@Detlef: Paralipomena (Freie Themen)

Ulrich ⌂, München-Pasing, Freitag, 08.03.2024, 10:40 (vor 36 Tagen) @ detlef (496 Aufrufe)

Hallo Detlef,

du hast recht, dass ich nicht erfasse, dass eine verarbeitungsmethode, die erst durch hochleistungsrechner(grafikkarten) ermoeglicht werden soll, den rechenwert dadurch verlaengert, dass sie jeden einzelnen informationsfetzen gegen vorgegebene parameter prueft, um sie gezielt weiter zu reichen, dann auf einmal ohne rechnenden menschen/priester, und ohne taschenrechner funktionieren soll.

jetzt wirds mir zu blöd, ich tausche mich mit dir über solche Sachverhalte nicht mehr aus:
"...den "springenden Punkt", wie ein LSTM-Netz im Unterschied zu anderen neuronalen Netzen Daten verarbeitet ..."
"Wie" !, es geht um den Unterschied im Gegensatz zu anderen rekurrenten Netzen. "Wie" bedeutet "Art und Weise", hat was mit der Qualität und nichts mit Quantität und auch nichts mit Geschwindigkeit zu tun.

Ich behaupte ja auch nicht, du wärest blöd, nur weil du mental gemütlicher unterwegs bist, oder wie soll ich das jetzt nennen. "Schritt für Schritt" nennst du es.

Was Du mit dem Begriff "Eiszeit" verbindest, was du dir darunter vorstellst, weiß ich nicht, aber:

"Nach verbreiteter Ansicht war die Welt im Pleistozän überall von einer
dicken Eisschicht überzogen. Bei "Eiszeitalter" denkt man sofort an
kilometerhohe Eisberge und gefrorene Steppen, an große haarige Mam-
muts, Mastodonten und Nashörner, die sich mühsam durch die schnei-
dend kalten, arktischen Winde kämpfen. Doch in Wirklichkeit sah es auf
dem größten Teil der Erde ganz anders aus: Es gab viele Stellen, die sich
bestens für einen Badeurlaub oder einen Schnorcheltrip an einem tropi-
schen Riff geeignet hätten; es gab Wüsten und Regenwälder wie die
meisten anderen Lebensräume, die wir heute auf Erden finden. Wenn Sie
das Becken von Los Angeles vor 12000 Jahren hätten besuchen können,
so hätten Sie auch damals Strandkleidung tragen können, in Malibu ein
Sonnenbad nehmen (abgesehen davon, daß der Meeresspiegel mehr als 30
Meter unter dem heutigen Niveau lag und der Strand im Vergleich zu
heute ein wenig nach Westen verschoben gewesen wäre) oder bei hellem
Sonnenschein zu den San Gabriel Mountains hinauf Wandern können. ..."

aus: Peter D. Ward: "Ausgerottet oder ausgestorben? Warum die Mammuts die Eiszeit nicht überleben konnten."
S. 26
Link bekommst du nicht, damit du nicht wieder jammerst.

der Nordamerikaner, auf den ich mich bezog, heisst: R. McNeish
der hat ein diagramm erstellt zum vergleich der gletscher im Ayacucho tal mit denen in nordamerika.

McNeish hat im Ayacucho-Tal im Süden Perus eine Reihe von Höhlen untersucht und meinte Spuren einer Besiedlung gefunden zu haben, die mittels Radiocarbon-Methode
auf ein Alter von etwa 20.000 Jahre datiert wurden. Die früheste Phase lag zwischen 18.000 und 14.000 v. Chr., gefolgt von einer weiteren Phase 14.000-11.000 v.Chr.

Im "Macmillan Dictionary of Archaeology" (1984), herausgegeben von Ruth D. Whitehouse (auch diesen Link bekommst du nicht), wird dies wie folgt kommentiert:

"Es ist darauf hinzuweisen, dass trotz der Radiokarbondaten McNeishs Argumente für eine schon so frühe Anwesenheit des Menschen viele Probleme aufwerfen. Die wichtigsten unter ihnen sind:
(1) die Möglichkeit, dass viele der frühen „Werkzeuge“ nicht wirklich von Menschenhand geschaffen sind ;
(2) die Möglichkeit, dass die Faultierknochen (von denen die frühen Daten abgeleitet wurden) natürliche Fundstücke und nicht die Überreste menschlicher Jagd-Aktivitäten sind ;
(3) die Tatsache, dass McNeish's Konstruktion von der unwahrscheinlichen Voraussetzung abhängt, dass südamerikanische Eiszeiten mit denen der nördlichen Hemisphäre abwechseln, anstatt mit ihnen zusammenzufallen."

Offensichtlich verwendete McNeish also seine These, dass "südamerikanische Eiszeiten mit denen der mördlichen Hemisphäre abwechseln", als Mittel zum Zweck, die Radiokarbon-Daten von dem, was er als Werkzeuge ansah, und vorgefundenen Faultierknochen, die er als Reste menschlicher Jagd wertete, nicht wegen der klimatischen Verhältnisse als fehlerhaft und unglaubwürdig erscheinen zu lassen.

Das heißt selbstverständlich nicht, dass er falsch liegt, aber es hat ein G'schmäckle, ist m.E. das Gegenteil von unvoreingenommener Forschung. Ich kann dazu solange keine Meinung habe, solange ich nicht weiß, WIE er zu seiner Gletscher-These, die im Gegensatz zu allen Befunden steht, gekommen ist.
Auf den Quellennachweis bei Peter Kaiser kann ich leider nicht zugreifen, da ich das Buch vor einiger Zeit verschenkt habe.

Wenn du aus dem Nature-Artikel zitierst und den Satz "we synchronized the Junín GI (Fig. 3b) and Antarctic (EPICA) δD (ref. 18) records" unterstreichst, die Leute als "Potsdamer Klimakämpfer" bespöttelst, dann zeigt das, wie oberflächlich du liest: "NH" steht für "nördliche Hemisphäre" und "SH" steht für "südliche Hemisphäre", und wenn da von "interhemispheric" die Rede ist... Na? Du errätst es sicher. Heilige Einfalt.

Die eine Sache ist, eine gewonnene Zeitreihe der südlichen Hemisphäre mit einer weiteren, bereits vorliegenden Zeitreihe der südlichen Hemisphäre abzugleichen, auf Synchronität zu prüfen, die andere Sache ist, sie erst dann mit einer Datenreihe der nördlichen Hemisphäre zu vergleichen. Es geht darum, die Fehlerquelle eines sogenannten "Time-Lag" einschätzen zu können, wenn man die Daten verschiedener periodischer Zeitreihen vergleicht.

Dir würde ich jedenfalls keine Steuergelder zwecks Forschung anvertrauen wollen, so oberflächlich, selektiv und voreingenommen wie du mit bereits vorhandenem Forschungs-Material anderer Leute umgehst. ;-)

Zu Velikowsky:

Den Artikel von Hibben gibt es hier ( https://sci-hub.ru/https://doi.org/10.2307/275906 ) und was Velikowsky nicht zitiert, ist der Abschnitt:

"It thus appears that the formation of the Alaskan
mucks is complex and that all of these depositions were certainly not
made at a single time
."
!

sowie:

"Mr. Otto Geist, through
whose courtesy the author was allowed to examine the deposits in the
vicinity of Fairbanks, has suggested that this mammal life was com-
pletely destroyed in one or a series of volcanic eruptions, and the loess
material with the dismembered animal and vegetal remains, washed
into the creek valleys from the surrounding hills where they were actu-
ally buried or later died."
(S. 256)

Ebenso selektiv geht er vor, wenn er Froelich Rainey zitiert:
( https://www.cambridge.org/core/journals/american-antiquity/article/abs/archaeological-investigation-in-central-alaska/069C715F1FD7837D60884F62093508B5 )

(Seite 305)

Wide cuts, often several miles in length and sometimes as much as
140 feet in depth are now being sluiced out along stream valleys tributary
to the Tanana in the Fairbanks District. In order to reach gold-bearing
gravel beds an over-burden of frozen silt or "muck" is removed with
hydraulic giants. This "muck" contains enormous numbers of frozen
bones of extinct mammals such as the mammoth, mastodon, super-
bison and horse,

so weit, so gut, aber hier bricht er das Zitat mitten im Satz ab, denn es folgt Unangenehmes, das ihm nicht in den Kram passt:

... as well as brush, stumps, moss and fresh-water mollusks.
...
Tree-ring studies recently carried out by J. L. Giddings, Jr. for the
Frick laboratories in the American Museum suggest that the process
of deposition as well as the actual age of the muck may be determined
by this method. Utilizing stumps found at different levels in the muck,
he has determined that some 15 to 20 feet of muck were deposited in
Engineer Creek during a period of 307 years
. ...
!!!


Dann geht es weiter, Schauplatz Sibirien:

"Der Körper eines Mammuts mit Fleisch, Haut und Haar wurde
1797 in Nordostsibirien gefunden, und seitdem sind aus dem gefrore-
nen Boden weitere Mammutkörper an verschiedenen Orten dieser Re-
gion ans Tageslicht gebracht worden."

Was er nicht erwähnt, dass so gut wie jeder der einzelnen Funde mittels radiocarbon-Methode ein ganz unterschiedliches Alter zugewiesen wurde.

Dann zitiert er D. Gath Whitley, der über Iwan Ljachow berichtet, der die nach ihm benannten Ljachow-Inseln in der Hoffnung aufsuchte Mammutknochen und Elfenbein zu finden. Er behauptete danach, die Menge an Mammutknochen und -stoßzähnen sei so enorm, dass man denken könne, die Inseln bestehen daraus.

gegen eine Vereinnahmung für Velikowskys Impakt-These spricht:

"Neuere russische Arbeiten über die Geologie der Neusibirischen Inseln und deren Bodeneis."
von E. Kayser (Marburg)
...
Wollossowitsch nimmt an, daB das Ljachoweis der diluvialen
Hauptvereisung entstammt, während die darüber liegenden knochen-
und pflanzenreichen Schichten unter viel gunstigeren klimatischen
Verhaltnissen entstanden sein müssen
.
...
Eine andere wichtige Frage betrifft das nordsibirische Mammut. Schon
Wollossowitsch bemerkt in seinem Aufsatze über das Sanga-Jurach-
Mammut, daB dieses Tier eine Kümmerform, vielleicht eine besondere
Rasse von Elephas primigenius darzustellen scheine. Später hat, wie
Herr Karpinsky mir gütigst mitteilt, Tolmatschew bei seinen Be-
suchen der sibirischen Museen mehrfache Abweichungen eines Teils der
dort aufbewahrten Mammutreste vom typischen Mammut wahrge-
nommen
. Es wäre gewiB von Interesse. diese Abweickungen genauer
zu verfolgen und zu entscheiden, ob sie etwa mit Unterschieden im
geologischen Alter zusammenhangen
. Hoffentlich werden die zu er-
wartenden Untersuchungen der russischen Fachgenossen in nicht all-
zulanger Zeit diese und andere noch vorhandene UngewiBheiten auf-
hellen."

https://www.zobodat.at/pdf/Geologische-Rundschau_6_0043-0049.pdf


Ebenso stehen die Verhältnisse, die man bei der Untersuchung der Mammut-Population, die auf der Wrangelinsel bis ca. 1.700 v.Chr. überlebt hat, mit dem von Velikowsky aus dritter Hand berichteten der Ljachow-Inseln:
"Das Forschungsteam aus Deutschland, Finnland und Russland untersuchte die Isotopenzusammensetzung von Kohlenstoff, Stickstoff, Schwefel und Strontium von mehr als 170 Mammutknochen und -zähnen aus Nordsibirien, Alaska, dem Yukon und der Wrangelinsel. Die Funde waren zwischen 40.000 und 4.000 Jahre alt."
und
"Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu den Erkenntnissen über Wollhaarmammuts aus der ukrainisch-russischen Ebene, die vor 15.000 Jahren ausstarben, und zu den Mammuts der Insel Saint-Paul in Alaska, die vor 5.600 Jahren verschwanden. In beiden Fällen zeigten die letzten Vertreter dieser Populationen deutliche Veränderungen in ihrer Isotopenzusammensetzung. Dies weist auf eine Veränderung ihrer Umwelt kurz vor dem lokalen Aussterben hin."
https://uni-tuebingen.de/newsfullview-landingpage/article/wie-den-letzten-mammuts-eine-einsame-insel-zum-verhaengnis-wurde/
die Originalarbeit:
https://sci-hub.ru/https://doi.org/10.1016/j.quascirev.2019.105884

Nix von Mammut-Friedhof, nix von Massensterben, nur gewöhnliches Siechtum und Verfall, wie bei unsereins. Im Gegenteil, sie haben ihre bereits ausgestorbenen Verwandten auf dem Festland um einige Tausend Jahre überlebt.

Das muss reichen, die Selbstüberschätzung, die aus Velikowskys Schreibe tropft, kann ich nicht leiden:

"Die Wissenschaftler, welche die »Muck«-Schichten Alaskas erforsch-
ten, haben sich über die Ähnlichkeit dieser Tierreste mit jenen in den
Polarregio-nen Sibiriens und auf den arktischen Inseln keine Gedan-
ken gemacht, und deshalb auch nicht eine gemeinsame Ursache disku-
tiert. Die Erforschung der Neusibirischen Inseln, über einundeinhalb-
tausend Kilometer entfernt von Alaska, war das Werk von Gelehrten
des 18. und 19. Jahrhunderts, die den Elfenbeinjägern folgten; die Er-
forschung des Bodens Alaskas war das Werk von Wissenschaftlern
des 20. Jahrhunderts, die den Goldgräbermaschinen folgten."

"...haben sich ... keine Gedanken gemacht..." So ein Blödsinn, vielmehr war keiner von ihnen so zwanghaft wie Velikowsky, alle möglichen paläontologischen Funde, auch wenn sie offensichtlich aus verschiedenen Zeiten stammen, einer einzigen globalen Katastrophe zuordnen zu wollen.

Damit du mir nicht eine vermeintliche Meinung anhängst, die ich mit keinem Wort angedeutet habe:

Ich halte Velikowsky für manipulativ, das ist eine Sache.
(Mindestens) eine stattgefundene mehr oder weniger globale Flut kann als wahrscheinlich angenommen werden, denkbar auch durch einen Impakt, das ist eine andere Sache.
Und ich bekenne, dass ich Hans-Joachim Zillmers "Irrtümer der Erdgeschichte" immer mal wieder zur Hand nehme.

Gruß
Ulrich


Gesamter Strang: