zum nature artikel (Freie Themen)

detlef, Sonntag, 10.03.2024, 03:15 (vor 103 Tagen) @ Ulrich (1099 Aufrufe)

moin,
.

statt karten zu spielen und zum 4711ten mal mich drueber wundern, dass es menschen gibt, die beim spiel auch dann betruegen, wenn's nicht um geld geht, hab ich mich mal dran gemacht, diesen beitrag zu komponieren, bzw zu kompostieren.

waehrend mich betrugsversuche beim spiel immer wieder wundern, wundert mich etwas anderes nicht:
die haeufig vorkommenden Paralipomena (ein herrliches wort!) in wissenschaftlichen arbeiten.
(fuer die anderen, nicht altsprachlich gebildeten leser - Paralipomena sind Auslassungen)
sowohl in wissenschaftlichen schriften, deren meinung mir simpathisch sind, als auch in solchen, die nicht zu meinen ansichten passen.
(bei letzteren stoeren sie mich natuerlich vieeel mehr!)
und genau auf solche unstimmigkeiten, stolperschritte und auslassungen hab ich diesen artikel mal abgeklopft:
(nach einem heroischen kampf mit dem wissenschaftseigenen AküFi)

https://www.nature.com/articles/s41586-022-04873-0

warum? weil die deutsche ueberschrift, die sich auf diesen artikel beruft, mir falsch bis gelogen (fuer die juengeren: Fake) vorkam. sie lautet:

Tropische Gletscher folgten dem Rhythmus der Ausdehnung des Inlandeises auf der Nordhalbkugel

grundsaetzlich waere es wohl schoener gewesen, wenn man peruanische sedimentbohrungen mit groenlaendischen sedimentbohrungen, oder peruanische eiskerne mit groenlaendischen eiskernen verglichen haette, aber ich nehme mal wohlwollend an, dass die gewaehlte art des vergleiches an einem mangel von vergleichbaren rohdaten gelegen hat.

die fett markierten teile in den folgenden ausschnitten sind von mir hervorgehoben.

because about 80% of global ice volume change over glacial–interglacial cycles occurred in the middle to high latitudes of the Northern Hemisphere (NH)4,5, the marine δ18O record tells us little about the timing and extent of glaciation in the Southern Hemisphere (SH) and in all tropical mountain ranges. Radiometric dating of moraines in the SH6,7 confirms that the local last glacial maximum occurred roughly at the same time as the last peak of global ice sheet volume (marine isotope stage 2; MIS 2). However, moraine records are inherently discontinuous, with younger glacial advances commonly obliterating evidence of older ice positions, making it challenging to make interregional comparisons of the timing of ice build-up and decay over several ice-age cycles using moraine chronologies alone.

hier werden wir informiert, dass der grossteil der eismengen aenderungen auf der nordhemisphaere vorgekommen seien.
und dass die Moränen in der suedhalbkugel ungefaehr zur selben zeit gebildet wurden, als die spitze der globalen vereisung war.
mit einem hinweis, dass es gruende gibt, warum moraenendatierung nur beschraenkt moeglich ist.

so weit, so gut.

During much of MIS 7–11, tropical Andean glacier extents were enhanced relative to global ice volume, and this enhancement may have been related to increased precipitation coupled with reductions in the concentration of atmospheric CH4 (ref. 11). Millennial-scale perturbations in Andean glacier extent during the last glacial cycle were similar in timing to both regional cave records of precipitation and to temperature oscillations recorded in Greenland ice cores1

hier wird eingeraeumt, dass ueber den zeitraum MIS 7–11, (nach meinem verstaendnis eine zwischeneiszeit) die peruanischen eismengen groesser waren, relativ zur "globalen eismenge". (also - siehe oben - zur vorwiegend noerdlichen eismenge)
als grund fuer diese diskrepanz wird vermutet (may have been), sie koenne durch hoehere niederschlaege verursacht worden sein.
darunter werden wir informiert, die stoerungen beim andinen eisausmaß seien aehnlich (!) in der zeiteinteilung wie die regenmengen in nahen hoehlen und wie in groenlaendischen eiskernen.

As the age model is not orbitally tuned, the Lake Junín record enables an independent comparison of the pacing of tropical glaciation with that of LR04 (ref. 3), which is a proxy for global ice volume and benthic ocean temperature

da das altersmodell nicht orbital eingestellt ist, erlauben die lake Junin ergebnisse einen unabhaengigen vergleich der geschwindigkeit der tropischen vergletscherung mit LR04, ein stellvertreter fuer das globale eisvolumen.

The Lake Junín GI record over the past 677 ka shows a strong similarity to LR04 (ref. 3). Seven glacial–interglacial cycles are evident in the GI and, within the uncertainty of the age model, they mimic changes in LR04 and in the δD of Antarctic ice, a proxy for high-latitude SH air temperature

der lake Junin GI-bericht ueber die letzten 677.000 jahre zeigt eine starke aehnlichkeit mit LR04, (stellvertreter fuer das globale eisvolumen)
sieben eiszeit-zwischeneiszeit zyklen sind im GI bericht ersichtlich, und innerhalb der unsicherheit des altersmodells ahmen sie wechsel in LR04 und in der δD des Antarktischen eises(annaeherung fuer die lufttemperatur in hohen suedlichen breiten) nach.

Comparison of the relative amplitude of the z-score Junín GI and LR04 records on the EPICA δD resolved chronology shows clear similarities and differences

vergleich zeigt auf der beschlossenen zeiteinteilung klare aehnlichkeiten und unterschiede.

um das ganze nicht ausufern zu lassen, erspar ich dem leser ueber die haelfte der gefundenen klopse.
(kann bei bedarf nachgereicht werden)
hier nur noch zwei kurze:

Given the orders-of-magnitude difference in response times between alpine glaciers and NH ice sheets,

Assuming that GHGs were also responsible for...

aber das schoenste hab ich mir fuer den schluss aufgehoben:

To compare the relative extent of tropical glacial cycles and global ice volume over the past 700 ka, we synchronized the Junín GI (Fig. 3b) and Antarctic (EPICA) δD (ref. 18) records...

um das relative ausmaß tropischer eiszeit zyklen mit dem globalen eisvolumen waehrend der letzten 700tausend jahre zu vergleichen, haben wir den Junín GI und die Antarctischen (EPICA) δD berichte aufeinander abgestimmt.

Synchronizing the main features of the Junín GI record with EPICA δD (Fig. 4a) reduces the lag between the Junín GI and EPICA δD from −18,750 years to +500 years

durch die aufeinander abstimmung der hauptmerkmale des Junín GI record mit EPICA δD reduziert sich die zeitdifferenz von -18.750 jahren auf +500 jahre.

in dem bild von R. McNeish unten, in der linken spalte, kann man sehen, dass die hier oben genannte "angleichung" in der groessenordnung eines ganzen eiszeit-zwischeneiszeit zyklus liegt.

[image]

die deutsche nachricht:
"Tropische Gletscher folgten dem Rhythmus der Ausdehnung des Inlandeises auf der Nordhalbkugel"
waere akzeptabel gewesen, wenn die da noch ein "vielleicht" oder "moeglicherweise" reingedrueckt haetten. selbst ein "wahrscheinlich" koennte man noch als journalistische kreativitaet durchgehen lassen.

was den originalbericht angeht, die haetten, bei verwendung der selben rohdaten, aber anderen "may-be" ergaenzungen auch das gegenteil ihrer aussage erfolgreich ausdruecken koennen.
aber, nu ja, forschung ist teuer.
wenn ich frueher versuchte, taschengeld loszueisen, bekamen meine eltern auch nur das zu hoeren, was sie hoeren wollten.

tja, um einen gewissen herrn Habück zu zitieren: die haben nicht gelogen, sondern bloss nicht die wahrheit gesagt.

gruss,d


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