansieht. Sehe ich auch so.

Dass auf solche, auch Zukunftsinformationen seitens entsprechend Fähiger - gilt auch quer durch alle Kulturkreise Zugriff besteht, daran herrscht für mich grundsätzlich kein Zweifel (mehr).

äh, wie? Du scheinst hier einen Sprung zu machen von Palmblatt-Lesungen zu Jyotish (wie oben im Link zu Dieter Kochs Aufsatz beschrieben). Das sollte man nicht verwechseln.
Klar kann man mit Jyotish, dem indischen System der Astrologie, Aussagen über die Zukunft machen, abhängig vom Kenntnisstand des jeweiligen Astrologen (die Nieten stellen auch hier die Mehrheit). Aber ebenso wie in Bezug zur "Dienstleistung" einer Palmblatt-Lesung würde ich auch im Hinblick auf eine astrologische Prognose nach dem Jyotish-System die westliche Astrologie bevorzugen.

Gern wüsste man im erweiterten Zusammenhang auch, auf welchen Kanälen große Künstler, Baumeister, oder ganz normale Leute (mein Vater Jg. 1930, formale Bildung über 8. Klasse Volksschule hinaus verwehrt, gleichwohl Universalkönner, war m.E. so jemand) ihre, ich nenne es mal Energie-/Wissensströme bezogen/beziehen.

tja, das wüsste man gerne. Ich auch. Aus dem "morphischen Feld" beziehen die das, nehme ich mal an. ;-)
Habe den Verdacht, dass die biologische Entsprechung des Zugangs mit dem "Corpus callosum" zu tun hat. zumindest legte das Julian Jaynes in "Der Ursprung des Bewusstseins durch den Zusammenbruch der bikameralen Psyche" nahe ( https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Jaynes ) sowie zahllose Fälle, in denen Menschen, bei denen diese Hirnregion durch Unfall oder Operation betroffen war, überraschenderweise über Fähigkeiten (nie gelernte Fremdsprachen, Dichten, Malen, Musizieren, Kunsthandwerk) verfügten, die ihnen vorher absolut fremd waren. Meines Wissens gibt es auch einen Hinweis darauf aus einer protokollierten Unterhaltung von Thomas Campbell, dem Entwickler von "HemySync" am Monroe-Institut, mit einem nicht körperlich anwesenden "Thor".

Gruß
Ulrich


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