@Detlef (Freie Themen)

Ulrich ⌂, München-Pasing, Sonntag, 10.03.2024, 21:22 (vor 33 Tagen) @ detlef (375 Aufrufe)

Hallo Detlef,

warum? weil die deutsche ueberschrift, die sich auf diesen artikel beruft, mir falsch bis gelogen (fuer die juengeren: Fake) vorkam. sie lautet:
Tropische Gletscher folgten dem Rhythmus der Ausdehnung des Inlandeises auf der Nordhalbkugel

ich sehe nicht, was an dem Titel "falsch bis gelogen" wäre: Er bezieht sich auf die Schlussfolgerungen der Untersuchung. Warum sollte man die Herkunft der Daten dieser Studie in die Überschrift packen?
Es wird auch korrekt formuliert, "folgen dem Rhythmus" und nicht etwa "sind identisch", womit offengelassen ist, wie man das systematische Time-Lag von -18.750 Jahren (INNERHALB der Daten von 700.000 Jahren) interpretiert.
Eine nachvollziehbare Erklärung wird ja im Originalartikel genannt:
"The systematic 18,750-year lag in the Junín GI record relative to EPICA δD (Fig. 3b,c) may be an artefact of the limitation of U-Th to date only the low sedimentation rate, high carbonate (interglacial) intervals and not the glacial intervals that are marked by higher sedimentation rates and low authigenic carbonate."

um das ganze nicht ausufern zu lassen, erspar ich dem leser ueber die haelfte der gefundenen klopse.
(kann bei bedarf nachgereicht werden)
hier nur noch zwei kurze:
Given the orders-of-magnitude difference in response times between alpine glaciers and NH ice sheets,

was stört dich daran? Daten verschiedener Zeitreihen zu vergleichen macht nunmal nur Sinn, wenn man wissen lässt, worauf sie sich beziehen, "orders-of-magnitude difference" verbietet, die ABSOLUTEN ZAHLENWERTE zu vergleichen. Ich sehe, dass dir der Anglerjargon der Statistik so fremd ist, dass du ihn offenbar missverstehst.

Das gilt offensichtlich auch für den Satz:

To compare the relative extent of tropical glacial cycles and global ice volume over the past 700 ka, we synchronized [Hervorhebung von dir] the Junín GI (Fig. 3b) and Antarctic (EPICA) δD (ref. 18) records...

Synchronisieren von Zeitreihen ist die übliche Standard-Methode, den "relative extent" innerhalb der Zeitreihen zu vergleichen. Ja wie denn sonst, du Genie? Das wird in allen möglichen Bereichen, von der Epidemiologie bis zur "Behavioral Finance" angewendet und die Annahme, da würden Daten "passend gemacht" zeugt von totaler Ahnungslosigkeit.

in dem bild von R. McNeish unten, in der linken spalte, kann man sehen, dass die hier oben genannte "angleichung" in der groessenordnung eines ganzen eiszeit-zwischeneiszeit zyklus liegt.

ist nicht dein Ernst, oder? Meinst du etwa, McNeishs Theorie von alternierenden Eiszeiten auf der Nord- und Südhalbkugel sei plausibler, wenn man die beiden Zeitreihen nicht synchronisiert?
Ich habe hier das gleiche grundsätzliche Problem wie beim Versuch, uns über den Maya-Kalender auszutauschen: Ich kann mit der, ich nenne es mal "eigenwilligen" Art, mit Zahlenreihen, Zeitreihen, Datenreihen umzugehen nichts anfangen.

die deutsche nachricht:
"Tropische Gletscher folgten dem Rhythmus der Ausdehnung des Inlandeises auf der Nordhalbkugel"
waere akzeptabel gewesen, wenn die da noch ein "vielleicht" oder "moeglicherweise" reingedrueckt haetten. selbst ein "wahrscheinlich" koennte man noch als journalistische kreativitaet >durchgehen lassen.

nein, das ist falsch was du da behauptest, und es wird nicht wahrer, wenn du es wiederholst (siehe oben).
Bestenfalls könnte man vorwerfen, dass aus der Überschrift nicht ersichtlich ist, was mit "folgen dem Rhythmus" gemeint ist: Dass die Minima und Maxima auch hinsichtlich der Relation der jeweiligen Amplitude synchron verlaufen, und daran gibt es trotz des Time-Lag nichts rumzudeuteln. Aber das muss ja wohl nicht in der Überschrift stehen, da man es in der verlinkten Originalarbeit nachlesen kann.

tja, um einen gewissen herrn Habück zu zitieren: die haben nicht gelogen, sondern bloss nicht die wahrheit gesagt.

von Habeck kennt man auch, dass er den Leuten "die Welt erklären" will und dabei über Sachverhalte spricht, von denen er ganz offensichtlich keine Ahnung hat, aber seine "Erklärungen" zwanghaft immer darauf hinauslaufen, dass man alles auch ganz anders sehen kann.

Gruß
Ulrich


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