Weisheit alter Kulturen (Freie Themen)

Nullmark2 @, Donnerstag, 07.03.2024, 01:28 (vor 37 Tagen) @ rauhnacht (476 Aufrufe)

Hallo Rauhnacht,

hm, ich weiß nicht, ob ich gerade die nötige Ernsthaftigkeit aufbringe für eine halbwegs tragfähige Erklärung.
Aber wenn eine Aufgabe kompliziert erscheint, ist die Lösung gewöhnlich eher banal, als komplex.
Vielleicht käme man einer Lösung auf die Spur, wenn man sich ihr aus philosophisch/logischer Sicht nähert...

Was kennzeichnet Mythen?
Sie beschreiben vorstellbare Ereignisse, die irgendwann in der Vergangenheit von Bedeutung gewesen sein müssen, weil sie sonst nicht zum Mythos geworden wären und bis heute Spuren hinterlassen haben.
Wenn es dabei um singuläre Ereignisse ging, sind diese zunächst in epischer Breite überliefert. Quelle und Ausgestaltung bleiben im Laufe der Zeit zunehmend „unscharf“ im kollektiven Gedächtnis erhalten, unterliegen jedenfalls aktueller/moderner Denkweise, während die tatsächlichen Zusammenhänge kaum rekonstruierbar sind.
Mit zunehmendem zeitlichem Abstand reduziert sich das Gesamtbild auf immer weniger präzise zuzuordnende Fragmente und Konturen, um schließlich dem Vergessen anheim zu fallen. Beispiel: Untergang Atlantis. Beispiel: Entdeckung Amerikas.
Dabei überdauern die Legenden die Realität, auf der sie sich gründeten.

Warum ist das so?
Mit Mythen infolge singulärer Ereignisse sollte also zunächst eine Zyklizität nicht verbunden sein. Das ist aber nur in Grenzen gültig. Für jedes Ereignis besteht ein Zeitbezug, denn auch ein singuläres Ereignis hat einen Anfang und ein Ende. Somit gibt sich auch ein „Davor“ und ein „Danach“. Eine Zyklizität ergibt sich aber nur, wenn „Danach“ (=nach dem Ende) gleich „Davor“ (= vor dem Anfang) ist. Der Abschnitt vor davor und nach danach sind jedoch nicht identisch, weil „Danach“ zweifellos älter – ergo nicht dasselbe ist. Und ein davor gilt nur, wenn das nächste Ereignis tatsächlich in Sicht ist.

Tja, was nun?
Was passiert eigentlich, wenn wir „Danach“ an der gleichen Stelle in eine höhere Ebene bringen? DAS sieht doch sehr nach einer Doppelhelix aus…
Daraus folgt die Notwendigkeit, dass für die Unterscheidung nach der Häufigkeit der Wiederkehr EINES Ereignisses zunächst mindesten drei Ereignisse erforderlich sind, um überhaupt eine Zyklizität zu erhalten und diese beweisen zu können.
Beispiel: Nach der Flut(1) kommt die Ebbe(2) und danach wieder die Flut(3). Oder: Neumond(1)-Halbmond rechts(2)-Vollmond(3)-Halbmond links(4)-Neumond(5) usw. Es geht also zuerst immer um die zyklische Abfolge der Ereignisse. Ist für den Beobachter die Zyklizität noch vorhanden, wenn Flut(3) und Neumond(5) nicht eintreten?

Um eine Korrelation der Ereignisse festzustellen, ist eine Zeitachse hilfreich. Im vorliegenden Beispiel kommt man dann durch bloße Beobachtung ganz schnell dahinter, dass die Gezeitenkräfte hochwahrscheinlich von der Erde-Mond-Beziehung verursacht werden. Mit länger werdenden Beobachtungszeitraum offenbaren sich jedoch Fehler, hier durch den Einfluss der Sonne.
Ist erst einmal ein Vergleichsmaßstab festgelegt lassen sich locker auch zu anderen Beobachtungen Korrelationen finden, die letztlich zu der Erkenntnis führen, das sämtliche Vorgänge im Kosmos zyklisch sind und die Korrelationen nur aufgespürt werden müssen. Dafür werden weder Messgeräte noch Rechnerkapazitäten benötigt. Alleine geeignete Beobachtungsinstrumente sind ausreichend.
Dass die Ergebnisse wegen möglicherweise langer bis sehr langer Zyklen irgendwie dokumentiert werden müssen und sich dafür Beton oder Felsgestein besser eignet als Papyrus, liegt auf der Hand. Soweit zur Weisheit alter Kulturen.
Lassen sich diese Zyklen jedoch mangels wiederkehrender Ereignisse (noch) nicht beobachten, ist durchausvorstellbar, dass schon in Erwartung eben dieser bestimmte Bilder ins (kollektive) Bewusstsein projiziert werden, die sich beim dauerhaften Ausbleiben zum Mythos verklären können.
Mehr fällt mir dazu nicht ein und ich kann mich irren. Heftig.

Gruß 0, M


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